[Interview] Jana Oltersdorff

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Jana Oltersdorff – Die Autorin der dunklen Märchen

©Jana Oltersdorff

Jana Oltersdorff, Jahrgang 1977, geboren und aufgewachsen in Wismar an der Ostsee. Nach dem Abi lebte ich acht Jahre in Hamburg, bevor es mich 2002 ins Rhein-Main-Gebiet verschlug, wo ich bis heute kleben geblieben bin. Ich bin verheiratet und Mutter von Zwillingen, und das Schreiben ist bei mir Passion, der ich mich neben meinem ganz normalen Alltag zwischen Vollzeitjob, Familie und Haushalt hingebe, so oft es geht.


1. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe – wie wahrscheinlich viele Autoren – schon im Teenageralter Gedichte und kleine Texte geschrieben, die aber nur für mich waren und nie das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Dann kam das Leben dazwischen, und ich schrieb jahrelang überhaupt nichts, bis ich für eine Comicreihe, die ich abgöttisch liebe (Elfquest von Wendy & Richard Pini) ein paar Fan Fictions verfasste. Als ich die virtuelle Onlinewelt von Second Life entdeckte und dort mehrere Jahre sehr aktiv war, schrieb ich meine ersten journalistischen Texte für das leider sehr kurzlebige Magazin SLM (Second Life Magazine) und später für das Online-Newsportal Virtual World Info. Erst im Jahr 2009 fand ich zum belletristischen Schreiben zurück, als ich eine Ausschreibung für Hobby-Autoren entdeckte. Gesucht wurden phantastische Kurzgeschichten mit Rhein-Main-Bezug, und ich stellte fest, dass die Idee zu einer Geschichte, die mir schon länger im Kopf herumspukte, perfekt dazu passte. Ich schrieb die Geschichte, reichte sie ein und vergaß das Ganze – bis ich eines Tages einen Brief vom Verlag erhielt und erfuhr, dass ich nicht nur in der Anthologie dabei war, sondern obendrein auch noch den besten Beitrag geschrieben hatte. Da hatte ich Blut geleckt, dieses Erfolgserlebnis wollte ich wieder haben. Es dauerte dann aber noch einmal fast zwei Jahre, bis ich es endlich hinkriegte, das Schreiben zu einem festen Bestandteil meines Lebens zu machen.


2. Was treibt dich an?

Ich liebe das befriedigende Gefühl, wenn ich mich im Schreibprozess befinde und noch besser: Wenn ich eine Geschichte beendet habe. Und schön ist es auch, Feedback von anderen Menschen zu erhalten, die meine Geschichten lesen. Dieses schöne Gefühl möchte ich möglichst wiederholen. Das motiviert mich.


3. Was blockiert dich?

Richtige Schreibblockaden habe ich noch nicht erlebt. Wahrscheinlich schreibe ich dafür noch zu wenig. Was mich aber abhält, das kann ich eher beantworten: der Alltag mit allem, was dazugehört. Außerdem arbeite ich ja gern für andere Autoren und Kleinverlage als Lektorin und Korrektorin. Das macht mir unglaublich viel Spaß, ich lerne dabei auch enorm viel für mich selbst, aber es kostet auch viel Zeit, und die fehlt mir dann wieder zum Schreiben.


4. Wie fühlst du dich, wenn du ein Projekt beendet hast?

Da empfinde ich ein gewisses Hochgefühl. Im Idealfall hält dieses Gefühl an, wenn ich die Geschichte ein paar Tage später noch einmal lese, um sie zu überarbeiten. Ich empfinde aber auch meistens Erleichterung. Ich schreibe ja Kurzgeschichten, und die entstehen oft mit Deadlines für Anthologien oder Wettbewerbe im Hintergrund. Jedes Mal ist da diese Angst, ich könnte es nicht rechtzeitig schaffen oder schreibe Murks, um die Deadline irgendwie einzuhalten. Und wenn ich beim Überarbeiten merke, dass das alles andere als Murks, sondern sogar richtig gut ist, dann bin ich erleichtert und auch ein bisschen stolz.


5. Hast du einen genauen Tagesablauf zum Schreiben?

Nein. Ich bevorzuge es aber, abends bis spät in die Nacht zu schreiben. Da habe ich die meiste Ruhe. Wenn ich tagsüber Zeit habe, also nicht meinem Brotjob nachgehe, dann erledige ich da eher Dinge wie Korrespondenz, Social Media Aktivitäten, Korrektorate und Überarbeitung. Der kreative Part findet aber fast immer abends und nachts statt.

