[Stuttgarter Buchwochen] Lesung am 29. November 2025 Caroline Wahl: »Die Assistentin«

Gleich geht es los. Caroline Wahl auf den Stuttgarter Buchwochen. Alle Plätze sind belegt. Caroline Wahl sitzt mit ihrer Familie, vor mir.

Den Abend eröffnet Sophia Paramalingam. Sie begrüßt uns mit den Worten: „Liebe Literaturfreunde, liebe Caro Wahl – Fans.“ Der Börsenverein sei der Verband des deutschen Buchhandels und Verlage, von denen es 800 Stück gäbe. Der verein setzt sich für die Sichtbarkeit des Buches, die Leseförderung und die Freiheit des Wortes ein. Was heutzutage, ein großes und schützenswertes Gut ist. Es wären dieses Jahr die 75. Stuttgarter Buchwochen gefeiert worden. Mit, wie sie findet richtig coolem Programm. Ihr großer Dank, geht an das Haus der Wirtschaft, die Stadt Stuttgart für die Unterstützung und der SWR als Medienpartner. Sie bedankt sich auch bei den Besuchern. Caroline Wahl müsste sie ja eigentlich nicht mehr vorstellen. Am Ende der Veranstaltung, würde die Autorin noch signieren. Bücher könnte man am Büchertisch, des Vaihinger Buchladen erwerben.

Caroline Wahl betritt die Bühne. Sie freut sich in Stuttgart zu lesen, denn es würde sich wie ein Heimspiel anfühlen. Sie hätte mal ein gutes Jahr in Stuttgart gewohnt. Ihre Familie lebt in der Gegend. Auch begleite sie eine Hassliebe zu Stuttgart. Sie mag es hier zu sein, aber ihr fehlt das Wasser.

Es gilt noch eine Autofrage zu klären. Bevor die Lesung beginnt, erzählt sie von der Anreise. Ihrem Bruder Ulli, der sie neidisch gemacht hätte. Scheinbar hat ihr Auto diese Funktion auch. Sie müsse es dann daheim unbedingt ausprobieren.

Nachdem das geklärt wäre, würde sie nun gutgelaunt starten. Wir lachen.

Sie kommt nun zu Stuttgart und Charlotte. Charlotte möchte eigentlich am Meer leben. Landet aber in München, mit einer Bergkette am Horizont. Wie es dazu kommt, das sie ausgerechnet in München landet, obwohl sie am Meer leben will, liest sie uns vor. Das Mikrofon wehrt sich.

„Das es eine virtuelle Fotobox gibt, wusste ich gar nicht. Da muss ich auf jeden Fall, auch ein Foto machen“, meint Caro. Wir lachen schallend.

Virtuelle Caroline Wahl mit echter Caroline Wahl. Das Bild hätte ich gerne gesehen.

Das Mikrofon hat immer noch was dagegen, das sie liest. Schlussendlich nimmt sie es in der Hand, sie meint das wäre eh lässiger.

Bei der Lesung beginnt es damit, von der Fehlentscheidung von Charlotte zu berichten. Sie wird administrative Assistentin des Verlegers, eines renomierten Verlags in München. Die Eltern sind voll dafür. Charlotte hat Bedenken. Sie macht sich Gedanken. Gedanken die sich im Kreis drehen.

Wegen ihres Vaterkomplexes, sucht sie Bestätigung bei vielerlei Menschen. Klavierlehrer, Tennistrainer Professoren und Vorgesetzten zu erhaschen.

Sie hat sich natürlich über den Verleger informiert.

Caroline macht da einen Schnitt. Erzählt das Charlotte noch weiter googelt. Sie erfährt dann noch, das er kein Selfmade Mann ist, sondern aus einer industriellen Familie stammt. Aus einer Süßwaren-Dynastie.

Es geht weiter mit dem Zoom-Gespräch. Also ein online Bewerbungsgespräch. Dazu zieht Charlotte die Glücksbluse an. Als er endlich vor dem Bildschirm auftaucht, sah er anders aus als auf den Profilbildern, die im Netz kursierten.

Musste echt lachen, als es begann mit den Abkürzungen. Caroline las das so gut vor. Was für eine Idee. Mu und Sch.

Auszug aus der Lesung:

Mu: Schöne Bluse

Sch: Danke

Mu: Das ist die Blumenbluse, die sie auch auf dem Bewerbungsfoto anhaben.

Sch: Ja, das ist meine Glücksbluse.

Mu: lacht.

Mu: Mögen sie Blumen?

Sch: Nein, eigentlich nicht. Sie?

Mu: Ja.

Caro prustet. Wir müssen daraufhin lachen.

Caroline Wahl sagt: Das ist so dumm, und da wundere ich mich, das ich nicht den deutschen Buchpreis bekomme. Wir lachen laut.

Die Autorin erzählt dann noch ein wenig, was dann passiert. Warum sich Charlotte nicht gegen die Stelle ausspricht. Nun lebt sie also in München. Die Eltern müssen helfen beim Umzug, denn sie seien ja schuld.

Bei dem nächsten Abschnitt, geht es um Katie Hummels. In Insta-Stories erzählt Katie Hummels über das Essen. Sie liebt Essen. Pilze und Salat. Das isst sie immer und überall. Ihr Leben auf Instagram, wird genauer betrachtet im Buch.

Während sie über Katie Hummels nachdenkt und deren Leben, rennt Charlotte an der Isar entlang. Es donnert. Sie läuft zurück. Richtung Ismaning. Alles kalt und nass. Sie duschte. Zu heiß das Wasser, zu stark der Strahl.

Caro erklärt: Die Wohnung ist ihre zweite riesen große Fehlentscheidung. Sie liegt direkt an der Isar. Charlotte meinte es wäre ein guter Kompromiss, da sie ja eigentlich am Meer leben wollte. Statt Meerblick, hat sie Flussblick. Unpersönliches Mietshaus, in dem nur die Hälfte belegt ist. es muffelt ganz komisch im Flur. Ein Haus, in dem man sofort ein komisches Gefühl hat.

Charlotte und die Wohnung. Sie ertrug die Wohnung nicht wirklich. Das ist also der Beginn der Geschichte.

In allen drei Romanen von Caroline Wahl geht es, so erzählt sie, um junge wütende Frauen die in irgendeiner Weise unzufrieden sind, mit ihrer Situation. Sie brechen dann aus, in ein selbstbestimmteres Leben. Bei Charlotte ist es so, dass sie sich immer tiefer in einer schlimmen Situation verfängt, und es erst am Ende schafft auszubrechen.

Natürlich ist dieser Roman komplett anders. Das liegt am anderen Setting und an dem Thema. Es spielt in der Verlagsbranche. Es wird erzählt vom Machtmissbrauch. Caroline Wahl berichtet weiter, das sie schon sehr früh wusste, während 22 Bahnen das sie dieses Buch schreiben wollte. Sie saß damals im Büro in ihrer Ex-Agentur, mit ihrem Ex-Agenten der sie fragte ob sie schon Ideen hätte. Sie bejahte es und erzählte von ihrem Arbeitstitel Die Assistentin. Ihr Ex-Agent meinte das wäre etwas heikel. So schrieb sie Windstärke 17. Danach aber kam Die Assistentin. Denn das musste raus. Es seien mehr persönliche Erfahrungen eingeflossen, in diesen Roman, als in die letzten Beiden.

Charlottes Gefühl wird immer mulmiger. Sie hat anfänglich Verständnis für seine Situation und seine Eigenarten. Findet den Verleger interessant. Ja, eine Faszination.

Charlotte dämmerte es, als sie die Bedienungsanleitung las. Caroline Wahl fragt, ob wir die Geschichte mit dem Handbuch hören wollen oder das erste Aufeinandertreffen. Es wird abgestimmt. Die meisten sind für das erste Aufeinandertreffen.

Am dritten Tag, kam der Verleger zum Überraschungsbesuch. Daraus liest Caroline Wahl vor. Im Übrigen mag er Überraschungsbesuche. Auch die Brezen-Thematik, wird aufgegriffen. Ivana ist die erste Assistentin. Quirlig, verzettelt, unstrukturiert und zu laut. Die Jutebeutel voller Arbeit. Das wusste Charlotte noch nicht, hätten sie ihm abnehmen sollen.

Oh man, das würde mich persönlich nerven. Vorallem wenn er nicht mehr weiß, was er genau wollte. Ich mag den Verleger nicht, das ist mal sowas von klar.

Die ersten Begegnungen von Verleger und Charlotte zu schildern, war oft ganz lustig. Den Verleger und seine seltsamen Verhaltensweisen. Es wird aber nach und nach immer ekliger. Immer mehr kleine Grenzverletzungen kommen vor. Caroline Wahl fragt sich dann, wenn sie in Lesungen darüber berichtet, das sie sich fragt ob es wirklich so schlimm war, was er getan hat.

Sie hat gerade in diesem Moment, eine neue Zusammenfassung gefunden, um kurz zu beschreiben, was den Verleger so schlimm macht. Der Verleger ist, in ihren Augen eine ganz moderne Figur, weil er ganz genau weiß welche Grenze er nicht überschreiten darf. Charlotte muss zum Beispiel zu ihm nach Hause kommen. Wo sie bis spät abends im Keller mit ihm arbeiten, sie muss ihm Sekt in Tassen servieren, damit die Anderen nichts mitbekommen. Und noch vieles mehr. Doch sie hält durch, auch wenn es sie kaputt macht.

Eine allwissende Erzählstimme hat sich gemeldet. Sich aufgedrängt. Sie mag Texte die mit einer Distanz spielen. Die den Erzählprozess verschriftlichen. Sie hätte diese Erzählstimme gebraucht. Um zu verstehen, warum Charlotte bleibt. Sie formulierte diese Zweifel aus. Der Lektor fand es gut.

Manche mögen die Erzählstimme, manche hassen sie. Wenn man sie hasst, hasst man sie für immer.

Sie liest die Erzählstimme vor zirka S. 110 ab. Was passiert. Warum passiert es. Novelle oder Roman? Wie geht es weiter? Es geht ums Ganze, um die Verhältnisse.

Caro Wahl meint, das es Spaß gemacht hat mit der Erzählstimme zu spielen. Kommentare vom Lektor einzubinden. Das Innere von Charlotte, sollte mehr in den Vordergrund treten.

Sie berichtet noch das sie bei Presseterminen gesagt hätte, bei 22 Bahnen gar keine Liebesgeschichte erzählen wollte. Das es eigentlich um die 2 Schwestern gehen sollte, die sich emanzipieren. Dann auf dem Block, plötzlich Viktor stand, und mit ihm sich eine Liebesgeschichte reingemogelt hat. gegen die sie sich nicht wehren konnte, was natürlich gelogen war. Sie liebt Liebesgeschichten, sie schreibt gerne Liebesgeschichten. Sie wüsste nicht, was sie damit wegkompensiere. Ist auch so dumm, sagt sie.

Nachdem es Charlotte immer schlechter geht, dachte Caroline Wahl eigentlich fehlt noch eine Liebesgeschichte. Wie wäre es mit etwas Leichtigkeit. Liebe passiert halt. Ein blonder junger Mann lächelt sie an. Dieser läuft jeden Morgen, ihr über den Weg. Die Erzählstimme übernimmt wieder.

Bo und Charlotte kommen sich näher. Wird nun alles gut? Ist er real?

Als sie endet, klatschen wir alle tosend Beifall. Großartig! Sie liest anders, ihre Art zu schreiben ist anders, aber genau das hat mich neugierig gemacht.

Wir klatschen lange, sehr lange.

Danach signierte die Autorin noch die Bücher, die es beim Büchertisch vom Vaihinger Buchladen zu kaufen gab, oder mitgebracht wurden.

[Stuttgarter Buchwochen] 26. November 2025 Denis Scheck: »Meine Lieblingsbücher 2025 – Weihnachtsempfehlungen«

Bevor Denis Scheck die Bühne begibt, begrüßt uns Julia Furmanczyk mit den Worten: Guten Abend liebes Publikum, liebe Büchermenschen. Ich begrüße sie ganz herzlich, heute Abend im Haus der Wirtschaft.

Sie offenbart uns noch einige interessante Hintergrundinformationen, zum Börsenverein des deutschen Buchhandels. Sie sind der Verband für Buchhandlungen und Verlage, berichtet sie. Davon gibt es ganze 800 in Baden-Württemberg. Sie setzen sich ein, für Leseförderung und die Freiheit des Wortes. Denn darauf baut unsere Demokratie auf, die wir verteidigen müssen, spricht sie einen sehr wichtigen Aspekt an. Die Stuttgarter Buchwochen finden dieses Jahr zum 75. Mal statt. Noch vier Tage läuft die Ausstellung und tolle Veranstaltungen warten auf die Interessierten. Sie weist auf den Büchertisch von Osiander hin, auf dem die besprochenen Bücher warten, gekauft zu werden.

Mit großem Applaus betritt nun Denis Scheck die Bühne. Er verspricht uns, eine literaturkritische Tour durch die Neuerscheinungen des Jahres 2025 zu bieten. Im literaturkritschen Schweinsgalopp, wird er uns seine Lieblingsbücher vorstellen. Die literaturkritische Praxis, ist nicht davon gezeichnet das er, jedes Buch lobend erwähnen würde, das ist nur an diesem Abend der Fall. Es erscheinen rund 80.000 Bücher im Jahr. Viele von denen sind in seinen Augen, nicht einen Pfeifendeckel wert.

Er erinnert sich, als er seine kleine literaturkritische Familiensendung Druckfrisch in der ARD begann, da begann er auch die Top Ten der Spiegel Bestsellerliste zu besprechen. Das macht er seit 23 Jahren. Für ein Buch ließ er sich die Formulierung einfallen: Wäre dieses Buch ein Pferd, man müsste es erschießen. Unvergessen auf dieser Spiegel Bestsellerliste ist ihm auch ein Sachbuch, von dem früheren Nationaltorhüter Oliver Kahn, wir hätten uns ja dafür entschieden lieber ins Haus der Wirtschaft zu den Stuttgarter Buchwochen zu kommen, das Champions League Spiel von Bayern München daraufhin wohl eher sausen zu lassen. Jedenfalls, Oliver Kahn früher Torhüter bei Bayern München und in der Nationalmannschaft, schrieb ja auch eine Autobiografie, die den unsterblichen Satz enthält: Die Trennung von meiner Frau, hat nichts mit ihrer Person zu tun. Schallendes Lachen im Publikum.

Wegen solcher Aussagen, müsste er die Bücher die auf der Spiegel Bestsellerliste tatsächlich von A – Z lesen. So was findet man meist ganz hinten. Das ist ein Satz, ein Ausdruck eines großen psychischen Leidensdrucks des Verfassers, so Denis Scheck. Einem Ghostwriter wäre ein solcher Satz, niemals unterlaufen.

