[Stuttgarter Buchwochen] 22. November 2025 Carsten Henn: »Sonnenaufgang Nr. 5«

Tom Erben spricht über die Anfänge der Stuttgarter Buchwochen. Über 800 Verlage. Das hier 30% des Gesamtumsatzes erreicht wird. Gegründet 1949. 60 Verlage haben es geschafft. Aus der sowjetischen Besatzungszone kam der Reclam Verlag dazu. Unterstützt vom Haus der Wirtschaft, dem SWR, Stadt Stuttgart, dem Ministerium das hier beheimatet ist. Es kamen jetzt insgesamt in der 2. Woche schon so viel Besucher, wie im letzten Jahr in Gänze.

Er machte noch Veranstaltungstipps zu Anselm Grün. Berichtete aber auch das die Veranstaltung mit Denis Scheck und einige Tage später, mit Caroline Wahl ausgebucht waren.

Carsten Henn ergreift das Wort. Sitzend auf dem Sofa schreibt er. 2 Katzen neben ihm Notebook auf dem Schoß. Der Beginn macht meist ein Zitat eines großen Denkerin oder Denkers. Der Spruch „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“ stammt vom dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. Das ihn diesmal begleitet hat.

Im Buch „Sonnenuntergang Nr. 5“ geht es um die Diva Stella Dor. Sie trinkt einen French 75′ zur Erklärung Der French 75 ist ein alkoholhaltiger Cocktail aus Gin, Champagner und Zitronensaft. Jonas Engelbaum ist ihr Ghostwriter.

Sie denkt an einen Lavendelstrauß. Augenblicke ihrer Jugend. Sie schreibt sie auf.

„Sommer, Wiese, Lavendel, Köpfchen hängen.“ -> Alles steht voller Bücher. Nur ein Platz bleibt leer. Dort soll ein Buch stehen. Ein ganz besonderes Buch.

Carsten Henn erzählt das er Prologe und Epiloge liebt. Denn sie machen alles so viel weicher. Geben einem die Chance die Figuren zu begleiten.

Was gab den Ausschlag dieses Buch zu schreiben? Eine Zeitungsnachricht. Eine wahre Begebenheit, die in London spielte. Von der auch ich schon gehört hatte. Mir damals schon Gänsehaut bescherte.

Oswald Lawrence sagte „Mind the Gap“. Damit gemeint ist die Spalte zwischen Bahnsteig und Zug. Nach seinem Tod konnte seine Witwe Margaret McCollum die von ihm gesprochene Ansage, nur noch an der Haltestelle Embankment im Zentrum Londons hören. Sie war enttäuscht, als sie im November 2013 bemerkte, dass die Stimme ihres Mannes ersetzt wurde. Natürlich hat sie sich bei den Verantwortlichen gemeldet.

Carsten Henn sagt, das sie damals eine Kopie bekam. Damit sie ihn immer hören konnte.

Weiter spricht er über Erinnerungen. Für ihn bestehen sie aus Fotos oder Dias. Aber auch Essen.

Carstens Oma hat auf seinen Wunsch hin, ihre Rezepte aufgeschrieben. Doch da sie alles aus dem Handgelenk gemacht hat, fehlte die Hälfte oder es gab keine Maßangaben.

Ich kenne das. Werde nie so kochen können wie meine Oma oder Mami. Von meiner Mami kann ich noch lernen. Aber selbst ich, mache es nach Gefühl.

Sein Vater hatte Bücher über Bücher. Er hat immer gelesen. Auf dem Sofa, im Bett, im Urlaub, ja eigentlich immer.

Seine Tochter kam nach Hause aus dem Kindergarten und meinte sie heiße von nun ab nicht mehr Charlotte sondern Shasha.

Die Katze im Buch „Der Buchspazierer“ heißt Hund. Kommt aber leider im Film nicht vor, obwohl sie für ihn einen Hauptfigur sei. Sie taucht aber wieder auf. Er baut Brücken aus vorherigen Büchern. Seine Figuren entstammen oft lebendgen Personen. Wenn sie dann ein Eigenleben entwickeln weiß er jetzt beginnt der Caharakter seinen eigenen Kopf zu haben.

Nebenfiguren sind ihm genauso wichtig wie die Hauptfiguren.

Die nächste Passage liest er einfühlsam. Nun spürt man die Gefühle, die Tiefe, Gänsehaut. Alles ist sehr intensiv.

Paul im Buch hat Demenz. Tanzt gerne. Würde gerne mit Stella tanzen. Carsten Henn hat das in seinem Umfeld oft erlebt. Ganz verschieden ist die Krankheit. Verschieden auch die Auswirkungen, auf das Leben.

Normalerweise mag ich persönlich keine Hörbücher, aber wenn Carsten Henn seine Bücher einlesen würde, dann würde ich sie mir mit Sicherheit kaufen.

„Lachen und weinen gehören beides zum Leben dazu“, sagt er.