6. Wie machst du es mit Ideen, wenn du unterwegs bist?

Wenn ich allein im Auto bin, dann führe ich permanent Selbstgespräche, denn die helfen mir, meine Ideen zu sammeln und zu ordnen. Dann merke ich sie mir auch besser, um sie später zu notieren, wenn ich wieder am PC sitze. Ein Notizbuch trage ich jedenfalls nicht ständig mit mir herum.

7. Woher kommen deine Ideen?

Du meinst, wodurch ich mich inspirieren lasse? Durch alles Mögliche. Mir reichen schon kleine alltägliche Situationen, die ich beobachte. Auch Sätze, die von Kollegen im Büro oder von Talkshowgästen im TV gesagt werden, haben mich schon inspiriert. Und natürlich hole ich mir auch Anregung aus Büchern und Filmen.

8. Wo schreibst du am Liebsten?

Vielleicht nicht unbedingt am liebsten, aber am häufigsten sitze ich am Esstisch in unserem Wohnzimmer. Dabei haben wir einen wunderschönen Schreibtisch mit allem, was das Autorenherz begehrt, in unserem Dachstudio eingerichtet. Aber vom Esstisch ist der Weg zur Kaffeemaschine nicht so weit.
9. Was benötigst du zum Schreiben?

Ganz wichtig: Kaffee. Also tagsüber. Und abends meistens Cola. Dann natürlich mein Laptop. Ich schreibe immer direkt am PC, selten bis nie mache ich mir handschriftliche Notizen.


10. Machst du eine Schreibpause im Jahr?

Nein. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass ich auch Schreibphasen habe. Die habe ich aber auch nicht. Ich bin froh für jeden Abend, an dem ich schreiben kann. Ausnahmen sind dann der Urlaub mit der Familie und Weihnachten. Da passiert wirklich nix.

11. Gibt es Genres, in denen du dich nie heimisch fühlen würdest?

Ja, durchaus. Das sind die Genres, die ich auch nicht so gern lese. Dazu gehören Historisches, Erotik, Chicklit und Krimi. Erotik kenne ich nur, weil ich eng mit einer Autorin zusammenarbeite, die auf diesem Gebiet sehr erfolgreich unterwegs ist. Ansonsten ist das nicht mein Genre.

12. Liest du gerne selbst?

Aber selbstverständlich! In letzter Zeit nicht mehr so viel. Der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. Aber ich lese total gern.


13. Welches Genre?

Ich mag alles, was man grob unter Horror zusammenfassen kann. Das reicht von mysteriösem Grusel über Schauermärchen bis hin zu Splatter. Aber ich mag auch Science Fiction sehr gern und humorige Geschichten, die meine Lieblingsgenres auf den Arm nehmen. Ach ja, und ich liebe Kurzgeschichten, besonders die unheimlichen, denn ich finde, der Horror kann sich in dieser Literaturgattung erst so richtig entfalten und schocken.


14. Was möchtest Du deinen Lesern oder baldigen Lesern noch mitteilen?

Lest mehr Kurzgeschichten! Nein, wirklich, das liegt mir echt am Herzen, nicht nur, weil ich sie selbst schreibe. Aber ich höre das immer wieder von Leuten, die darauf bestehen, dass sie lange Geschichten und dicke Bücher brauchen. Kurzgeschichten seien einfach zu kurz, um mit den Charakteren warm zu werden. Kaum taucht man ein, ist man auch schon durch. Ja, das ist wohl so. Aber sie bieten auch Vorteile: Man schafft es, sie in kurzer Zeit komplett zu lesen, zum Beispiel in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Oder man kann auf diese Weise Autoren oder Genres ausprobieren, die man noch nicht kennt. Ich persönlich finde es auch immer spannend bei einer Anthologie zu einem bestimmten Thema, wie jeder beitragende Autor es in seiner Geschichte umgesetzt hat. Wie oft habe ich da schon gedacht: Das hätte dir mal einfallen sollen! 🙂

Wer mehr von der Autorin, die auf Gebrüder Grimms Pfaden wandelt,

und über ihre Werke lesen und erfahren möchte,

kann gern auf

Janas-Dunkle-Geschichten

Jana-Oltersdorff-Autorin

vorbei schauen.