Aber gelegentlich bringe ihn die Besprechung dieser Spiegel Bestsellerliste in Verdrückung, wie er es ausdrückt. Er wohne ja in Köln, ist zwar in Stuttgart geboren und aufgewachsen, hat die Stadt mit 19 Jahren verlassen. Zu seiner Nachbarschaft in Köln, zählt auch eine Autorin. Er hat versucht, sich lange mit ihr zu vertragen, aber sie haben seit vielen Jahren Krach. Es sei so eine typische Maschendrahtzaun-Geschichte. Wir müssen lachen.

Sie sei auch noch fast seine direkte Nachbarin. Sein Hund hätte, ihren Hund ins Ohr gebissen. Da musste er ihr eine Flasche Champagner schicken.

Natürlich, ganz unvermeidlich, tauchen ihre Bücher eben auch auf der Spiegel Bestsellerliste auf, da könnte er sich auch nicht drücken. Neulich, als sie mit einem Titel ganz vorne stand, fiel ihm beim Joggen die Formulierung ein: Elke Heidenreich braucht niemandem mehr beweisen, wie klug sie ist. In ihrem neuen Buch, verzichtet sie auch deshalb ganz darauf. Erneut schallendes Gelächter.

So war er einigermaßen aus dem Schneider. Das sind nun die Bücher, die ich ihnen weniger empfehlen möchte. Aber es ist einfach so, wenn man als Literaturkritiker in Deutschland, vor dieser Vielzahl von Büchern steht. Muss man bekennen, lesen kann man die nicht. Im maximal Fall kann er 150 bis 180 Bücher tatsächlich lesen (finde ich enorm).

Zum Glück gäbe es da auch Bücher, die nicht unbedingt nach literaturkritscher Behandlung schreien. Aber was ihm auffällt in Gesprächen über Bücher. Die Stuttgarter Buchwochen, wären ja nichts anderes als ein solches Gesprächsangebot, das ihm der Inhaltismus viel zu sehr Triumph feiert. Er erklärt was Inhaltismus ist. Es ärgere ihn immer wenn er in der Zeitung, Radio und Fernseher literaturkritische Beiträge lese, höre, sehe die im Grunde nur aus der Nacherzählung der Handlung bestehen. Als Literaturkritiker, wäre ihm wichtig das Wie zu ergründen. Die Esthetik. So leitet er zu der Bücherliste des Abends über.

Nicolas Mahler: Thomas Mann vs Stephen King, Thomas Mann vs. J.R.R. Tolkien

Er liest uns Thomas Mann vs Stephen King komplett vor. Erklärt uns auch, warum dies eine literturkritische Sichtweise ist, die er sich wünscht.

Eine Art und Weise sich im literaturkritischen Durcheinander, im Tohuwabohu der Neuerscheinungen zu orientieren, in dem man auf die Preise achtet. Der wichtigste internationale Preis, ist sicher der Literatur-Nobelpreis.

László Krasznahorkai sei ein wunderbarer, ungarischer Autor. Michael Naumann, der erste Kulturstaatsminister den wir hatten, und früherer Rowohlt Verleger sagte einmal Wenn ein deutscher Verlag vor der Pleite steht und nicht mehr weiter weiß, entdeckt er irgendeinen ungarischen Autor und rettet sich so vor dem Bankrott. Erheitertes Lachen aus dem Publikum. Denis Scheck offenbart, das er das Buch Herscht 07769 liebe. Der Autor ist quasi ein Enkel von Thomas Berner. Das merke man schon am Motto des Romans.

Dieser besteht aus einem Satz: Die Hoffnung ist ein Fehler.

Wir wüssten vielleicht, Franz Kafka sagte zu Max Brod, als dieser fragte, ob es denn keine Hoffnung gäbe. Ach doch Hoffnung gibt es in unendlicher Menge, nur nicht für uns.

Gemeinsam mit ihm, seien Péter Esterházy und Péter Nádas die unumstrittene literarische Trias dieses Landes.

László Krasznahorkai: Herscht 07789

Als ein Fassadenreiniger, der nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, den Begriff der Antmaterie aufgeschnappt hat, deshalb Briefe an Angela Merkel schreibt. Die zur Spielzeit des Romans Kanzlerin ist, um sie vor der Ausdehnung der Antimaterie, insbesondere in Ostdeutschland zu warnen. Als Physikerin, wird sie damit was anfangen können. Das ist aber gleichzeitig ein wunderbarer Statusbericht, über den Zustands Ostdeutschlands. Davon hat der Autor, der lange in Berlin lebte und immer noch lebt, eine Ahnung.

Preisträger 2026: László Krasznahorkai: Baron Wenckheims Rückkehr

Den zweiten Eindruck von seinem Werk, würden wir in seinem Werk Baron Weckheims Rückkehr bekommen. Die Antwort auf Friedrich Dürenmatts Der Besuch der alten Dame. Da kommt ein Baron in sein ungarisches Heimatstädtchen zurück, der vielen Jahre und Jahrzehnte ausgewandert ist, nach Südamerika. Nach Argentinien, um genau zu sein. Dort angeblich stinkreich wurde. Alle warten auf dessen Rückkehr und ein Teil dessen abzubekommen. Wir als Leserinnen und Leser, wissen das er nichts besitzt. Was das satirische Leseerlebnis sehr steigert.

Herr Scheck geht konform mit der Entscheidung, Autor László Krasznahorkai den Literaturnobel-Preis zuzusprechen. Er hätte es absolut verdient.

Der kommerziell wichtigste Literaturpreis ist aber, der des Börsenverein des deutschen Buchhandels verliehene Deutsche Buchpreis. Der renommierteste deutschsprachige Literturpreis ist der Georg Büchner Preis, ging diesmal ging an Ursula Krechel. Sie schreibt Lyrik, stellen sie sich das mal vor, sagt Denis Scheck. Er betont aber auch, das sie Romane schreibe. Ansonsten bekommen es immer Leute, die die Kassen nicht so richtig klingeln lassen. Deshalb versuchte man einen Preis zu installieren, der nur an dicke fette Romanschweine geht, so seine Aussage. Außerdem das Weihnachtsgeschäft so richtig ankurbeln sollen. Es ist anscheinend so gelungen, resümiert er. Jetzt man allerdings eine sehr ehrgeizige Entscheidung getroffen, mit Dorothee Elminger eine schweizer Autorin.

Dorothee Elminger: Die Holländerinnen

Ihr Roman Die Holländerinnen. Das ist ein Roman, wenn wir mal von einem schmalen Büchlein, so richtig bis ins Mark erschüttert werden wollen und eine wahnsinnige Angst uns eingejagt werden soll, dann seienn wir mit den Holländerinnen, absolut richtig. Dorothee Elminger sei eine große Sprachmeisterin, in indirekter Rede verfasst. Sie erzählt von einer Autorin, die ein Erlebnis hatte. Ein internationaler Regiestar meldet sich bei ihr, über Handy und lädt sie ein zur Mitwirkung an seinem nächsten Projekt. Man könnte da an Werner Herzog oder Milo Rau denken. Einer von denen die wirklich in die vollen gehen. Der ein Ensemble hat von Mitverschworenen hat. In seinem nächsten Projekt, geht es um eben diese zwei Holländerinnen. Die in einem Urwald in Panama, verschwunden sind. Man hat Jahre später, ihre Skelette gefunden. Die Frage gilt es in dem Roman zu beantworten, was ist mit diesen Frauen geschehen. Die Autorin lässt sich darauf ein, die Leserinnen und leser erfahren aber von diesem Erlebnis in Form von Vorträgen vor Studenten. Sie hat aber ein Problem, mit dieser Erfahrung kommt sie nicht klar. Sie könne nur ihr Scheitern mit den Studenten teilen. Sie erzählt also, was sie dort erlebt hat.

Anja Kampmann: Die Wut ist ein heller Stern

Sehr begeistert ist er von Anja Kampmann, die man auch als Lyrikerin kennt. Sie hat einen Roman angesiedelt 1930 in Hamburg. Diese Stadt, eigentlich sehr kommunistisch mit einer riesigen Arbeitertradition, verwandelt sich über Nacht in eine Nazi-Kapitale. Sie hat eine Heldin in diesem Roman. Ihr Name ist Hedda, sie hat sich selbst aus der prekären Lage ihrer Kindheit gezogen. Wurde Artistin in einem Varieté, auf der Reeperbahn. Sie hängt an einem seidenen Band unter der Decke, unter ihr zwei gefährliche Kaimane. Außerdem hat sie noch zwei Brüder, einen behinderten auf den sie aufpasst und durchbringen muss. Ihr anderer Bruder, macht eine Ausbildung zum Schmied. Herr Scheck findet diesen Roman bemerkenswert, denn er wird aus einer feministischen Perspektive erzählt.

Katarina Poladjan: Goldstrand

Die russische Autorin lebt in Berlin. In Goldstrand erzählt sie einen Roman, der mit einer sensationellen Szene beginnt. Ein Dampfer ist unterwegs von Odessa nach Istanbul. Eine blendend aussehende Frau, anfang 20, springt mitten in der Nacht über Bord. Man findet sie nicht mehr. Ihr Vater und ihr Bruder entschließen sich, den ganzen langen Weg von Istanbul beginnend, zurück zu laufen. Um an den Küsten eine Nachricht von der Vermissten zu finden. In einer psychologischen Sitzung erzählt ein Regisseur von seinen artistischen Trieben. Seiner Produktivität. Er hat einen Film über die Tante gedreht. Befindet sich aber in einer Krise. Es ist eine Hommage an das europäische Kino. Ein wunderbarerer Roman, der hauptsächlich in Rom spielt. Goldstrand ist ein echtes Juwel. Wenn man sich für Literatur und Kino interessiert, wird einen dieses Buch begeistern.

Angela Steidele: Ins Dunkel

Dieser Roman ist auch großes Kino. Eigentlich ist die Spezialität von Angela Steidle Geschichte und Historie. Es geht um zwei der berühmtesten Frauen des 20. Jahrhunderts. Diese hat die Autorin als Protagonistinnen auserwählt. Marlene Dietrich und Greta Garbo. Die Leitfrage dieses Romans, in dem auch Erika Mann die Tochter von Thomas Mann eine Rolle spielt, hatten die was miteinander. Sie trägt so viele Indizien bei, hat aber eine sehr schlaue Art nicht als Voyeurin, lesbischen Begehrens dazustehen, in dem sie sich selber mit ins Spiel bringt. Sie erzählt die Geschichte so vergnüglich, so grandios das es gleichzeitig eine Hommage an das Hollywood Kino ist. Man hat unbändige Lust sich mit Marlene Dietrich und Greta Garbo zu befassen. Die großen Filme zu sehen, überhaupt wieder ins Kino zu gehen. Es ist großes Kopfkino, fasst er es zusammen.

Hanns-Josef Ortheil: Schwebebahnen

Hanns-Josef Ortheil hat seine Familiengeschichte, die ja wahrlich Stoff genug zum Erzählen bietet, in vielen Romanen schon ausgebreitet. Seine Familie kommt aus dem Westerwald, lebte in Köln war davon gekennzeichnet, das sie in und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg vier Brüder in jungen Jahren verlor. Er war das fünfte Kind. Darauf verfiel die Mutter ins Schweigen und er mit ihr. Sein Schreiben ist sein Kampf um Sprache. Sein Vater war Vermessungsingenieur bei der Eisenbahn. Ist dann umgezogen, von Köln nach Wuppertal. Davon erzählt er in Schwebebahnen. In Wuppertal lernt Hanns-Josef eine Freundin kennen Mücke mit Namen. Sie stammt ab von einem deutschen Vater und sizilianischen Mutter. Ein Feinkostgeschäft nennen sie ihr eigen. Es ist also die deutsche Wirtschaftswundergeschichte schlechthin.

Marianne Ludes: Trio mit Tiger

Absolut begeistert hätte Denis Scheck auch das Buch von Marianna Ludes. Es ist ihr erster Roman. Eine Geschichte über Max Beckmann, den wir hier in Stuttgart kennen. Weil er hier in Stuttgart viele große Bilder hängen hat. Er hatte Verwandtschaft in Holland, weshalb er 1937 mit seiner Frau Margarete von Kaulbach genannt Quappi immigriert. Ein interessierter Mann und Nazi namens Göpel, ist also im Sonderauftrag unterwegs um Werke zu erwerben vom Künstler selbst. Für ein Museum das man für den Führer bauen lassen wollte. Keine geraubten Gemälde. Göpel war studierter Kunsthistoriker und dem Max Beckmann sehr zugetan. Als er nach Holland kommt, möchte er dem Künstler nahe sein. Das Trio besteht deshalb aus Beckmann (Tiger), die Ehefrau und Göpel. Göpel geht enorme Risiken für Beckmann ein, sondern er schmuggelte Bilder nach Deutschland ein, so das Beckmann überleben konnte. Hat ihn auch vor der Einberufung geschützt. Außerdem zehn jüdische Freunde von Beckmann gerettet. Deshalb ist die Frage, kann es einen guten Nazi geben, das gibt es natürlich nicht. Er erzählt von der Rache der Kunst am Leben. Wie souverän man sowas erzählen kann, das macht Marianne Ludes so schnell keiner nach.

Martin Mosebach: Die Richtige

Wenn es heute einen lebenden Nachfahren in der Erzählkunst von Thomas Mann gibt, dann kann Denis Scheck nicht umhin mit Martin Mosebach zu antworten. Er wäre nach seiner Meinung, auf der höhe seiner Kunst. In dem Roman Die Richtige, erzählt er von einer unglaublichen Sauerei. Da gibt es einen Künstler der Weltruhm hat. Ein Frankfurter und er hat eine Entourage um sich geschart, in seinen Anfangsjahren in denen er noch nicht berühmt war. Mit diesen reist er nach Venedig. Erzählt ihnen in der Anfangsphase, was er von der venezianischen Kunst Tradition hält. Diese Anfangskapitel seien so unglaublich schlau und klug, berichtet Denis Scheck, das es ein halbes kunsthistorisches Studium ersetzen würde. Ganz wunderbar. Er erzählt von einem hessischen Mittelständler. Dieser hat ungefähr elftausend Beschäftigte. Werke in China. Autozulieferer. Ein Brüderpaar. Einer ist verheiratet und die Ehefrau möchte eine Ehefrau für den Bruder finden, der noch ledig ist. Deshalb ist sie auf der Suche, nach der Richtigen. Leider interessiert sich auch der Künstler für diese Frau und demaskiert sich bald, wie es Denis Scheck ausdrückt, als unglaubliches Charakterschwein.

Wolf Haas: Wackelkontakt

Ist berühmt geworden, mit seinen Brennerromanen. Sie gehen immer mit dem Satz los, jetzt ist schon wieder was passiert. Ganz köstliche Kriminalromane. In diesem Roman Wackelkontakt hat er eine Idee in Romanform umzusetzen. Er erzählt von einem österreichischen Grabredner, der ein Hobby hat. Nämlich Puzzle, mit abendländischer Kunstgeschichte. Berühmte Bilder. Er liest aber auch gerne. Im Moment von einem Aussteiger, aus der italienischen Mafia. Dieser widerrum liest auch gerne und zwar gerade über einen Begräbnisredner in Wien, der in seiner Freizeit gerne puzzelt. So lesen beide voneinander. Man kann als Leser / Leserin nicht mehr unterscheiden. Was ist Real, was Fiktion, was ist Roman im Roman, was ist erzählte Wirklichkeit. Ein großes Lesevergnügen, meint Denis Scheck abschließend.