Im Buch gibt es ein Geschwisterpaar. Die Wohnung mit viel Tinnef. Eine Ferienpension mit Kino im Keller. „Kinopalast“ heißt es. Imke hat alles gebastelt. Muscheln, Dinge vom Strand. Es ist die größte Stella Dor Videothek. Die Kinoleinwand ist ein Fernseher. davor ein durchgesessenes Sofa. Man kann es sich vorstellen. Betritt den Raum.

Carsten Henn liest mit verschiedenen Stimmen, großem Spaß und Freude. Er ist unglaublich. Carsten lebt das Buch, lässt es lebendig werden.

Geht zu seinen Lesungen. Es ist der Wahnsinn! Ich brüll gleich vor lachen. Halte mich aber zurück. Er liest großartig. Genau im Moment als im Buch von Polizeisirenen erzählt werden, fährt draußen ein Polizeiauto mit Sirene vorbei. Wir lachen. Er meinte das hätte er sich nicht ausgedacht. Wir sollen es selbst lesen, dann würden wir es sehen.

Ja, ich werde es lesen. Denn das Buch musste ich einfach haben.

Ein Bild mit Carsten Henn rundete diesen wunderbaren Abend ab. Herzlichen Dank für dieses Erlebnis.

[Stuttgarter Buchwochen] 17. November 2025 Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl »Der Weihnachtsmannkiller 3« & Verleihung des »Media Control Premium Award«

Mit freundlicher Genehmigung von ©Holger Bloem

Nach einem sehr leckeren frühen Abendessen, liefen Rabea, meine liebe Freundin, und ich zum Haus der Wirtschaft. Dort trafen wir auf Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf. Bettina umarmte mich. Ach wie ich mich freute. Klaus-Peter eifrig am signieren, winkte mir freudestrahlend zu.

Rabea suchte sich einen Platz, denn was ich nicht wusste, ich hatte in der ersten Reihe einen reservierten Platz. Das war für mich so besonders. Das ich immer noch strahle. Das mag sich kindisch anhören, aber das war ich so nicht gewöhnt.

75. Jahre Stuttgarter Buchwochen

Auf dem Banner stand: „Bücher können stärken, ermutigen, träumen, lachen, zweifeln, glauben“. Sehr passend.

Zuerst spricht Tom Erben über die Anfänge der Stuttgarter Buchwochen. Eine der größten Buchschauen im Südwesten. Er berichtet von seinem Werdegang. Vom Buchhändler zum Verleger.

Leitet dann über zur Laudatio von Ulrike Altig über Klaus-Peter Wolf.

Sie berichtet von seinen Erfolgen. 153 Bücher geschrieben, 8 Mio in Deutschland verkauft. Ein literarisches Erdbeben. Auf der Spiegel Bestsellerliste zu Hause. Sein Schreiben ist eine Mischung aus Bodenständigkeit, feinem Humor und der Liebe zu den Menschen.

Er hat Ostfriesland auf die Landkarte gesetzt. Leserinnen und Leser begeistert. Er und seine Frau seien ein unschlagbares Team, das die Küste zum Krimiparadies macht.

Media Control verleiht Klaus-Peter Wolf den Premium Award als erfolgreichster Krimiautor 2024/2025 – in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Klaus-Peter Wolf bedankt sich ganz gerührt für den Media Control Premium Award. Er sagt Publikumspreise sind besondere Preise. Sie sind von den Leserinnen und Lesern. Er hat schon einige Preise bekommen. Aber wenn das Publikum ihn wählt, seine Geschichten, bedeutet ihm das so viel mehr. Denn genau für uns schreibt er. Schlüpft in die Rollen seiner Charaktere.

Dann begann der musikalische Krimiabend.

Andrea Baumann sitzt neben mir, genau wie Tom Erben. Zwei sehr wichtige Menschen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Sie haben immer alles im Griff.

Rechts von mir setzte sich Susanne Kaminski. Da wusste ich noch nicht, wer sie ist und sprang ganz nach Bettina Style mit Anlauf, in ein Fettnäpfchen. Es ging um „Dr. Sommerfeldt“. Mehr sag ich jetzt nicht dazu. So peinlich.

Weiter berichtet Klaus-Peter Wolf vom Krimimuseum in Norden. Es waren 11.000 zahlende Gäste im ersten Jahr da. Was ich fantastisch finde. Ihr könnt euch also vorstellen, wo der Award bald aufbewahrt wird. Natürlich dort.

Er erzählt von den schwierigen Anfängen. Der ersten Auflage von Ostfriesenkiller bestand aus 8000 Exemplare. Nun ist die 26. Auflage erschienen.

Lesungen hat er an Schulen gemacht, Kindern vorgelesen. Eine erste Lesung in der Stadt Leer mit gerade mal 7 Gästen, die nicht ganz freiwillig da waren. Erzählt er. Dann waren es 20 Gäste, das wäre die Schallmauer gewesen. Glücklich ruft er Bettina an.

Mit der Macht von lokalen Zeitungen, wurde er immer konfrontiert.

Kam in Feuilltons nicht vor. Das ist heute anders. Einmal im Jahr kommt eine Ostfriesenzeitung heraus. Aus dem Honorar der Lesungen finanziert.