Hier nun eine Vorstellung ihrer Werke:

»Zwischenstopp: Dunkle Geschichten«, 2013ISBN: 978-1489597489

S-Bahnen, die aus unerfindlichen Gründen irgendwo im Nirgendwo halten. Frauen, die sich mit ihren seltsam verwandelten Ehemännern konfrontiert sehen. Leere Bücher, die sich plötzlich wie von Geisterhand füllen und merkwürdige Botschaften enthalten. Autopannen, die zu unheimlichen Begegnungen führen. Gartenpforten, die man besser niemals geöffnet hätte. Cocktails, die nur so gut schmecken, weil der Barkeeper ihnen eine sehr spezielle Zutat beimischt. Zeitreisen, die angetreten werden müssen, weil sie bereits stattgefunden haben. Treppen, die nirgendwohin führen – auf den ersten Blick. Und eigenartige Hinweisschilder am Highway, denen man vielleicht doch nicht hätte folgen sollen. Diese Sammlung von mysteriösen, manchmal amüsanten, oft einfach unheimlichen Kurzgeschichten erzählt, was passiert, wenn man nicht aufpasst, wenn man die Warnhinweise ignoriert, wenn die Neugier über die Vorsicht siegt, wenn man einen Weg einschlägt, ohne auch nur zu ahnen, was an seinem Ende lauert. Lesen Sie selbst, Sie werden es nicht bereuen! Oder vielleicht doch…? “Hier trifft ein wirklich hammermäßig geiler Schreibstil auf Gruselideen vom feinsten Horrorwerk. Wir sind beeindruckt von der Art und Weise der Umsetzung und konnten nicht aufhören zu lesen. Jeder, der auf den guten alten Horror und subtilen Grusel steht oder dem fantastische Aspekte wichtig sind, kommt hier auf seine Kosten. Jana Oltersdorff serviert dem Leser eine gekonnte Mischung aus Horror, Grusel und Fantasy, die einen zum Schmunzeln bringt, und gleichzeitig macht man sich vor Angst in die Hose.” (InFlagrantiBooks)

(Quelle: amazon)

»Die Brezelfrau«, 2014ASIN: B00GB0W93O

„Sie flüsterten nur, doch ich verstand jedes Wort. Von einem alten Fluch war die Rede. Von der Hexe aus dem Wald. Sie nannten sie die Brezelfrau.“

Von Anfang an fühlt sich Johanna in dem uralten Haus am Waldrand von Hexenberg nicht wohl. Ihre Zwillinge Hans und Greta aber lieben ihr neues Zuhause. Als eines Tages kleine geflochtene Körbe mit frisch gebackenen Brezeln auf der Türschwelle stehen, ahnt Johanna, dass es besser ist, das verführerisch duftende Gebäck nicht anzurühren. Doch es tauchen immer wieder Brezelkörbe auf, und Johanna kann nicht ewig verhindern, dass ihre Kinder davon naschen. Als sie von der alten Hilde Korpath die Legende erfährt, die sich um den Hexenberg rankt, erkennt sie die wahren Ausmaße der Gefahr, doch da ist es schon fast zu spät.

„Die Brezelfrau“ ist ein modernes Schauermärchen, angelehnt an Motive aus dem bekannten Märchen Hänsel und Gretel von den Gebrüdern Grimm.

„Doch der Geist der Brezelfrau ist nicht fort; er geht immer noch am Hexenberg um und sinnt auf Rache. Und von Zeit zu Zeit verschenkt sie ihre Brezeln, um sich neue Opfer zu holen …“

(Quelle: amazon)

»Des Nachts im finstren Wald: Dunkle Märchen«, 2015ISBN: 978-1507866214

Willkommen im finstren Wald. Kommen Sie mit in die dunklen Ecken des Märchenlandes, dorthin, wo die Stiefmutter nicht die Erzfeindin, sondern Schneewittchens beste Freundin ist und ihr beim Kampf gegen die bösen sieben Räuber hilft. Wo das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern zurückkehrt – ein Jahr nach seinem Tod. Wo die vom Himmel fallenden Sterntaler keinen Segen, sondern tödliches Verderben bringen. Wo Rotkäppchen ein hinterhältiges Biest mit psychopathischen Ambitionen ist. Und wo der mutige Recke mitten im verzauberten Schloss plötzlich feststellt, dass es besser gewesen wäre, Dornröschen niemals in seinem Schlaf zu stören. Sieben Märchen für Hartgesottene – schaurig, abgründig, unheimlich, ungewöhnlich und auf dunkle Weise … märchenhaft!

(Quelle: amazon)

Dankeschön liebe Jana, <3

für deine wunderbaren Antworten

🙂

One thought on “[Interview] Jana Oltersdorff

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