Heinrich Steinfest: Das schwarze Manuskript

Heinrich Steinfest war lange in Stuttgart ein Gesicht der Protestbewegung gegen Stuttgart 21. Hier in dem Buch schreibt er über einen Kölner Unternehmer der in seinem Swimmingpool, lustigerweise in der gleichen Ecke in der Elke Heidenreich und ich wohnen, erzählt Denis Scheck lächelnd, in einer Villa wohnt und dort seine frühmorgendlichen Runden dreht. Plötzlich tauchen einige Mafiosi auf und vertrimmen den. Sie wollen ein Manuskript von vor 40 Jahren. Natürlich ist man dann gespannt, was in diesem Manuskript steht. Davon handelt der Rest dieses Buches.

Christian Kracht: Air

Am meisten beeindruckt ihn Christian Kracht, der sich Buch um Buch neu erfindet. Nun erzählt er von einem Innenarchitekt. Der einen merkwürdigen Designauftrag erhält. Für ein Rechenzentrum das dann durch einen Sonnensturm, in eine Fantasywelt transportiert wird. Dort mit der Hilfe eines kleinen Mädchens, gegen einen übel gesinnten Herzog kämpft. Fragen sie mich nur nicht, was das alles bedeuten soll, merkt Denis Scheck an. Da gibt es viele Interpretationen, die er uns anbieten könnte. Aber auf so hohem literarischem Niveau eine so enorme Sprachkraft zu entfalten, wie Christian Kracht das mache ihm so leicht keiner nach. Seiner Meinung nach, ist der schweizer Autor in Richtung Stockholm und Literaturnobelpreis unterwegs.

Elisa Hoven: Dunkle Momente

Elisa Hoven ist Juristin, die höchste sächsische Verfassungsrichterin und ihr war langweilig. Sie meinte was Ferdinand von Schirach kann, kann ich schon lange. Sie erzählt ein paar juristische Fallgeschichten. Es beginnt mit einem perfekten Mord, an einem schlechten Schriftsteller. Ist doch klar, sagt Denis Scheck, das ihm dieser Krimi gut gefallen hat. Die Protagonistin ist eine Anwältin, die hat mehrere solche Fälle. Es wäre zwar kein Kracht aber sie mache das doch sehr sehr gut und sehr vergnüglich.

Annett Gröschner: Schwebende Lasten

Annett Gröschner hätte ihn beeindruckt mit Literatur der Arbeitswelt. Ihre Protagonistin erlebt die Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nazi Zeit und die DDR. Sie beginnt als Blumenhändlerin. Mit mitte zwanzig 4 Kinder hat. Dann in der DDR zur Kranführerin umgeschult wird. Daher auch der Titel: Schwebende Lasten. Sie hat nur ein Ehrex, anständig bleiben. Wie das gelingt erzählt die Autorin sehr eindrucksvoll.

Christine Wunnike: Wachs

Zum dritten Mal nominiert und wieder ging sie leer aus, für den deutschen Buchpreis. Christine Wunnike ist eine wunderbare Erzählerin. Er hätte sie schon drei Mal in Druckfrisch vorgestellt im Interview, wenn sie nicht so unglaublich schlau wäre. Medienauftritte lehnt sie ab. Sie macht auch, so glaubt Denis Scheck, keine Lesungen. Deshalb ist es auch ein bißchen schwer, interessierte Leserinnen und Leser für ihre Romane zu finden. Dies ist ein historischer Roman. Sie erzählt von der talentiertesten Anatomin des 18. Jahrhunderts. Die in Frankreich lebt. Es beginnt damit das sie schon als junges Mädchen, in die Polizeiwache stürmt und eine Leiche haben möchte. Ein Ansinnen, was als 12 jähriges Mädchen auch heute in einer Stuttgarter Polizeidienststelle, wohl etwas hochgezogene Augenbrauen ausgelöst hätte. Sie seziert diese Leichen, aber tastächlich in ihrem Kinderzimmer. Später hat sie eine lesbische Beziehung mit der talentiertesten Pflanzenmalerin. Diese Anatomin rettet sich dadurch, das sie die Organe, in Wachs nachbildet. Sie stellt diese in einem Privatmuseum gegen Eintritt in Paris aus. Die Leute sind hin und weg. Weil sie auf diese Weise, mal eine Lunge, eine Niere, ein Herz, eine Leber sehen können. Am Ende kommt Marie-Antoinette die sich so begeistert zeigt, das sie diese komplett für Versailles kauft. Das tolle an diesem Roman ist, es ist auch alles wirklich wahr, flüstert Denis Scheck. Nein natürlich nicht, lenkt er ein. Wir müssen lachen.

Thomas Melle: Haus zur Sonne

Thomas Melle war ebenfalls nominiert, für den Deutschen Buchpreis. Das ist schon das dritte Buch, das er über die Volkskrankeit Depression schreibt. Diesmal allerdings als Science Fiction Roman. Er habe ihn mit großem Respekt gelesen. Darin geht es um die Idee das austherapierte, schwerstdepressive Patienten das Angebot erhalten, in das Haus zur Sonne zu gehen. In das Sanatorium ihrer Träume, wo ihnen wirklich geholfen wird. Jeder Wunsch wird erfüllt. Sei er auch noch so bizarr. Allerdings müssen sie sich am Ende, das Leben nehmen. Ein satirischer Roman.

Jonas Lüscher: Verzauberte Vorbestimmung

Der Autor erzählt in Verzauberte Vorbestimmung, eine unglaubliche Geschichte. Die einen weiten historischen Bogen schlägt. Von den Loditen zu einer ägyptischen Gesellschaft im späten 21. Jahrhundert. Angesichts von KI stellt der Roman die Frage, wie wir mit technischer Innovation umgehen. Die uns und unsere Arbeitsplätze bedroht.

Ursula Poznanski: Erebos 3

Beim Thema KI, sind wir nun bei Ursula Poznanski in Erebos 3. Dies ist der dritte Roman über ein Computerspiel. Es kamen anfänglich sogar noch gebrannte CDs oder Disketten darin vor. Natürlich ist Erebos nun natürlich technisch evolutioniert. Jetzt geht es um eine KI. Das Spiel sucht seine Spieler selbst. Denis Scheck erklärt, er habe keinerlei Angst vor künstlicher Intelligenz, aber eine Scheißangst vor natürlicher Dummheit. Dieser Roman behandelt also der Frage nach ob die natürliche Dummheit uns mehr bedroht als KI. Weil sie das auf sehr vergnügliche und spannende Art und Weise macht, ist das in seinen Augen der seltene Fall eines geglückten Jugendbuches.

Andreas Eschbach: Die Auferstehung

Der nächste Beweis dafür, ist der großartige Andreas Eschbach. In seinem Buch Die Auferstehung. Wir Alle, glaubt er kennen Die drei ???. Er wäre mit den Drei ??? aufgewachsen. Er kannte die Lektorin Ursula Brendler persönlich. Der Autor schreibt nun ein Drei ??? Hommage – Roman. Über die erwachsen gewordenen Drei ???. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die sich seit vielen Jahren aus den Augen verloren haben. Aber ein mysteriöser Fall, eine Frau die angeblich jahrzehntelang im brasilianischen Regenwald verschwunden ist, führt Die Drei ??? wieder zusammen. Als literarisches Pastiche, hat ihn das sehr beeindruckt. Sehr schöne Unterhaltungsliteratur, schließt er seine Beschreibung.

Silke Scheuermann: Das zweite Buch der Unruhe

Natürlich gibt es auch die, die keine Zeit haben. Mit Kind und Kegel beschäftigt sind. Hier empfiehlt Denis Scheck die Lyrik. Denn was geht schneller, als ein Gedicht zu lesen. Der tollste Gedichtband den er dieses Jahr gelesen hätte, stammt von der Autorin Silke Scheuermann. Sie unternimmt in diesem Buch, ungewöhnliche, abenteuerliche Denkbewegungen. Er hat auch ein Lieblingsgedicht, mit dem Titel Gott hat schon wieder eine Ausstellung. Es kommt zwar harmlos daher, aber im Vatikan hat es sicher für Unruhe gesorgt.

Ilija Trojanow: Ein Glas voll Zeit

Ilija Trojanow ist seit dem Weltensammler einer der führenden deutschsprachigen Autoren. Er ist auch Sommelier. Dieser hat eine Affenliebe zu einem Winzer an der Mosel. Ihm hat er im Ein Glas voller Zeit, eine Hommage geschrieben. Heymann-Löwenstein heißt der Winzer, der geniale Rieslinge produziert. Wenn wir einfach den Vorsatz haätten, uns im nächsten Jahr ein bißchen niveauvoller zu besaufen, dann sei dieses Buch eine wundervolle Anleitung dafür.

Ré Soupault: Überall Verwüstung. Abend Kino.

Ein kleiner Blick noch in historischen Rückspiegel. Ré Soupault ist eine der wichtigsten Figuren des französischen Surealismus, allerdings Deutsche. Diese bricht mit einem wunderbaren Fahrrad mit Hilfsmotor, einem Velo Solex, 1951 zu einer fast 2000 km langen Reise auf. Die sie von Basel über Stuttgart, Heidelberg, München und so weiter führt. Spricht dort mit führenden Intelektuellen, mit Radio- und Zeitungsredakteuren. Sie sucht Aufträge. In Stuttgart lernt am Theater Darboven kennen und andere Stars. Findet ein Land vor, das noch verwüstet ist vom 2. Weltkrieg. Aber die Verwüstung am Seelenschatz, sind natürlich noch viel größer als die materiellen Verwüstungen. Die Autorin hat darüber ein wunderbares Tagebuch geschrieben hat, deshalb können wir das entdecken.

Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod

Georgi Gospodinov ist ein bulgarischer Autor, von dem in letzter zeit sehr viel die Rede ist. Er hat den Men International Booker Prize gewonnen, für einen Roman der hieß Zeitzuflucht. Wo er eine Migrationskrise beschreibt. Stellen sie sich vor, man hätte die Möglichkeit in andere Zeiten auszuwandern. Wir könnten uns entscheiden, in welchem Jahr wir leben möchten.

In Der Gärtner und der Tod setzt er seinem Vater, ein literarisches Denkmal. Das ist ein Roman über den verstorbenen Vater, der so eine Schweik Existenz im kommunistischen Bulgarien errichtet hat. Wie dieser Vater durch die Zeitenwende kommt und seine Familie da beschützt, das ist eine wunderbare Erzählung.

Nora Gomringer: Am Meerschwein übt das Kind den Tod

Das logische Pendant dafür, das ein Roman der sich im Moment so gut verkauft, gerade nicht lieferbar ist stammt von der deutschen Lyrikerin Nora Gomringer. Sie kennen vielleich Eugen Gomringer, den schweizer Lyriker den Vater der konkreten Poesie. Er findet den Titel den schönsten, den er seit langem gelesen hat. Also wenn ein Roman, das Niveau eines solchen Titels hält, dann handelt es sich um Weltliteratur. Das Schöne ist das Nora Gomringer nicht ihrem Vater, der dieses Jahr mit über 100 Jahren gestorben ist, dieses Buch widmet sondern ihrer Mutter. Das war eine Gestalt, die nicht minder prägend war. Die Literaturwissenschaftlerin Nortrud Gomringer, die ihr Leben natürlich geprägt hat. Es ist ein Buch auch einer nachgetragenen Liebe, aber auch ein Buch über Tod und Trauer das trotzdem urkomisch ist. Niemanden unbewegt lässt.

Gaea Schoeters: Das Geschenk

Was ihn in diesem Jahr am meisten beeindruckt hat, ist diese grandiose flämische-belgische Autorin Gaea Schoeters. Das sie wahnsinnig schlau ist, merkt man daran das sie sich in Stuttgart eine Eigentumswohnung gekauft hat. Wir müssen doch sehr lachen. Wahnsinn, was ihm in seinem ganzen Leben nicht gelungen ist. Der internationale Erfolg, hat ihr diese Mittel verschafft. Sie hat einen herrlichen Roman geschrieben. Stellen wir uns mal vor, es gibt den Präsidenten von Mosambik, glaubt er, der war sehr unzufrieden mit der CITES Verordnung der Europäischen Union. Die Angekündigt hat, das die Einfuhr von Elfenbein in die EU verboten ist. Der Präsident sagte daraufhin, und das ist real – es ging wohl durch die internationale Presse – Wir haben 100.000 Elefanten in Mosambik, können aber nur 80.000 ernähren. Wenn ihr das Elfenbein der überschüssigen 20.000 Elefanten nicht nehmt, schicke ich sie euch lebendig. Wahrscheinlich hatte er etwas zu viel getrunken, als er dieses Interview gab, vermutet Denis Scheck. Wir müssen kichern. Das meinte er natürlich als Satire, so Denis Scheck. Aber Gaea Schoeters, hat diese Satire in ihrem Roman in die Tat umgesetzt. Der deutsche Bundeskanzler erwacht nach einer Nachtsitzung im Bundeskanzleramt, durch ein merkwürdiges Geräusch. Tritt zähneputzend auf die Terrasse, des Kanzleramts und sieht mitten in der Spree einen Elefanten der säuft. Tatsächlich sind in der Bundesrepublik Deutschland über Nacht, 20.000 Elefanten aufgetaucht. Jetzt hat aber die Autorin, diese Geschichte einen Dreh weitergedreht. Nämlich die Tiere sind gefeit, durch einen Spruch eines afrikanischen Medizinmanns, man kann die nicht einfach erschießen. Sondern jeder der versucht, einen Elefanten zu töten, erscheinen zwei neue Elefanten. Das ist also nicht die Lösung. Jetzt muss die Bevölkerung lernen, mit 20.000 Elefanten zusammen zu leben. Wie reagieren wir darauf, die Politik? Es wird ein Elefantenministerium gebildet. Der Vater der Autorin, war ein sehr hochrangiger Politiker in Belgien. Sie hat also am Frühstückstisch, Einblicke aus erster Hand in den internationalen Politikbetrieb erhalten. Wenn wir irgendwas über den Berliner Politik Betrieb erfahren möchten, wäre das unser Buch.