Klaus-Peter Wolf kündigt die Titelmelodie an, die normalerweise von Bettina Göschl gesummt wird. Immer am Anfang der Austrahlung der Krimis, im Fernsehen. Heute singt sie für uns, den „Ostfriesenblues“ in Gänze vor.

Klaus-Peter erzählt uns von leerer Tinte, die er für seinen Kolbenfüller benötigt. Wie er 2 Tintenfässchen kauft und die junge Verkäuferin, von da ab an Zeitlöchern glaubt. Eine ältere Verkäuferin, dann zur Hilfe eilt. Um das Gewünschte, unter dem Tresen hervorzuholen. Die sind jetzt ausverkauft, wahrscheinlich bis heute, scherzt er.

Er gewährt uns Einblicke in sein Schreiben. Seine Kladde, in die er sein neuestes Werk schreibt. Gibt den Schreibenden unter uns den Tipp, laut vorzulesen. Das wäre besser. Man könnte so die Lesbarkeit überprüfen. Ob ein Satz funktioniert oder eine Szene. Bettina und er, diskutieren während der Schaffensphase, über einzelne Passagen.

Im Studio dann, wenn er es selbst als Hörbuch einspricht, gibt es noch finale Änderungen. Die der Verlag dann bekommt, um sie einzuarbeiten.

Bevor er aus dem Weihnachtsmannkiller 1 und 3 liest, erzählt er noch wie sehr er Weihnachten mag, vorallem den Spekulatiusduft.

Außerdem berichtet er von seltsamen Fragen von Journalisten z. Bsp. „Ob es ein mörderischer Druck wäre, Bücher zu schreiben.“ Man denkt wohl er sei ein gequälter Autor, meint er. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht sagt er: „Ich bin glücklich.“

Wenn er schreibt, genießt er andere Personen zu sein. Denn die Schauspieler oder der Regisseur bemerken es, ob er in die Figur eintaucht oder sie zu Marionetten macht.

Dazu hat Bettina Göschl ein tolles Lied geschrieben. „Wenn mein Mann einen neuen Krimi schreibt“. Oh man ich sehe das Video vor mir. Klaus-Peter Wolf macht das toll. Fehlte nur noch die Perücke. Wir mussten sooo lachen.

Wenn er an Szenen mit Ubbo schreibt, riecht es im Haus nach Schwarztee mit Pfefferminzblatt und Marzipan.

Mit Rupert riecht es nach Currywurst, Pommes und Bier.

Frank Weller liebt Rotwein und Zanderfilet.

Wenn er in Ann Kathrin Klaasen schlüpft, hat er einen anderen Gang. Das bestätigt auch Bettina mit einem Lachen.

Dr. Sommerfeldt ist kein Arzt. Aber er hat sich der ganzheitlichen Behandlung verschrieben. Er beschützt, aber bestraft auch. Ich bin immer noch zwiegespalten im Hinblick auf ihn.

Als „Totenstille im Watt“ veröffentlicht wird hatte er Angst. Er beschließt erstmal eine Fischsuppe zu kochen. Bevor er ins Internet schaute. Eine ältere Dame mit Taschen rief ihm zu: „So jemand wie Dr. Sommerfeldt hätte ich gebraucht!“ Vergessen war die Fischsuppe und der Einkauf. Daheim wirbelte er Bettina im Kreis herum, vor Glück. Ich konnte mir das bildlich vorstellen.

In „Ein mörderisches Paar“ ist der Klinikleiter wen wundert es, Dr. Sommerfeldt. Er nennt sich jetzt Dr. Ernest Simmel.

Er liest aus „Ein mörderisches Paar“, eine Szene später noch aus „Echt jetzt“.

Als er von einem Anruf von der Polizei erzählt, bricht im Publikum Gelächter aus.

Hintergrund: Bei einer Observation der Polizei, die länger dauerte, brachte das gegenseitige Vorlesen aus dem Buch Echt jetzt nicht nur die Bäuche zum Wackeln, sondern schlichtweg das ganze Auto. Das bemerkten auch die Observierten. Tja, Lachen ist gesund, aber manchmal auch fehl am Platz.

Bettina singt „Mord im Ostfriesenexpress“. Was für eine Stimme. Es ist toll ihr zuzuhören.

Klaus-Peter Wolf sprach noch über „Die Nordseedetektive“. Es gibt mittlerweile 13 Bücher.

Er empfindet es wichtig, das Kinder lesen. Das finde ich auch. „Die Welt kann Angst machen“, sagt er. „Kriege und Pandemie. Lesen ist wichtig. So lange Kinder lesen, ist nicht alles verloren.“

Bettina und Klaus-Peter verbeugen sich unter großem Applaus.

Was für ein Team. Gemeinsam schreiben, leben, lieben. Sie bringen Freude für Kinder und Erwachsene. Ein außergewöhnliches Paar.

Mir hat der Abend riesig gefallen.

Wir Drei mit dem Premium Award.

Herzlichen Dank an Bettina, Klaus-Peter, Andrea Baumann & Buch Contact.

Es war mir eine Freude.

Als nächstes treten die Zwei in Wismar auf. Darauf folgt Gelsenkirchen wo er am 12. Januar 1954 das Licht der Welt erblickte.