[Kreativ – Ecke] Interview mit Ulrike Limacher – kreativ mit Nadel und Faden.

– Wann kam dir die Idee, kreativ mit Nadel und Faden zu werden?

Meine Oma, bei der ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, hat schon immer genäht und ich hab ihr als Kind über die Schulter geschaut. Als Teenager habe ich mich dann auch selbst mal probiert und habe eine Tasche aus einem schrecklichen Zottelstoff genäht.

Als ich dann vor 10 Jahren zum zweiten Mal schwanger war, habe ich quasi im Nestbautrieb eine komplette Babyausstattung genäht und das hat sich in der Elternzeit mehr und mehr ausgeprägt.

Ich habe zudem schon immer viel gelesen und zur Coronazeit bin ich irgendwie über die sozialen Medien in eine Autoren-Leser-Gruppe gestoßen, worauf ich die ersten Leseknochen und ja, auch Stoffmasken genäht habe.

Ein paar Leute haben mich dann ermutigt, ein Kleingewerbe anzumelden, als immer mehr Bekannte an mich herangetreten sind und so entstand dann 2022 Needle Art ☺️

– Was war dein erstes Produkt?

Die ersten Verkäufe habe ich tatsächlich mit Leseknochen und Rucksäcken (in Turnbeutel-Art) generiert und es kamen dann immer mehr Artikel hinzu.

– Du hast eine große Produktpalette. Nicht nur aus Stoff. Gibt es ein Material, das du nicht gerne verwendest?

Ich bin für alles offen und probiere gerne Neues aus. Bisher ist mir nichts untergekommen, was ich nicht mochte.

Gerade auf Messen möchte man sich ja ein bisschen mit seinem Sortiment abheben.

Allerdings wird es einem leider immer schwerer gemacht, da man mittlerweile alles deklarieren und mit allen möglichen Warnhinweisen kennzeichnen muss, wodurch ich schon einige Artikel aus dem Sortiment nehmen musste, einfach um nirgends in die Haftung genommen werden zu können.

– Kannst du uns vielleicht mehr vom Werdegang, von der Idee bis zum fertigen Produkt erzählen?

Mache Kunden kommen mit eigenen und auch mal ziemlich konkreten Ideen, z. B. bei meinen ersten Buchtaschen mit den Klappen war dies der Fall. Ich sehe mich dann nach einem Schnitt um und wenn ich nichts Passendes finde, werkele ich so lange daran herum, bis es für alle passt.

Ich nähe meist nach Schnittmuster, d. h. ich kaufe zum Beispiel einen Schnitt für eine bestimmte Tasche, dann drucke diesen aus, klebe die Schnittmusterteile zusammen, schneide diese dann wiederum aus festem Papier aus. Danach muss der Schnitt auf die Stoffe übertragen und ausgeschnitten werden, eventuell auch noch aus dem Material, das ich zum Verstärken der Stoffe nutze. Die Stoffe werden mit der Verstärkung versehen, erst dann kann ich die Teile nach und nach zusammenstecken und nähen.

Meist nähe ich für mich zur Probe. Wenn ich sehe, dass Leute auf mich zukommen und eine Tasche dieser Art bestellen möchten, bin ich verpflichtet, eine Gewerbelizenz zu diesem Schnitt bei dem Schnittersteller zu kaufen. Diese Lizenz gilt dann meist für ein Jahr, ist aber ebenfalls begrenzt auf eine bestimmte Anzahl genau dieser Taschen, die ich innerhalb dieses Zeitraumes verkaufen darf.

Im Gespräch mit den Kunden wählen wir dann gemeinsam Stoffe bzw. Kunstleder aus, passende Reißverschlüsse, Zipper, Karabiner und Gurtbänder etc., dann mache ich mich an den Zuschnitt der benötigten Teile. Diese müssen – je nach Schnitt – dann noch verstärkt werden, und dann geht es ans Stecken und Nähen.

– Wo findest du deine Materialien?

Mit der Zeit pickt man sich so seine liebsten Stoffhändler aus. Diese habe ich meist durch Empfehlungen oder durch eine Online-Suche nach etwas Bestimmten entdeckt. Es gibt für mich einige gute Händler, von denen ich regelmäßig meine Stoffe & Zubehör beziehe & diesen bin ich auch in der Regel treu.

– Welche Nähmaschine zaubert gemeinsam mit dir, die wunderbaren Sachen?

Ich habe mittlerweile tatsächlich fünf Nähmaschinen 🙈😅

Zuerst habe ich an einer „normalen“ Haushaltsnähmaschine von AEG genäht, die mir nach wie vor treue Dienste leistet, jedoch nicht für schwere Stoffe und viele Stofflagen geeignet ist.