Chloe Dalton: Hase und ich

Er war wildbegeistert, von Chloe Daltons Hase und Ich. Es sei ein wunderbares Beispiel ist, für die großartige britische Tradition des nature writing. In der Geschichte, wird erzählt von einer Politikberaterin die in der Pandemie, ihren Job in der City erstmal an den Nagel hängen. Sich zurück zieht, in ihr Haus im Süden von England. Dort auf die sehr, sehr schlechte Idee verfällt ein verwaistes Hasenbaby zu adoptieren. Sie lebt als ungefähr zwei jahre, mit einem Feldhasen zusammen. Warum das eher eine schlechte Idee ist, das erzählt sie sehr ausführlich. Dieses Buch schafft es ohnejeden Anflug von Kitsch, ohne jede Sentimentalität. Einem wirklich die Augen neu zu öffnen, für die Natur die uns alle umgibt. Das mit einer Zärtlichkeit und Intelligenz die er selten in der Literatur im Sachbuchbereich vorgefunden hat. Man könne sich das Buch über Generationen hinwegreichen. Das dürfte, nach seiner Meinung unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.

Peter S. Beagle: Ich fürchte, ihr habt Drachen

Wir bleiben bei diesem bemerkenswerten Stuttgarter Verlag. Wie heißt er nochmal, fragt er nicht ganz ernst gemeint, in die Runde. Ach ja, Klett Cotta. Der Verlag liegt ihm sehr am Herz, weil er mit Fantasy-Literatur sozalisiert wurde. Es ist der Verlag von J.R.R. Tolkien. Tolkien hätte mal den Spruch geprägt: Die einzigen die etwas gegen Eskapismus haben, sind die Gefängniswärter. Von solchen Gefängniswärtern, wimmelt es natürlich in Deutschland immer noch. Nur heißen die inzwischen Deutschlehrer, Germanistikprofessoren oder sogar Literaturkritiker. Er liebe eskapistische Literatur. Wie sie Peter S. Beagle zum Beispiel schreibt. Der Autor von Das letzte Einhorn. Er findet die Verfilmung des Buches kitschig, was der Autor so gar nicht wäre. In dem Buch Ich fürchte, ihr habt Drachen immaginiert er ein Königreich mit Namen Bellemontagne. In diesem Königreich sind Drachen, auf die Größe von Hausschaben heruntermutiert. Es gibt dort einen Drachenjäger, der ist aber defacto ein kammerjäger. Es gibt aber auch eine wahnsinnig gut aussehende Prinzessin, die überdies auch noch schlau ist. Deshalb ist diese Ziel von allen dahergelaufenen Prinzen, der übrigen Königreiche. Sie ist von den Prinzen, aber wahnsinnig genervt. Bis irgendwann der richtige Prinz daher kommt. Er sieht blendend aus, schwer reich leider aber wie wir Leserinnen und Leser innerhalb weniger Kapitel feststellen müssen, wahnsinnig dumm. Trotzdem scheint er das Herz der Prinzessin zu erobern, ja bis plötzlich ein richtiger Drache auftaucht. Dieser dumme Prinz ist doch nur nach Bellemontagne gekommen, um erstmal die Hand der Prinzessin zu erobern, aber eben dort auch, das gehört einfach dazu seinen Drachen zu erschlagen. Das macht man natürlich gerne, da wo die Drachen groß wie Hausschaben sind. Jetzt ist er aber da gefordert, genau wie unser Drachen bzw. Kammerjäger, der auch ein Auge auf die Prinzessin geworfen hat. Wie das ausgeht, sollen wir selbst in diesem enorm vergnüglichen unterhaltenden Fantasyroman, für uns herausfinden.

Ian McEwan: Was wir wissen können

In der internationalen Literatur müsse er uns eigentlich nicht mehr erzählen, das Ian McEwan der Britezur allerersten Garde gehört. Er hat einen sehr schönen Roman geschrieben. In diesem Roman, erzählt er die Geschichte die im Jahr 2114 spielt. Da hat ein kleiner thermonuklearer Zwischenfall mit einem russischen Atomsprengkopf im Atlantik dafür gesorgt, dass das Vereinigte Königreich jetzt aus einem Inselarchipel besteht. Von vielen hunderten von Inseln und technologisch auf dem Stand des 18. Jahrhunderts zurück gefallen ist. Deutschland ist Teil des Großrussischen Reiches, von dem spricht eigentlich keiner mehr. Unser Erzähler ist ein Literaturwissenschaftler, der gebannt ist von einem Langgedicht das leider verschollen ist. Dieses Gedicht spielt in unserer Gegenwart. Der ganze Roman ist eine nostalgische Erinnerung, wie schön es einmal früher war. Ein Roman der uns tatsächlich Augen öffnen kann, für das was wir an unserer Gegenwart haben.

Percival Everett: Dr. No

Der amerikanische Autor Percival Everett wird immer beliebter, weil er viele satirische Romane geschrieben hat. In James beispielsweise, hat er eine Korrektur von Huckleberry Finn von Mark Twain vorgelegt. In Dr. No, eine hinreißende Satire auf Ian Flemmings James Bond Romane. Dr. No ist ein Mathematiker der eine Spezialität hat, nämlich sein Spezialgebiet ist das Nichts in der Mathematik. Ein amerikanischer dunkelhäutiger Milliardärmöchte Fort Knox überfallen, weil dort das Nichts die schrecklichste Waffe der Welt aufbewahrt wird. Dazu braucht er aber, diesen Mathematiker. Ansonsten könne uns Denis Scheck versprechen, werden alle James Bond Träume in diesem band wahr. Es spielt auf Unterseebooten, Privatjachten, Überschallflugzeugen mit vielen Actionszenen. Percival Everett ist ein mit allen Wassern der Postmoderne gewaschener Autor, da bleibt kein Auge trocken. Er macht sich sehr lustig, über dieses Genre des Agenten-Romans.

Maddalena Fingerle: Mit deinen Augen

Maddalena Fingerle ist eine italienische Autorin die in Deutschland lebt, aber italienisch schreibt. Mit deinen Augen war ein Roman, der ihn sehr bewegt hat. Da wird eine Frau von ihrer Freundin verlassen. Diese beschließt daraufhin, sich in diese Freundin zu verwandeln. Also ohne Kosten und Mühen zu scheuen. Sie schmeißt alle ihre Möbel raus, kauft nur noch Möbel wie die Freundin sie besessen hat. Verabschiedet sich von allen ihren Kleidern, baut sich auch körperlich in diese Freundin um. Versucht so in diese Haut zu schlüpfen. Eigentlich ist dieses schöne Unternehmen Literatur, nichts anderes als ein Versuch in die Haut eines Anderen Menschen zu schlüpfen. Das weiß natürlich Maddalena Fingerle und spielt mit dieser Idee. Auf ganz engem literarischem Raum. Es ist im Grunde, eine Familiengeschichte. Diese lebt in München, sind Italiener aus der absoluten Oberschicht, die sich da selbstständig gemacht haben. Spielt dieses Spiel: Wie kann man sich denn, in das Leben eines Anderen wirklich versetzen. Wo sind da die Grenzen. Wie definiert unsere Identität, uns in unserem Leben. Das sind die Fragen, dieses Romans. Die dieser auch in sehr schlauer Art und Weise auch beantwortet.

Abdulrazak Gurnah: Diebstahl

Er hätte begonnen mit dem Literatur-Nobelpreis, deshalb möchte er auf der Schlusskurve nochmals auf den zu sprechen kommen. Abdulrazak Gurnah, ein in Sansibar geborener britischer Autor hat jetzt nach dem Literatur-Nobelpreis einen neuen Roman vorgelegt, den er für absolut großartig hält. Diebstahl heißt er. Er erzählt von drei jungen Menschen, die in Ostafrika in Tansania versuchen ein leben für sich aufzubauen. Es ist eine Geschichte über Neokolonialismus. Eine Dreiecksgeschichte, die er mit einem bemerkenswerten modernen Twist erzählt.

Michael Sommer und Stefan von der Lahr: Die verdammt blutige Geschichte der Antike – ohne den ganzen langweiligen Kram

Noch ein kurzer Blick ins Sachbuch. Stefan von der Lahr war der legendäre Lektor von C.H.Beck, der dafür gesorgt hat, dass das historische Sachbuchprogramm von C.H.Beck seit 30 – 35 Jahren unglaubliches Niveau erhalten hat. Er ist jetzt in Rente gegangen, und hat sich einfach den Spaß erlaubt ein Buch zu schreiben, mit dem barocken Titel Die verdammt blutige Geschichte der Antike ohne den ganzen langweiligen Kram. Gemeinsam mit dem Alt-Historiker Michael Sommer. Dieses Buch provoziert sofort die Frage, darf man das. Darf man so unverschämt kurzweilig, so amüsant und so an die niedrigsten Instinkte eines blutrünstigen Publikums apellierend, die Geschichte der Antike erzählen. Er ist wirklich der Überzeugung, man darf nicht nur, man muss. Die Autoren seiner Kindheit, die ihn für Geschichte begeisterten waren Autoren, die heute keinen guten Ruf mehr haben. Er nennt als Beispiel Joachim FernauRosen für Apoll, Disteln für Haagen.

Laura Spinney: Der Urknall unserer Sprache

Ein Sachbuch auf ganz anderer Flughöhe, ist von der britischen Linguistin Laura Spinney. Die erzählt im Grunde etwas, was in unserer Lebenszeit, die letzten 20 – 30 Jahren möglich wurde. Als er zu studieren begann, wusste niemand mit Sicherheit, wie hat sich eigentlich die Ausbreitung der Indo-Europäischen Sprache binnen weniger Jahrhunderte zugetragen. Zu einer Zeit, als um diese Dimensionen, um diese Entfernungen zu überwinden. Das musste ja nicht einer, vom Kaukasus nach Irland kommen, sondern es mussten ja Populationen sein. Um Sprachen zu transportieren. Mit Hilfe von KI und der Rekonstruktion von der Ursprache, mit Hilfe der Genetik ist man da entscheidend weiter gekommen. Die Laura Spinney erzählt diese Geschichte der Ausbreitung unserer Ursprache vor 7.000 Jahren, spannend wie ein Krimi. Eine so augenöffnende Lektüre, hätte er lange nicht mehr gesehen. Wenn sich jemand dafür interessiert, wäre es ein gutes Buch dafür.

Ulli Lust: Die Frau als Mensch

Der deutsche Sachbuchpreis ging in diesem Jahr, an eine Graphik-Novel. Die österreichische Autorin Ulli Lust erzählt in diesem wahnsinnig stupend gebildeten Sach-Comic die Geschichte der Vor- und Frühgeschichte aus neuer Perspektive. 50.000 – 5.000 vor unserer Zeitrechnung. Als Kind hätte er in Museen für Vor und Früh-Geschichte gesehen, da gab es Dioramen. Da sah man Frauen vor dem Suppenkessel oder wie sie Felle zusammen nähten mit beinernen Nadeln. Dann gab es noch gemälde, mit Männern auf der Mammutjagd. Entsprechend wurde auch Häuptlingsgräber gefunden. Mit vielen Waffen beerdigt. Das waren eben die Männer, die Häuptlinge. Jetzt stellte sich aber heraus, vorallem durch die Genetik, das viele dieser Häuptlinge Frauen waren. Vor 50.000 Jahren kochten die Suppe, die am besten Suppe kochen konnten. Es gingen auch die auf die Mammutjagd, die am besten jagen konnten. Ohne Ansehen des Geschlechts. Das sind Befunde, die wir heute plötzlich sehen. Die Ulli Lust hier eben nachzeichnet. Daneben schaut sie eben auch, auf die unglaublichen Attraktion der Farbe Rot, die sie auf unsere Vorfahren ausgeübt hat. Im Grunde ist die Besiedlung, der Ausbreitung der Menschheit von Afrika ausgehend, ein Triumphzug, der Farbe Rot. Das war ihm auch neu. Diese und noch mehr Erkenntnisse, könnten wir in diesem Graphic-Novel erfahren.

Max Strohe: All You Can Eat

Nun erzählt er von seiner Großmutter, die fast 100 Jahre alt geworden wäre, sie war die erste Köchin von Theodor Heuss. Deshalb habe er ja auch immer eine besondere Schwäche für Kochbücher gehabt. Nicht nur für die Produkte daraus. Da gäbe es einen Autor Max Strohe der in Berlin das Restaurant Tulus Lotrek besitzt. Dieser hätte schon grandiose Bücher, über seine Sozialisation als Koch geschrieben. Jetzt hätte er seine Kolumne auf Spiegel-online All you can eat gesammelt. Wenn wir also tatsächlich in das Abenteuer Küche mal einen Einblick nehmen wollen, werden wir nichts appetitanregenderes lesen.

Gritzmann / Scheck: Kafkas Kochbuch

Ganz zum Schluss, ein Wort in eigener Sache. Er schreibe ja auch Bücher. In diesem Fall ein Buch mit einer Stuttgarter Schulkameradin Eva Gritzman. Sie hätte was vernünftiges gelernt, anders als er selbst. Sie ist Ärztin geworden. Sie hätten gemeinsam Kafkas Kochbuch gefunden. Kafka war Vegetarier. Er hat sich ernährt, von einem 1893 geschriebenen Kochbuch. Weil ihm seine Eltern zum Bestehen des juristischen Staatsexamen, einen Aufenthalt im damals teuersten Sanatorium des deutschen Kaiserreiches spendierten. Das Lahmann Sanatorium, war wie das Schloss Elmau. Wahnsinnig teuer. Rainer Maria Rilke war natürlich auch da. Er hätte dort sogar geheiratet. Thomas Mann, ließ es sich auch nicht nehmen. Es wurde dort nur vegetarisch gekocht. Jeder Gast bekam zum Schluss, das Kochbuch von Dr. Lahmann. Mit 577 vegetarischen Rezepten. Kafkas Großvater war Metzger.

Wir können uns eine Lachen nicht verkneifen.

Er schreibt also an seine Freundin, Übersetzerin und Geliebte: er müsse so viel weniger Fleisch essen als sein Großvater geschlachtet habe. Kafka hat laut Denis Scheck eine Ying Yang Vorstellung, einer kosmischen Gerechtigkeit. Er war einer der Ersten, der Essen als Waffe entdeckt hat. In seiner Küche, so erzählt Denis Scheck, eine Postkarte die zeigt drei Fliegen beim Mitagessen. Papa Fliege, mama Fliege und Kind Fliege. Kind Fliege fragt die Eltern Ist diese Scheiße auch vegan?Mit anderen Worten, kann man durch bestimmte Ernährungsvorlieben und Abneigungen seine Eltern zu Weißglut bringen. Das hat Franz Kafka entdeckt, indem man den Metzgersohn, seinen Vater Hermann dadurch provozierte das er sich Vegetarisch ernährte. Ich hab in diesem Buch, was wir finden konnten, was irgendeinen Bezug aus Kafkas Werken, Briefen oder Tagebüchern hatten, gesammelt. Ihnen ist erst bei der Arbeit an diesem Buch aufgegangen das es sich liest wie eine Mischung aus Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi. Lieblingsgemüse von Kafka war Spinat. Für Spinatpudding mit Morchelsoße, da legt Denis Scheck die Hand dafür ins Feuer.

A.A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses

Denis Scheck, fragt ob wir noch Fragen hätten.

Da wurde er gleich auf das Buch von A.A. Milne angesprochen. Es sei leider nicht verfügbar, sagt er bedauernd. A.A. Milne sei berühmt geworden für Der Wind in den Weiden. Das wäre einfach großartig. Mit dem Maulwurf, Ratte und von seiner Lieblingsfigur, mit der er so viel gemeinsam hätte, mit dem Kröterich. Der Autor hätte einen Krimi geschrieben. Einen typischen Herrenhaus-Krimi. Ganz ehrlich, sagt Herr Scheck, wenn man nicht wüsste das dieser Autor, dann das Meisterwerk eines Kinderbuchs geschrieben hätte, hätte ihm dieser Krimi allein nicht die literarische Unsterblichkeit eingebracht. Wenn man es allerdings weiß, liest man den Krimi doch mit anderen Augen.

Die nächste Frage lautet: Wie er denn seine Auswahl trifft.

Er vergleicht es mit einer Hochzeit. Something Old, Something New, Something Borrowed, Something Blue. So ungefähr wäre es auch bei der Auswahl. Sein Lieblingsheld aus der Literatur wäre Lord Peter Wimsey. Der Detektiv von Dorothy L. Sayers. Dieser Charakter hat ein Lebensmotto: Wohin mich meine Launen und Grillen führen. Mit anderen Worten, er höre da auf sein Lustprinzip. Worauf habe ich jetzt gerade Lust. Ich lasse mich ungern vom Zeitgeist oder von den jeweiligen Säuen die man da durchs Dorf treibt leiten. Er möchte gern selber Entdeckungen machen. Er liest nicht die Titel, weil sie gerade angesagt sind. Ganz komme er aber nicht drum rum, aber meistens suche er sich da seinen eigenen Weg. Gleichzeitig ist Literaturkritik ein komisches Unternehmen, also er verfolge die internationalen Feuilletons. er liest nicht nur deutsche Zeitungen. Er reist sehr viel, ist über die Hälfte des Jahres on Tour. Wo immer er ist, geht er in Buchhandlungen, schaut sich die Auslagen an. Auch die Bestsellerlisten. Schaut sich auch an, wer bekommt, welche internationale Buchpreise. Den Literaturbetrieb sollen wir uns wie einen Bienenstock vorstellen. Sie würden ein und ausfliegen, jeder bringt Nachrichten mit. Es wird auch heute Abend so sein, sie werden bestimmt noch ein Glas trinken gehen, dann erzählen wir uns zum Beispiel: Ich war gerade in Frankreich. Ich war gerade in Südafrika. Da geht es um das, und das, und das. Auf diese Weise, bekommt man unheimlich viel mit. Das meine ich mit komischen Unternehmen. Es ist auch eine Art von Schwarmintelligenz. Das wächst nicht nur auf eigenem Mist, hinzu kommt eben auch, was mich vielleicht von einigen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet ich bin mit Comics aufgewachsen. Er sei deshalb nicht der Überzeugung, das Literatur nur aus dem besteht was im Suhrkamp Verlag erscheint, sondern er kann sich auch intelligentes Leben außerhalb von diesem Verlag vorstellen. Das ist nicht unbedingt das, was die deutsche Literaturkritik durchschnittlich prägt.

Die nächste Frage war: Gibt es eine deutsche Übersetzung zu Nature Writing.

Das wäre eine sehr komplexe und sehr schwierige Frage. Er benutze den Begriff Nature Writing wenn er keinen anderen Begriff im deutsche finden würde. Es gibt eine Autorin, die Judith Schalansky die sich darauf spezialisiert hat. Der Matthes und Seitz Verlag hat hierzu eine eigene Buchreihe mit Namen Naturkunden. Sie hat sich für den Begriff Naturkunden entschieden. Um das zu transportieren, aber Nature Writing, wir wären doch so anglifiziert inzwischen, das wir ungefähr verstehen was damit gemeint ist. Es sei ganz wichtig darauf hinzuweisen, das im Grunde das was wir Romantik nennen, nichts anderes ist als die frühe deutsche Form von Nature Writing.

Nächste Frage, die mich auch sehr interessiert hat: Wie schafft er es 180 Bücher im Jahr zu lesen.

Ja, es klinge viel, aber eigentlich müsste diese Frage seine Frau beantworten. Das ist wirklich so, er mache ansonsten keinen Handschlag. Wir lachen alle laut. Jede Art von Mitarbeit im Haushalt, im Garten oder sowas pariere er mit dem Hinweis: Ich würde so gern, aber muss doch noch dieses Buch lesen. Also es klingt schon viel, aber uns müsse klar sein, das er das hauptberuflich macht. Er lese in der Woche zwei, drei Bücher. Das ist eigentlich, nicht so wahnsinnig viel. In seiner schlimmen Science Fiction Phase, hatte er Freunde die bedeutend mehr lasen. Das sei aber auch eine Frage der Fokussierung, und wohlgemerkt er mache das nicht nebenbei. Allerdings muss er sich oft vor die AUgen und die Ohren führen, er wird nicht für das Lesen bezahlt, sondern für das Schreiben. Lesen sei nur die eine Hälfte seines Jobs. Aber von der Zahl sollen wir uns nicht ins Bockshorn jagen lassen. wenn er eines gelernt hat, man kann sich auch dummlesen. Er kenne viele Kolleginnen und Kollegen, er wolle keine Namen nennen, die viel gelesen haben und das hat auch nicht sehr viel gebracht. Schallendes Gelächter unsererseits.

Die nächste Frage: Ob er Parallel lese oder hintereinander weg.

Er versuche eigentlich eins nach dem Anderen zu lesen. Mitunter sei er aus Produktionszusammenhängen, gezwungen zwei manchmal sogar drei Bücher parallel zu lesen. Meistens seien es dann, komplexe Sachbücher. Währenddessen er doch die Lust verspüren würde, mal etwas anderes lesen zu wollen. Er versucht nicht zu duschen, sondern zu baden, damit er in der Badewanne lesen kann. Er liebe es sehr, den Tag mit einem Bad zu beginnen und so zehn bis fünfzehn Minuten zu lesen. Dazu genieße er einen Assam Tee mit Milch. Er liebe es auch sehr, den Tag mit einer freien Lektüre zu beenden. Die letzte Viertelstunde vorm Schlafen gehen. Was er dazu trinke, würde er uns nicht verraten. Diese beiden Viertelstunden, möchte er gerne selbst bestimmt lesen. Das klappe aber auch nicht immer. Er versuche es aber.

Die letzte Frage bezieht sich, auf das Lesen der Bücher in Originalsprache.

Das wäre jetzt unglaublich Großkotzig, so seine Aussage. Wieviel Sprachen er beherrsche, manche behaupten nicht mal seine Muttersprache. Er hätte früher ja übersetzt. 15 Jahre vom literarischen übersetzen. Davon hätte er gelebt, da wären natürlich auch seine Wurzeln. Das sei auch heute noch, ein großes Kapital. Er könne kein polnisch, portugiesisch lesen. Er hätte eine rudimentäre Lesefähigkeit in französisch. Aus dem englischen hätte er übersetzt. Er sei sehr auf die unbesungenen Helden des Übersetzens angewiesen.

Denis Scheck weist noch auf den Büchertisch hin von der Buchhandlung Osiander, falls in uns nun der unwiderstehlichen Wunsch erwacht sei, eins der besprochenen Bücher zu erwerben, sei die gute Nachricht im Kapitalismus, es ist möglich. Am Büchertisch, sind alle diese Bücher zum Verkauf vorrätig. Er bedankt sich noch für unsere Aufmerksamkeit.

Büchertisch von der Buchhandlung Osiander

Der Abend war besonders. Bücher von denen ich noch nie gehört habe. Bücher dessen Autorinnen und Autoren ich noch nicht wahr genommen hatte, sind in meinen Fokus gerückt worden. Wer weiß, vielleicht lese ich das ein oder Andere. Das wird die Zeit zeigen.

[Stuttgarter Buchwochen] 22. November 2025 Carsten Henn: »Sonnenaufgang Nr. 5«

Tom Erben spricht über die Anfänge der Stuttgarter Buchwochen. Über 800 Verlage. Das hier 30% des Gesamtumsatzes erreicht wird. Gegründet 1949. 60 Verlage haben es geschafft. Aus der sowjetischen Besatzungszone kam der Reclam Verlag dazu. Unterstützt vom Haus der Wirtschaft, dem SWR, Stadt Stuttgart, dem Ministerium das hier beheimatet ist. Es kamen jetzt insgesamt in der 2. Woche schon so viel Besucher, wie im letzten Jahr in Gänze.

Er machte noch Veranstaltungstipps zu Anselm Grün. Berichtete aber auch das die Veranstaltung mit Denis Scheck und einige Tage später, mit Caroline Wahl ausgebucht waren.

Carsten Henn ergreift das Wort. Sitzend auf dem Sofa schreibt er. 2 Katzen neben ihm Notebook auf dem Schoß. Der Beginn macht meist ein Zitat eines großen Denkerin oder Denkers. Der Spruch „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“ stammt vom dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. Das ihn diesmal begleitet hat.

Im Buch „Sonnenuntergang Nr. 5“ geht es um die Diva Stella Dor. Sie trinkt einen French 75′ zur Erklärung Der French 75 ist ein alkoholhaltiger Cocktail aus Gin, Champagner und Zitronensaft. Jonas Engelbaum ist ihr Ghostwriter.

Sie denkt an einen Lavendelstrauß. Augenblicke ihrer Jugend. Sie schreibt sie auf.

„Sommer, Wiese, Lavendel, Köpfchen hängen.“ -> Alles steht voller Bücher. Nur ein Platz bleibt leer. Dort soll ein Buch stehen. Ein ganz besonderes Buch.

Carsten Henn erzählt das er Prologe und Epiloge liebt. Denn sie machen alles so viel weicher. Geben einem die Chance die Figuren zu begleiten.

Was gab den Ausschlag dieses Buch zu schreiben? Eine Zeitungsnachricht. Eine wahre Begebenheit, die in London spielte. Von der auch ich schon gehört hatte. Mir damals schon Gänsehaut bescherte.

Oswald Lawrence sagte „Mind the Gap“. Damit gemeint ist die Spalte zwischen Bahnsteig und Zug. Nach seinem Tod konnte seine Witwe Margaret McCollum die von ihm gesprochene Ansage, nur noch an der Haltestelle Embankment im Zentrum Londons hören. Sie war enttäuscht, als sie im November 2013 bemerkte, dass die Stimme ihres Mannes ersetzt wurde. Natürlich hat sie sich bei den Verantwortlichen gemeldet.

Carsten Henn sagt, das sie damals eine Kopie bekam. Damit sie ihn immer hören konnte.

Weiter spricht er über Erinnerungen. Für ihn bestehen sie aus Fotos oder Dias. Aber auch Essen.

Carstens Oma hat auf seinen Wunsch hin, ihre Rezepte aufgeschrieben. Doch da sie alles aus dem Handgelenk gemacht hat, fehlte die Hälfte oder es gab keine Maßangaben.

Ich kenne das. Werde nie so kochen können wie meine Oma oder Mami. Von meiner Mami kann ich noch lernen. Aber selbst ich, mache es nach Gefühl.

Sein Vater hatte Bücher über Bücher. Er hat immer gelesen. Auf dem Sofa, im Bett, im Urlaub, ja eigentlich immer.

Seine Tochter kam nach Hause aus dem Kindergarten und meinte sie heiße von nun ab nicht mehr Charlotte sondern Shasha.

Die Katze im Buch „Der Buchspazierer“ heißt Hund. Kommt aber leider im Film nicht vor, obwohl sie für ihn einen Hauptfigur sei. Sie taucht aber wieder auf. Er baut Brücken aus vorherigen Büchern. Seine Figuren entstammen oft lebendgen Personen. Wenn sie dann ein Eigenleben entwickeln weiß er jetzt beginnt der Caharakter seinen eigenen Kopf zu haben.

Nebenfiguren sind ihm genauso wichtig wie die Hauptfiguren.

Die nächste Passage liest er einfühlsam. Nun spürt man die Gefühle, die Tiefe, Gänsehaut. Alles ist sehr intensiv.

Paul im Buch hat Demenz. Tanzt gerne. Würde gerne mit Stella tanzen. Carsten Henn hat das in seinem Umfeld oft erlebt. Ganz verschieden ist die Krankheit. Verschieden auch die Auswirkungen, auf das Leben.

Normalerweise mag ich persönlich keine Hörbücher, aber wenn Carsten Henn seine Bücher einlesen würde, dann würde ich sie mir mit Sicherheit kaufen.

„Lachen und weinen gehören beides zum Leben dazu“, sagt er.

Im Buch gibt es ein Geschwisterpaar. Die Wohnung mit viel Tinnef. Eine Ferienpension mit Kino im Keller. „Kinopalast“ heißt es. Imke hat alles gebastelt. Muscheln, Dinge vom Strand. Es ist die größte Stella Dor Videothek. Die Kinoleinwand ist ein Fernseher. davor ein durchgesessenes Sofa. Man kann es sich vorstellen. Betritt den Raum.

Carsten Henn liest mit verschiedenen Stimmen, großem Spaß und Freude. Er ist unglaublich. Carsten lebt das Buch, lässt es lebendig werden.

Geht zu seinen Lesungen. Es ist der Wahnsinn! Ich brüll gleich vor lachen. Halte mich aber zurück. Er liest großartig. Genau im Moment als im Buch von Polizeisirenen erzählt werden, fährt draußen ein Polizeiauto mit Sirene vorbei. Wir lachen. Er meinte das hätte er sich nicht ausgedacht. Wir sollen es selbst lesen, dann würden wir es sehen.

Ja, ich werde es lesen. Denn das Buch musste ich einfach haben.

Ein Bild mit Carsten Henn rundete diesen wunderbaren Abend ab. Herzlichen Dank für dieses Erlebnis.

[Stuttgarter Buchwochen] 20. November 2025 »Die Stuttgarter Bücherrunde«

Der Abend, was für eine Überraschung wird mitgeschnitten als Podcast für literaturcafe.de. Wolfgang Tischer führt durch den Abend. Schade eigentlich, denn er war immer dabei, bei der Diskussionsrunde. Das hat Freude gemacht.

Zum 10. Mal findet die Stuttgarter Bücherrunde statt, ehemals als Literarisches Buchhandelsquartett bekannt.

Eine tolle Mischung von Büchern und Verlagen. Die Bücher sind auf dem Büchertisch vertreten. 2 Personen sind aus Buchhandlungen da, sitzen auf dem Sofa, 2 Menschen aus Bibliotheken.

Zur Runde gehören:

Der Leiter der Stadtibliothek Aalen, Michael Steffel. Seit 20 Jahren ist er Leiter der Bibliothek. Mit einem großen Einzugsgebiet. Drumherum herrscht bibliothekarischer Notstand. Die Leserinnen und leser kommen aus Backnang, dem Nördlinger Ries, Heidenheim. Aus allen Himmelsrichtungen. Bücher liest er nur in seiner Freizeit.