Da ich zu Beginn viel Kinderkleidung genäht habe, wollte ich auch was „Schickes“, darum wurde die nächste Maschine etwas teurer, eine Carina Nähmaschine, mit vielen Zierstichen.

Bald war die aber auch nicht mehr genug und es musste eine Carina Overlockmaschine her, die für elastische Stoffe und somit elastische Nähte geeignet ist, die für Bekleidung unabdingbar ist.

Danach kam noch eine Coverlockmaschine hinzu, die für tolle Säume sorgt und die zuletzt angeschaffte Maschine ist eine Gritzner Nähmaschine, die eben auch dickere Stoffe und Kunstleder in mehreren Lagen schafft.

Genug der Werbung 😅

– Hast du einen Tipp, für Anfänger wie sie an kleinere Näharbeiten rangehen sollten?

Es ist – wie bei allem – noch kein Meister vom Himmel gefallen. Daher sollten man mit etwas Einfachem beginnen, vielleicht eine Hose umnähen, oder eben ein doppellagiges Lesezeichen oder so, wobei man eben nur gerade Stiche nutzt, um ein Gefühl fürs Nähen und die Nähmaschine zu bekommen.

Für mich kann ich sagen, Nähen ist „learning by doing“ und ich habe gerade zu Beginn Schnittmusterbücher mit Nähvideo-Links gekauft. Da bekommt man viel erklärt, auch mal Schritt für Schritt, was man dann beim nächsten ähnlichen Schnitt so übernehmen kann.

Das hat mir viel geholfen, denn gerade beim Nähen lernt man nie aus.

Man muss sich nur trauen.

– Gibt es Stoffe, die erst für Fortgeschrittene nutzbar sind?

Ich würde tatsächlich nicht mit Bekleidungsstoffen, also dehnbaren Stoffen, beginnen.

Anfängertauglich ist Baumwollwebware, woraus man z. B. Kissen oder Beutel nähen kann. Das ist einfach für den Anfang und geht recht schnell.

Von sehr dünne Stoffen, wie Vorhangstoffe oder Tüll, würde ich ebenfalls abraten, da diese sehr rutschig sind und gerne mal von der Maschine „gefressen“ werden. Was nur zu Frust und evtl. Schäden am Stoff sorgt.

Du erfüllst jedes Werk mit deiner eigenen persönlichen, vorallem liebevollen Note. Das macht jedes Stück zu etwas Besonderem.

– Welches Stück ist dir am liebsten?

Im Moment nähe ich am liebsten Taschen aller Art und nutze auch im täglichen Gebrauch eine meiner mittlerweile sehr zahlreichen eigenen Taschen.

– Was ist das neueste Produkt, von dir?

Das neueste Produkt sind Booksleeves, das sind Buchtaschen, die oben ganz einfach mit einem Druckknopf geschlossen werden.

– Gehst du auch auf Märkte, um deine Produkte zu verkaufen?

Ich hoffe – sofern sie stattfindet – auch dieses Jahr im Oktober wieder bei der Queer Book Fair in Frankfurt dabei sein zu dürfen.

Termine:

12.09.2026 Klischee – Buchmesse in Darmstadt (findet zum ersten Mal statt und es sind bereits um die 200 Aussteller angemeldet)

19.09.2026 Rheinhessen Bücherliebe (kleine, aber feine Buchmesse in Worms, quasi ein Heimspiel für mich)

(steht noch nicht fest, jedoch evtl. 28./29.11.2026 Schlosshofzauber – Neuschlösser Weihnachtsmarkt (kleiner Weihnachtsmarkt)

05.12.2026 Winterlesezauber in Fellbach (Stuttgart) (Buchmesse mit Lesungen in tollem weihnachtlichen Ambiente)

– Wo kann man deine Produkte käuflich erwerben?

Meine Produkte kann man direkt bei mir erwerben. Man findet mich über Facebook und Instagram unter „Needle Art by UlliLi“, man kann dort meine Mailadresse einsehen und mich auch darüber kontaktieren, Homepage habe ich leider keine.

https://www.facebook.com/NeedleArtbyUlliLi

https://www.instagram.com/needle_art_by_ullili

Ich danke dir vielmals für das tolle Interview und deine detaillierten Fragen. Es hat mir viel Spaß gemacht, auf jede einzelne einzugehen.

Viele liebe Grüße 

Ulli

Ihr Lieben, Ulrike macht traumhafte Sachen. Nach einer traurigen Begebenheit, zauberte sie Untersetzer im Andenken an meinen Papi. Ein Schreibmäppchen, eine Tasche für die Buchmesse. Seit dem begleiten ihre Schmuckstücke mich täglich. Es wird nicht das letzte Stück sein, das ich mir von ihr bestelle.

Sie ist ein wunderbarer Mensch, der gerne auf Wünsche eingeht.

Schaut gerne mal vorbei. Ihr werdet sicher fündig.

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