Mareike Winter, Azubi im 2. Lehrjahr zur Buchhändlerin, aus der Buchhandlung Taube in Waiblingen. Sie findet Beratung ist wichtig. Toller Beruf. Man hat viel mit unterschiedlichen Leuten zu tun.

Inhaber der Buchhandlung Back, Kristoffer Mauch. Quereinsteiger seit 10 Jahren. Azubi hat heute Abend die Feuertaufe, im Buchladen. „Vielleicht genießt sie es auch“, meint er. Seine Buchhandlungen sind in Weinsberg und Winsbach. Er kam durch Zufall zu der Buchhandlung.

Von der Stadtbibliothek Reutlingen, ist heute Abend zu Gast Fleur Hummel. Erfolgreich gegen den Strom. Kauft ein, verwaltet, lektoriert. Beobachtet den Markt. Sie hat vielfältige Aufgaben.

*********************************

*********************************

Wir beginnen mit Thorsten Nagelschmidt „Nur für Mitglieder“ aus dem März Verlag.

Kristoffer Mauch hat das Buch gewählt, damit auch kleinere Verlage eine Chance haben, präsenter zu werden. Der Autor kommt aus der Punk Musik. Muff Potter ist seine Band. Er ist Jahrgang 1976. Was ihn persönlich gegenüber Herr Mauch sehr sympathisch macht, da er dem gleichen Jahrgang angehört. Depression, Eskapismus und Nichtorte kamen im Klappentext vor, was ihn sehr angesprochen hat. Eigentlich ist es kein Roman, sondern eher ein Tagebuch. Er hat seit Jahren, nein Jahrzehnten ein Problem mit Weihnachten. Weil er dann immer in tiefe Traurigkeit rutscht. Er fliegt nach Gran Canaria um dem aus dem Wege zu gehen. Auch die Serie „Die Sopranos“ spielen eine Rolle. Beschreibungen des Resorts inklusive. Herr Mauch, empfindet es als sehr unterhaltsam. Er kann es jedem empfehlen. Fand es Klasse.

Die Diskussion ist somit eröffnet.

Fleur Hummel hat der Humor sehr gefallen. Sie ist Jahrgang 1978, deshalb war er ihr nah. Sie konnte sich gut einfühlen. Sie mag die Stellen, an denen er persönlich wird, über seine Depression und Gefühle spricht. Das macht es sehr authentisch. Das fand sie am Stärksten, da hat er sie abgeholt. Es war sehr berührend. Die Sopranos wurde sie nicht ganz warm damit, fand es etwas zäh im Übergang. Sie findet es schade, das er Weihnachten nicht mag. Das Zitat kann sie nicht ganz nachvollziehen, das da heißt: Ich brauche keine Therapie, ich muss einfach nur nach Gran Canaria. Seine Kindheit war nicht glücklich, das Aufführen an Weihnachten schreckt ihn ab. Vermisst die Ehrlichkeit. Man spielt den Anderen was vor. Sie selbst mag Weihnachten. Ihr Fazit, wer Weihnachten nicht toll findet, die Sopranos liebt und was über Depressionen lernen möchte, findet sicher etwas in dem Buch.

7 von 10🌟

Michael Steffel ist Jahrgang 1966, da wäre er eigentlich raus. Das Publikum kichert. Er hat flüchtig auf den Klappentext geschaut. Herr Steffel bittet Kristoffer Mauch ihn kurz vorzulesen. Darauf erklärt Herr Steffel weiter, er dachte es wäre ein autofiktionaler Roman. A la Heinz Strunk. Er war am Anfang etwas enttäuscht. Dachte es geht um therapeutisches Schreiben. Um so weiter er aber gelesen hat, umso tiefer hat es ihn hineingezogen. Der Autor kann gut erzählen, meint er. Herr Steffel kannte weder den Autor, noch die Punk Gruppe, der der Autor angehört. Die Situationen die er schildert, sind super. Die Clubanlage, die schrägen Charaktere, randalierende Briten. Wie er von seiner Depression berichtet, berührt. Die in seiner Kindheit den Anfang nahm. Es hat was von Sachbuch, durch die Fußnoten. Es ist eher autobiografisch, als autorfiktional meint er.

Mareike Winter findet es sehr mutig, so offen über seine doch schwere Kindheit zu schreiben. Die Alltagsbeobachtungen sind gelungen. Er lernt ein älteres Ehepaar aus England kennen. Eine Weinflasche mit Rotwein, eine mit Weißwein. Die halbe Flasche nehmen sie mit auf ihr Zimmer. Sie empfindet es auch als sehr autobiographisch. Er erzählt von seinen Eltern, seiner Jugend. Ein Satz der sie fasziniert ist 18 Zeilen lang. Lässt sich gut lesen. Sie kann sich in seine Lage versetzen. Ist für jung bis alt. Sie würde eine Lesempfehlung aussprechen.

*********************************

Fleur Hummel stellt nun das Buch „Monstergott“ von Caroline Schmidt vor.

Es geht um den Sündenfall in der Bibel, das deutet der angebissene Apfel an. Es geht um die zwei Geschwister Ben und Esther. Die Erzählperspektive wird Kapitelweise gewechselt. Frau Hummel findet es gut da es einem erlaubt immer einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Sind in einer evangelikalen Freikirche aufgewachsen. Sie sind tief verwurzelt und eigentlich glücklich. Die Idylle bekommt mit der Zeit Risse. Esther möchte gern mehr Verantwortung übernehmen. Muss sich jedoch den Männern unterordnen. Ben ist homosexuell. Er sündigt immer wieder, damit kämpft er ganz massiv. Es gibt eine Clique, der sie angehören. Diese lernt man während des Lesens kennen. Eine heiratet. Esther trifft ihre große Liebe wieder: Paul. Können sie wieder zusammenkommen? Erwachsenwerden, selbst finden.

Die Fragen: Bin ich genug, bin ich ein guter Christ schwebt im Raum. Die Autorin zeigt das Aufbruch und Veränderung auch schmerzhaft sein könne, aber eben auch notwendig. Ein berührendes Porträt, auf der Suche nach sich selbst. Fleur Hummels Fazit ist: Es ist ein Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz und Respekt.

Die Diskussion ist somit eröffnet.

Kristoffer Mauch empfindet es als sehr wichtiges Buch. Was man mitbekommt in der Buchhandlung, in den Medien, vorallem in Social Media wie die Freikirchen handeln, nicht alle betont Herr Mauch, ist haarsträubend. Caroline Schmitt hat es in dem Buch toll gemacht, das Esther, eine der Hauptprotagonistin, so stark dargestellt hat. Sie ist Bibelfest, setzt sich aber auch mit dem Pastor hin und diskutiert mit ihm. Die Eltern kamen wohl erst später zur Freikirche, es ist also glaubhaft. Er findet die Autorin hat es gut gemacht. Caroline Schmidt lebt auch in einer Freikirche. Man kommt zu dem Schluss, das es realitätsnah dargestellt ist. Ihm hat es gut gefallen.

Mareike Winter sie ist keine unbedingt gläubige Person, aber man merkt das die Autorin sich damit befasst hat. Sie zitiert Bibelverse. Dann gibt es Bens Homosexualität und das Esther sich eine höhere Stellung wünscht, als die sie gerade macht als Krankenschwester. Frau Winter ging die Entwicklung ab der Hälfte des Buches zu schnell. 200 Seiten mehr wären gut gewesen. Es hat sich einfach lesen lassen., aber auch als ob man es von einem Fremden erzählt bekommt. Eine Szene hat sie schockiert. Verrät es aber nicht welche. Bittet uns, es selbst zu lesen. Wir lachen. Die Eltern sind offen für Esther und Ben. Was sie machen. Das hat ihr gefallen und sie meint solche Unterstützung sollten die Kinder öfter haben. Solche Worte, von ihren Eltern öfter hören.

Michael Steffel sie schreibt aus der Innensicht. Für ihn war das lesen der Lektüre eine Zeitreise 30-40 Jahre zurück. Er ist auch gelernter Katholik. Hat bei einer Organisation gearbeitet und dort mit vielen Menschen aus Freikirchen zu tun gehabt. Ganz nette Kolleginnen und Kollegen. Sie hatten ihre Hauskreise, Gemeinde, Lobpreis-Team. Er hat tiefe Einblicke gewonnen, auch in die seelische Verfassung der Menschen, die in solchen Gemeinden sind.

Ben und Esther sind am Rande einer Ekklesiogene Neurose (zur Erklärung: sind psychische Störungen, die durch religiöse oder kirchliche Einflüsse verursacht werden), vorallem Ben.

Die Autorin gibt tiefe Einblicke. Esther empfindet er als stark. Ben zurückhaltend. Schön ist der Kontrast, zwischen den Geschwistern. Er kann es nachvollziehen. Ben leidet unter der Sünde. Dem sitzt ein kleiner Teufel auf der Schulter. Wartet auf den Sündenfall. Was Herr Steffel allerdings unglaubwürdig empfand, war das Verhalten der Eltern.

Sein Fazit: Ein gutes Buch für ältere Jugendliche, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten.

*********************************

Herr Tischer leitet über zum Buch von Paul Lynch. Das dünnste Bändchen des Abends. Präsentiert von Herr Steffel.

Im Juni hat er in der New York Times einen Artikel gelesen. Der Titel war: Why did the novel reading man disapear? Warum ist der Romanlesende Mann verschwunden. Darin auch das der romanschreibende Mann verschwindet. 66% Mädchen, junge Frauen, Frauen leihen Romane aus. Die Männer spielen eine untergeordnete Rolle. Männer lesen weniger Belletristik. Deshalb verdient man an ihnen nichts. Deshalb gibt es immer weniger Romane von Männern für Männer. In den Bibliotheken und im Buchhandel finden die Männer immer weniger Male friendly content. Das ist ein Teufelskreis. Die Spirale geht immer weiter runter. Herr Steffel hat sich unheimlich schwer getan, ein Buch zu finden was ihn interessiert. Er liest nichts wo eine Frau in einem Kleid aus dem 19. Jahrhundert durch eine rosenumrankte Pforte tritt. Oder eine junge Frau die einen Wollladen, Teeladen usw. führt. Am New Adult Regal wird nicht besser. Wir müssen lachen. 2023 hat Paul Lynch den Booker Prize für das Buch Lied der Propheten erhalten, weshalb es Jenseits der See übersetzt wurde. Hätte er diesen Preis nicht erhalten, wäre dies nicht geschehen.

Er nimmt es den Verlagen übel, das sie wenig Abenteuerromane raus bringen. Jenseits der See beruht auf einer wahren Begebenheiten, die sich von 2012 – 2014 zugetragen haben. Ein Fischer, ein Salvadorianer wurde mit seinem Kollegen bei einem Sturm aufs Meer hinaus getrieben. Auf den Pazifik. Der Kollege stirbt nach wenigen Wochen. Der Fischer José Salvador Alvarenga überlebt 14 Monate. 7 Meter langes offenes Boot. Eine Kiste als Unterschlupf. Landet 10.000km entfernt, auf einem Atoll der Marschall Insel. Hat Frau, Kind, Eltern verlassen. Motor setzt aus, Funkkontakt bricht ab. Es geht dann um den Überlebenskampf von Boliva und Hector. Man spürt das Herr Scheffel großartig gefällt.

Die Diskussion ist somit eröffnet.

Frau Hummel empfindet die Hauptprotagonisten als unsympathisch. Hector ist in ihren Augen unsozial. Sie fand spannend, das auch wenn nicht viel passiert, wie die Männer da überleben. Für sie war es Pessimist gegen Optimist. Wie geht man mit der existenziellen Bedrohung um, wie mit der Einsamkeit. Sie sind zu zweit und doch allein. Sprachlich fand sie es schön. Eine innere Spannung baut sich auf. Man hat das Gefühl dran bleiben zu müssen.

Mareike Winter fand auch Boliva unglaublich unsympathisch. Hector war ihr auch nicht sympathisch. Eine Szene in der Boliva das Handy von Hector wegschmeißt, mit dem Foto seiner Freundin. Sie ist nicht gut in das Buch reingekommen. Es hat etwas gedauert bis sie verstanden hat, wie Paul Lynch seine Sätze formuliert. Die Sätze sind kurz hinteinander. 5 Sätze, hätte man auch in einem zusammenfassen können. Sie konnte sich dennoch in die Protagonisten reinversetzen. Lohnt es sich am Leben zu bleiben? Es geht um universelle Themen. Man kann es auch als Frau durchaus lesen.

Ihr Fazit: Sie würde es ihren Kunden nicht empfehlen, einfach weil sie es schwierig empfand reinzukommen. Es benötigt geübte Leserinnen und Leser.

Kristoffer Mauch findet es literarisch unangefochten. Boliva guckt bei einem Sturm über das Dollbord (verstärkte obere Rand eines offenen Bootes) Er liest einen Satz vor: Was er sieht ist eine Welt, in sein gewirbelt, eine Welt jenseits des Menschen, eine chaotische leere Raserei. Da fragt er sich wie übersetzt man sowas. Zweitens schlägt er das Buch zu, und denkt fünf Minuten darüber nach. Es ist so, das manche Beschreibung auch Ekel hervorruft. Wenn Boliva einen Vogel mit der Hand schlachtet. Diese menschlichen Abgründe. Es ist kein Wohlfühlbuch. Er war begeistert. Konnte nicht aufhören zu lesen.

Sein Fazit: Ganz große Kunst.

*********************************

Herr Tischer übernimmt das Wort und freut sich das es bei Paul Lynch etwas Uneinigkeit gab. 😉 Sonst wäre es ja gar keine Diskussionsrunde. Wir kommen jetzt zum gehypten Buch Alchemised von SenLin Yu.

Vorgestellt wird das Buch von Mareike Winter. An dem Buch haben vier Übersetzerinnen gearbeitet. 300 Seiten pro Übersetzerin. Es wurde in 16 Sprachen übersetzt und hat in der deutschen Ausgaben Glossar. Es geht um Helena Marino eine 20 jährige, die in der Rebellion „Ewige Flamme“ ist. Sie ist eine der wenigen Überlebenden. Eine düstere Geschichte. Kriegsgewalt. Makabere Szenen. Horror Aspekte gepaart mit einer komplizierten Liebesgeschichte. Sie fand es ein ganz spannendes Buch. Der Fokus liegt nicht auf der Liebesgeschichte, sondern auf der Welt. 1000 Seiten stark. Mit viel Spannung, mit viel Emotion.

Die Diskussion ist somit eröffnet.

Kristoffer Mauch ist vor vielen Jahren mal auf einer industrial Technoparty gewesen. Es war düster, unübersichtlich, auf eine gewisse Art faszinierend. Vielleicht auch ein bißchen sexy, er schmunzelt. Er wusste gleich, hier bin ich nicht richtig. So ging es mir beim lesen des Buches. Schallendes Gelächter bricht aus. Auf der Buchmesse habe er das Wort World Building gelernt. Es ging ganz vielen Leserinnen und Lesern darum. Das ist eine große Kunst, das glaube ich. Er konnte sich mit keiner der Figuren identifizieren. Es fiel ihm schwer in die geschichte einzutauchen. Die englische Originalausgabe hat gar kein Glossar, er weiß gar nicht wie man durchsteigen soll. Es gibt Begriffe wie Nekromantie. Wer sich für Alchemie interessiert, der kommt auf jeden fall auf seine Kosten. Er weißt darauf hin, kann auch darüber sprechen, wird es aber nicht aktiv verkaufen. Es war trotzdem bereichernd, sagt er zum Schluss.

Michael Steffeler gibt, wenn er einen Roman liest, 30 – 50 Seiten. Wenn es dann nicht läuft bin ich raus. Er hat Alchemised 153 Seiten gewährt, mit Blick auf es hat ja 1.200 Seiten. Zuerst muss man eine Welt kreieren. World Building was eine große Kunst ist. So wie bei Herr der Ringe, mit den ganze Begrifflichkeiten. Es hat dazu geführt das die Exposition 100 Seiten sind, es geht eher darüber hinaus. Info Dumping ohne Ende. Das die Leserin, der Leser in die Welt findet. Dann denkt man, jetzt geht es endlich los und dann kommt sie zu diesem Verhör. Nach 153 Seiten hat er dann resigniert. Da fiel ihm ein Zitat ein von Johann Wolfgang von Goethe ein. Betretener Quark wird breit nicht stark. Hat sicher seine Leserschaft. Glossar ist hilfreich, aber immer das hin und hergeblättere. Er hat es nicht zu Ende gelesen.

Fleur Hummel ist am Anfang wahnsinnig schwierig reingekommen. Glossar war für sie nicht hilfreich, da man ständig am blättern ist. World Building fand sie toll. Die Sprache schön. Man kann vieles aus dem lateinischen ableiten, wenn man es gehabt hat. Der Hauptbösewicht heißt Kaine Ferron. Ferron ist das Eisen. Es war spannend, die Aufmachung total schön. Mittlere Teil ist ein Rückblick, vier Jahre zuvor. Da löst sich auch ein bißchen der Knoten. Zu viele Wiederholungen, von kalt, düster usw. Das fand sie schade. Es zieht sich dann so ein bißchen in die Länge. Helena Marino schein eine starke Frau zu sein, wird aber klein gemacht in der toxischen Beziehung. Mit dem Frauenbild das dort beschrieben wird, hat sie ein Problem. Das findet sie massiv schwierig.

Herr Tischer meint da hat Frau Winter sicher was dagegen zu setzen, meint er lächelnd.

Mareike Winter hält dagegen. Das der Übergriff nicht nur für Helena schwierig war, sondern auch für ihn. Für sie ist es ein Fantasyroman mit einer komplizierten Liebesgeschichte. Mit viel Horrorelementen. Sie sind sehr verschieden aufgewachsen. Sie als Heilerin, sorgt sich um Andere. Er wurde durch seinen Vater hineingezogen. Durch den Tod seiner Mutter. Musste sich unterwerfen. Sie versteht aber die Meinung von Frau Hummel.

Herr Tischer merkt an das die Zeit leider vorbei ist. Der Ullstein Verlag auch die englische Version veröffentlicht. Spannende Entwicklung, das immer mehr deutsche Verlage sich immer mehr die Rechte an englischen Ausgaben sichern.

Weihnachtstipps:

Kristoffer Mauch empfiehlt:

Dichterarzt aus Weinsberg. Fallbeschreibung aus dem 19. Jahrhundert. Die Bauerstochter Magdalene hat Erscheinungen. Spielt in Hohenlohe. Weiße Frau und schwarzer Mann. Sie soll dem schwarzen Mann nicht antworten. Elternhaus ist verflucht, muss abgerissen werden. Klassische Spukelemente. Das war damals Stand der Wissenschaft. Dr. Liebeig der durch das Kernerhaus in Weinsberg führt, hat ihm gesagt:

Kerner glaubte nicht an Geister, er wusste das es Geister gibt.

******************************

Fleur Hummel empfiehlt:

Im April 2024 war es so, dass das Deutsche Umweltministerium die Einfuhr von Jagdtrophäen geplant hat. Der afrikanische Elefant steht auf der roten Liste. Botswana hat die allergrößte Elefantenpopulation. Haben auch ein bißchen Probleme, mit den Elefanten und den Städten.

Dann kam noch eine Werbeunterbrechung. Wir wissen nicht wer es war, aber So wussten wir was noch an Veranstaltungen heute Abend laufen würden, mit Uhrzeitangabe. 😂

Frau Hummel erzählt weiter. Botswana hat es als Einmischung empfunden und vorgeschlagen Deutschland 20.000 Elefanten zu schenken. Die Autorin hat es auf die Spitze getrieben, als Satire. Diese 20.000 Elefanten landen in Berlin. Völliges Chaos verursachen. Jede Menge Probleme, wie die Ausscheidungen der Tiere. Sie findet es wahnsinnig amüsant, erschreckend realistisch, etwas absurd. Durch das Elefantenministerium eien Aufnahmequote für Bundesländer und so leichten latenten politischen Anspielungen, auf den Umgang mit geflüchteten Menschen.

******************************

Michael Steffel empfiehlt:

Bei Heinz Strunk ist es so ähnlich wie bei Helge Schneider, entweder man mag ihn oder mag ihn nicht. Ich liebe Heinz Strunk seit 2004. Seit Fleisch ist mein Gemüse. Es geht bei ihm immer um irgendwelche Looser. Was kann einem mann schlimmeres passieren als Kein Geld, Kein Glück, Kein Sprit. Es sind 36 Geschichten. Eine skurille Geschichte nach der Anderen.

******************************

Mareike Winter empfiehlt:

Es geht um einen zauberhaften Hund. Er sucht nach einem zu Hause. Der Wind bemerkt das und sendet ihn in die Großstadt. Dort wird er auch abgelehnt. Zitternd macht er sich bemerkbar. Eine ältere Dame und der Hund werden eine Familie. Die Bilder sind zauberhaft.

Herr Tischer hat das Schlusswort. Er weist auf den Büchertisch vom Osiander hin. Es gibt Applaus für alle Beteiligten.

Es war ein schöner Abend mit viel interessanten Büchern.

Hier noch einige Eindrücke des Abends:

Nachzuhören als Podcast auf www.literaturcafe.de

Von links nach rechts: Wolfgang Tischer, Fleur Hummel, Kristoffer Mauch, Mareike Winter, Michael Steffel.

[Stuttgarter Buchwochen] 17. November 2025 Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl »Der Weihnachtsmannkiller 3« & Verleihung des »Media Control Premium Award«

Mit freundlicher Genehmigung von ©Holger Bloem

Nach einem sehr leckeren frühen Abendessen, liefen Rabea, meine liebe Freundin, und ich zum Haus der Wirtschaft. Dort trafen wir auf Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf. Bettina umarmte mich. Ach wie ich mich freute. Klaus-Peter eifrig am signieren, winkte mir freudestrahlend zu.

Rabea suchte sich einen Platz, denn was ich nicht wusste, ich hatte in der ersten Reihe einen reservierten Platz. Das war für mich so besonders. Das ich immer noch strahle. Das mag sich kindisch anhören, aber das war ich so nicht gewöhnt.

75. Jahre Stuttgarter Buchwochen

Auf dem Banner stand: „Bücher können stärken, ermutigen, träumen, lachen, zweifeln, glauben“. Sehr passend.

Zuerst spricht Tom Erben über die Anfänge der Stuttgarter Buchwochen. Eine der größten Buchschauen im Südwesten. Er berichtet von seinem Werdegang. Vom Buchhändler zum Verleger.

Leitet dann über zur Laudatio von Ulrike Altig über Klaus-Peter Wolf.

Sie berichtet von seinen Erfolgen. 153 Bücher geschrieben, 8 Mio in Deutschland verkauft. Ein literarisches Erdbeben. Auf der Spiegel Bestsellerliste zu Hause. Sein Schreiben ist eine Mischung aus Bodenständigkeit, feinem Humor und der Liebe zu den Menschen.

Er hat Ostfriesland auf die Landkarte gesetzt. Leserinnen und Leser begeistert. Er und seine Frau seien ein unschlagbares Team, das die Küste zum Krimiparadies macht.

Media Control verleiht Klaus-Peter Wolf den Premium Award als erfolgreichster Krimiautor 2024/2025 – in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Klaus-Peter Wolf bedankt sich ganz gerührt für den Media Control Premium Award. Er sagt Publikumspreise sind besondere Preise. Sie sind von den Leserinnen und Lesern. Er hat schon einige Preise bekommen. Aber wenn das Publikum ihn wählt, seine Geschichten, bedeutet ihm das so viel mehr. Denn genau für uns schreibt er. Schlüpft in die Rollen seiner Charaktere.

Dann begann der musikalische Krimiabend.

Andrea Baumann sitzt neben mir, genau wie Tom Erben. Zwei sehr wichtige Menschen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Sie haben immer alles im Griff.

Rechts von mir setzte sich Susanne Kaminski. Da wusste ich noch nicht, wer sie ist und sprang ganz nach Bettina Style mit Anlauf, in ein Fettnäpfchen. Es ging um „Dr. Sommerfeldt“. Mehr sag ich jetzt nicht dazu. So peinlich.

Weiter berichtet Klaus-Peter Wolf vom Krimimuseum in Norden. Es waren 11.000 zahlende Gäste im ersten Jahr da. Was ich fantastisch finde. Ihr könnt euch also vorstellen, wo der Award bald aufbewahrt wird. Natürlich dort.

Er erzählt von den schwierigen Anfängen. Der ersten Auflage von Ostfriesenkiller bestand aus 8000 Exemplare. Nun ist die 26. Auflage erschienen.

Lesungen hat er an Schulen gemacht, Kindern vorgelesen. Eine erste Lesung in der Stadt Leer mit gerade mal 7 Gästen, die nicht ganz freiwillig da waren. Erzählt er. Dann waren es 20 Gäste, das wäre die Schallmauer gewesen. Glücklich ruft er Bettina an.

Mit der Macht von lokalen Zeitungen, wurde er immer konfrontiert.

Kam in Feuilltons nicht vor. Das ist heute anders. Einmal im Jahr kommt eine Ostfriesenzeitung heraus. Aus dem Honorar der Lesungen finanziert.

Klaus-Peter Wolf kündigt die Titelmelodie an, die normalerweise von Bettina Göschl gesummt wird. Immer am Anfang der Austrahlung der Krimis, im Fernsehen. Heute singt sie für uns, den „Ostfriesenblues“ in Gänze vor.

Klaus-Peter erzählt uns von leerer Tinte, die er für seinen Kolbenfüller benötigt. Wie er 2 Tintenfässchen kauft und die junge Verkäuferin, von da ab an Zeitlöchern glaubt. Eine ältere Verkäuferin, dann zur Hilfe eilt. Um das Gewünschte, unter dem Tresen hervorzuholen. Die sind jetzt ausverkauft, wahrscheinlich bis heute, scherzt er.

Er gewährt uns Einblicke in sein Schreiben. Seine Kladde, in die er sein neuestes Werk schreibt. Gibt den Schreibenden unter uns den Tipp, laut vorzulesen. Das wäre besser. Man könnte so die Lesbarkeit überprüfen. Ob ein Satz funktioniert oder eine Szene. Bettina und er, diskutieren während der Schaffensphase, über einzelne Passagen.

Im Studio dann, wenn er es selbst als Hörbuch einspricht, gibt es noch finale Änderungen. Die der Verlag dann bekommt, um sie einzuarbeiten.

Bevor er aus dem Weihnachtsmannkiller 1 und 3 liest, erzählt er noch wie sehr er Weihnachten mag, vorallem den Spekulatiusduft.

Außerdem berichtet er von seltsamen Fragen von Journalisten z. Bsp. „Ob es ein mörderischer Druck wäre, Bücher zu schreiben.“ Man denkt wohl er sei ein gequälter Autor, meint er. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht sagt er: „Ich bin glücklich.“

Wenn er schreibt, genießt er andere Personen zu sein. Denn die Schauspieler oder der Regisseur bemerken es, ob er in die Figur eintaucht oder sie zu Marionetten macht.

Dazu hat Bettina Göschl ein tolles Lied geschrieben. „Wenn mein Mann einen neuen Krimi schreibt“. Oh man ich sehe das Video vor mir. Klaus-Peter Wolf macht das toll. Fehlte nur noch die Perücke. Wir mussten sooo lachen.

Wenn er an Szenen mit Ubbo schreibt, riecht es im Haus nach Schwarztee mit Pfefferminzblatt und Marzipan.

Mit Rupert riecht es nach Currywurst, Pommes und Bier.

Frank Weller liebt Rotwein und Zanderfilet.

Wenn er in Ann Kathrin Klaasen schlüpft, hat er einen anderen Gang. Das bestätigt auch Bettina mit einem Lachen.

Dr. Sommerfeldt ist kein Arzt. Aber er hat sich der ganzheitlichen Behandlung verschrieben. Er beschützt, aber bestraft auch. Ich bin immer noch zwiegespalten im Hinblick auf ihn.

Als „Totenstille im Watt“ veröffentlicht wird hatte er Angst. Er beschließt erstmal eine Fischsuppe zu kochen. Bevor er ins Internet schaute. Eine ältere Dame mit Taschen rief ihm zu: „So jemand wie Dr. Sommerfeldt hätte ich gebraucht!“ Vergessen war die Fischsuppe und der Einkauf. Daheim wirbelte er Bettina im Kreis herum, vor Glück. Ich konnte mir das bildlich vorstellen.

In „Ein mörderisches Paar“ ist der Klinikleiter wen wundert es, Dr. Sommerfeldt. Er nennt sich jetzt Dr. Ernest Simmel.

Er liest aus „Ein mörderisches Paar“, eine Szene später noch aus „Echt jetzt“.

Als er von einem Anruf von der Polizei erzählt, bricht im Publikum Gelächter aus.

Hintergrund: Bei einer Observation der Polizei, die länger dauerte, brachte das gegenseitige Vorlesen aus dem Buch Echt jetzt nicht nur die Bäuche zum Wackeln, sondern schlichtweg das ganze Auto. Das bemerkten auch die Observierten. Tja, Lachen ist gesund, aber manchmal auch fehl am Platz.

Bettina singt „Mord im Ostfriesenexpress“. Was für eine Stimme. Es ist toll ihr zuzuhören.

Klaus-Peter Wolf sprach noch über „Die Nordseedetektive“. Es gibt mittlerweile 13 Bücher.

Er empfindet es wichtig, das Kinder lesen. Das finde ich auch. „Die Welt kann Angst machen“, sagt er. „Kriege und Pandemie. Lesen ist wichtig. So lange Kinder lesen, ist nicht alles verloren.“

Bettina und Klaus-Peter verbeugen sich unter großem Applaus.

Was für ein Team. Gemeinsam schreiben, leben, lieben. Sie bringen Freude für Kinder und Erwachsene. Ein außergewöhnliches Paar.

Mir hat der Abend riesig gefallen.

Wir Drei mit dem Premium Award.

Herzlichen Dank an Bettina, Klaus-Peter, Andrea Baumann & Buch Contact.

Es war mir eine Freude.

Als nächstes treten die Zwei in Wismar auf. Darauf folgt Gelsenkirchen wo er am 12. Januar 1954 das Licht der Welt erblickte.

[Vorankündigung] Stuttgarter Buchwochen vom 13. – 30. November 2025 im Haus der Wirtschaft Stuttgart

Save the Date

Ihr findet mich auf den »Stuttgarter Buchwochen« bei diesen Veranstaltungen.

Mein herzlicher Dank geht an Frau Sandmann und Frau Baumann.

Sie haben mir erlaubt, bei diesem so großartigen Buchevent dabei zu sein.

Es ist keine normale Buchmesse, nein, es fühlt sich an wie ein großes Wohnzimmer.

Lesen, Vorlesen und neue Bücher entdecken, ist hier in einer ruhigen Umgebung möglich.

Gerne könnt ihr hier auf dieser Homepage, die Berichte des letzten Jahres zu lesen. Hier die Links dazu:

  • 17. November 2025 19:30 Uhr Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl »Der Weihnachtsmannkiller 3« & Verleihung des media control Award
  • 20. November 2025 18:00 Uhr »Die Stuttgarter Bücherrunde«
  • 22. November 2025 14:00 Uhr »Die Neckarautoren stellen sich vor. Lesespass für junge Bücherfans«
  • 22. November 2025 19:30 Uhr Carsten Henn: »Sonnenaufgang Nr. 5«
  • 26. November 2025 19:30 Uhr Denis Scheck: »Meine Lieblingsbücher 2025 – Weihnachtsempfehlungen«
  • 29. November 2025 19:30 Uhr Caroline Wahl: »Die Assistentin«

Bald erzähle ich euch genaueres zu dem tollen Buchevent.

Ihr solltet euch also den 13. – 30. November 2025 vormerken.

Öffnungszeiten:
Mo – Fr:  10.00 – 19.30 Uhr
Sa – So:   11.00 – 19.30 Uhr

Tageskarte:
3 €

Dauerkarte:
10 €

Freier Eintritt in die Ausstellung für:
Kinder bis 14 Jahren, Schulklassen und ihre Begleitpersonen, Schüler*innen, Student*innen, Menschen mit Einschränkungen und ihre Begleitperson sowie Inhaber*innen der Bonuscard.

Denn es gibt viele schöne Veranstaltungen, Zeit zu lesen, Zeit zum Entdecken und Zeit um sich auszutauschen.

Hier könnt ihr das Programm in der Gänze lesen:

Bis bald.

[Stuttgarter Buchwochen] „Die Stuttgarter Bücherrunde“

„Die Stuttgarter Bücherrunde“ mit Beate Hiller (mitte) vom „Buch im Süden“, Thomas Koch (rechts) von „Fliegende Bücher“ und Wolfgang Tischer (links) von „literaturcafe.de“.

Es ging um diese Bücher:

Birgit Poppe „Die Frau am Fenster“ aus dem Gmeiner Verlag

Dresden 1818. Caroline Bommer ist 24 Jahre alt, als sie den 20 Jahre älteren Caspar David Friedrich heiratet. Sie kennt den Maler bereits seit ihrer Kindheit, er war ein Freund der Familie, den sie stets bewundert hat. „Line“, wie Friedrich seine junge Frau zärtlich nennt, verändert das Leben des Junggesellen sehr, was auch Auswirkungen auf seine Kunst hat. Doch nach dem glücklichen Beginn ihrer Ehe, der für sie aufregenden Hochzeitsreise mit Besuch der Kreidefelsen auf Rügen und der Geburt ihrer Kinder, durchlebt Caroline auch leidvolle Zeiten.

Meinungen der Anwesenden:

Indira Begovic (krankheitsbedingt abwesend) ist  persönlich berührt. Identifiziert sich stark mit Caroline. Die mit einem weitaus älteren Mann verheiratet ist. Man lernt nicht nur den Künstler Caspar David Friedrich, sondern auch Caroline als starke Frau kennen. Ein beschauliches Buch.

Der Mann ist ein Stinkstiefel, den Frau und Kind nicht interessiert, wirft jemand ein.

Birgit Poppe ist eine Kunsthistorikerin und schreibt Sachbücher. Was man merkt, meint Frau Hiller.

Sich dem Mann zu unterwerfen, war Alltag. Es gibt Einblicke in das Leben. Ein unglückliches Ende inklusive.

Herr Tischer meint, dass er sich sprachlich nicht mitgenommen fühlt. Gefühle sind zu linear, werden behauptet. Nicht aber vom Leser gefühlt. Sehr behäbig geschrieben.

Nora Bossong „Reichskanzlerplatz“ aus dem Suhrkamp Verlag

»Ein furchtloser Roman über Mittäterschaft und darüber, wie aus dem kleinen Bösen das große Böse wächst. Kann man denn über das ›Dritte Reich‹ erzählen? Die Frage wird oft gestellt, nicht zu Unrecht. Nora Bossong beantwortet sie mit diesem großartigen Buch, indem sie es tut – vielschichtig, besonnen und erbarmungslos.« Daniel Kehlmann

Als Hans die junge und schöne Stiefmutter seines Schulfreunds Hellmut Quandt kennenlernt, ahnt er noch nicht, welche Rolle Magda in seinem Leben spielen wird, für ihn persönlich, aber auch Jahre später als fanatische Nationalsozialistin und Vorzeigemutter des »Dritten Reichs«. Noch ist die Weimarer Republik im Aufbruch und Hans so heftig wie hoffnungslos in Hellmut verliebt. Doch nach einem Unglücksfall beginnen Hans und Magda eine Affäre, von der sie sich Trost und Vorteile versprechen: Sie will aus ihrer Ehe ausbrechen, er seine Homosexualität verbergen. Erst als Magda Joseph Goebbels kennenlernt und der NSDAP beitritt, kommt es zwischen Hans und ihr zum Bruch. Während Magda mit ihren Kindern bald in der Wochenschau auftritt, gerät Hans zunehmend in Gefahr. Ein Roman, der über zwanzig Jahre den Weg zweier Menschen und eines Landes erzählt, der nicht unausweichlich war.

Nora Bossong zeichnet in ihrem neuen Roman das intensive Porträt der Frau, die Magda Goebbels wurde, und ihres jungen Liebhabers. Zwei Menschen in der Maschinerie der historischen Ereignisse, unterschiedlich verstrickt, unterschiedlich schuldig geworden. Auch an sich selbst.

Meinungen der Anwesenden:

Weiter geht’s mit dem Buch „Reichskanzlerplatz“ von Nora Bossong vorgestellt von Beate Hiller.
Aus Magda Quandt wird Magda Göbbels. Aus der Distanz wird erzählt. Hans hat  homosexuelle Tendenzen. Er ist ein  Mitläufer. Wird ins Grenzgebiet geschickt. Das Buch wurde schon kontrovers diskutiert.


Herr Tischer ist entsetzt. Unverständlich und unheilvoll findet er das Buch. Er versteht auch nicht, dass die Autorin es nötig hat. Sie erfindet eine Figur. Komponiert, ausgedacht.


Thomas Koch sagt, es ist ein fabelhaftes Buch, leicht queer. Aber die Geschichte kriecht in die Köpfe rein, das es schon unheimlich ist.

Jessica Lind „Kleine Monster“ aus dem Hanser Verlag Berlin

Nominiert für den Österreichischen Buchpreis 2024
Ein soghafter Roman über die zerstörerische Kraft des Ungesagten. »Einzigartig und nervenzerfetzend.« Doris Knecht

Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen. Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Sein Vater hat daran keinen Zweifel. Aber Pia kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen, wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Ein fesselndes psychologisches Drama über die Illusion einer heilen Kindheit.

Meinungen der Anwesenden:

Das Buch ist der Nachfolger von „Mama“. Vorgestellt wird das Buch von Herrn Tischer.
Es geht um Kinder, Eltern sein, Eltern werden.
In der Schule ist was vorgefallen. Die Mutter nimmt ihn daraufhin, aus der Schule. Wird aus der Whatsapp-Gruppe geworfen.
Was ist da passiert? Es gibt einen gewissen Sog, man will es wissen.
Da stellt sich die Frage, was vererben wir an die Kinder.


Herr Koch fand das Buch fabelhaft. Gleicht die Geschichte, mit seiner eigenen Vita ab. Er hat eine Adoptivschwester.


Frau Hiller meint dazu, Pia ist überzeichnet. Ab wann wird einem, das eigene Kind unheimlich? Die Frage stellt man sich unweigerlich.

Julie von Kessel „Die andern sind das weite Meer“ aus dem Eisele Verlag

„Leichtfüßig und unterhaltsam geschrieben. Ein abwechslungsreicher, berührender, aber auch aufbauender Roman über Familie, Zusammenhalt und Verantwortung.“ WDR2 Lesen

In ihrem neuen Roman erzählt Julie von Kessel von einer modernen Familie, in der jeder allein in seiner Krise steckt und niemand in der Lage ist, die Verantwortung für den anderen zu übernehmen. Bis ein Ereignis die Kinder zwingt, endlich erwachsen zu werden.

Familie Cramer droht die Zerreißprobe. Dabei waren sie einst eine Vorzeigefamilie. Ein erfolgreicher Diplomatenvater mit einer schönen Frau und drei wohlgeratenen Kindern. Erst Jahrzehnte später, Mutter Maria ist längst gestorben und die Kinder erwachsen, zeigen sich die Risse im Familienfundament. Und als der Patriarch in eine Demenz schlittert, drohen aus den Rissen einstürzende Wände zu werden.

Luka ist als Fernsehreporterin kaum je zu Hause, Tom mit der Leitung seiner psychiatrischen Klinik beschäftigt, und Elena steigert sich in ihre Jugendliebe hinein, weil sie vor einer unangenehmen Wahrheit die Augen verschließt.

In dem Glauben, von den anderen nicht verstanden zu werden, trägt jeder sein eigenes Päckchen – bis der Vater spurlos verschwindet.  

Meinungen der Anwesenden:
Thomas Koch hat das Buch von Juli von Kessel mitgebracht. „Die andern sind das weite Meer“ aus dem Eisele Verlag. Im Urlaub auf Sylt war er in der „Badebuchhandlung“ Die heißt wirklich so.
Vater Hans ist dement. Drei Kinder hat er.  Zwei Mädchen. Ein Junge. Der Junge ist schwul, ein Mädchen hat Erfolg, ein Mädchen nicht so. Jedes Kind ist mit seinem Selbst beschäftigt.
Herr Koch hat recherchiert und nachgefragt, ob das wirklich so war und das stimmt, so wie es beschrieben ist.

Frau Hiller sagt es sei zu vorhersehbar. Es hat sie nicht berührt, war ihr zu wenig.


Wolfgang Tischer sagt das Cover ist nicht schön, auch nicht inspirierend. Der Titel ist nicht so ansprechend. Jeder hat einen Tod zu verantworten.

Natürlich gab es auch noch Weihnachtstipps:

Gotelli/Richter/Trigg „XMAS – Das Weihnachtsbuch“ aus dem Midas Verlag

Sally Rooney „Intermezzo“ aus dem Claassen Verlag

Annette Kehnel „Die sieben Todsünden“ aus dem Rowohlt Verlag

Judith W. Taschler „Nur nachts ist es hell“ aus dem Zsolnay Verlag

Es waren Bücher dabei, die ich wahrscheinlich nie wahrgenommen hätte ohne diese Veranstaltung. Danke dafür.

Adresse:

Haus der Wirtschaft

Willi-Bleicher-Str. 19

70174 Stuttgart

Öffnungszeiten & Eintrittspreise

Öffnungszeiten:
Mo – So:  11.00 – 19.30 Uhr

Tageskarte:
regulär 3 €
ermäßigt 1,50 €

Dauerkarte:
regulär 8 €
ermäßigt 4 €


Kinder bis einschließlich 14 Jahren und Schulklassen haben generell freien Eintritt.

Ermäßigung beim Eintritt in die Ausstellung erhalten: Schüler*innen, Student*innen, Rentner*innen, Menschen mit Einschränkungen und Inhaber*innen der Bonuscard.

[Stuttgarter Buchwochen] vom 14. November – 01. Dezember 2024

Heute besuchte ich die Stuttgarter Buchwochen. Es war so aufregend, denn ich war noch nie dort. Obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss, in derselben Stadt zu wohnen. Nach dem heutigen Besuch, wird sich dies aber absolut ändern. Natürlich musste ich erst suchen und freute mich im 2. Stock endlich auf eine riesige Auswahl Bücher zu treffen.

Autor*innen, die bei den Buchwochen lesen. Unter anderem Jochen Till.

Bücher können Weichnachten….und wie!

Bücher können Italien

Der „Selfpublisher-Verband e.V.“ war auch vertreten.

Ein Schweizer Zimmer gibt es auch

Viele Menschen waren da, auch Kinder. Was mich freute. Die Empore war nämlich, fast gänzlich den Kinderbüchern gewidmet. Leseecken, Sitzecken und kleine Spiele luden zum Verweilen ein. Wunderbare Bücher in ganz verschiedenen Genres gab es zu besehen.

Autor*innen aus Baden-Württemberg

„Die drei ???“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Ein großes Augenmerk, wurde auf Autorinnen und Autoren die in Baden-Württemberg beheimatet sind, gelegt. Natürlich sah ich auch die Bücher von mehreren, mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren. Wie z.B. Petra Schier, Iny Lorentz, Petra Durst-Benning, Tessa Hansen, Jochen Till, Kai Bliesener, und Klaus-Peter Wolf.

Da gab es einen Jungen mit seiner Oma, die ihm in einer so liebevollen Art vorlas. Sie lachten über das Aussehen einer Figur im Buch. Leider konnte ich nicht sehen welches es war.

Aber genau das ist das Besondere. Zeit zu haben. Ohne Handy, Computer oder Fernseher. Neudeutsch heißt das „Quality Time“.

Eine schöne Sache in der heutigen Zeit.

Genüsslich schlenderte ich durch die Buchreihen. Besah mir die mir bekannten und unbekannten Verlage, machte Fotos und las in einigen Büchern.

Es hat sich so gut angefühlt, Zeit zu haben für die wundervollen Geschichten aus so verschiedenen Welten und Menschen.

Dieses Buch habe ich gekauft:

Schon allein der Klappentext, war ganz genau meins.

Eine Butterbrezel und einen Cappuccino später, war es Zeit zur Veranstaltung zu gehen. Davon erzähle ich aber in einem anderen Beitrag.

Mein Fazit:

Es ist eine tolle Messe, bei der man sich fühlt wie in einem großen Wohnzimmer voller wunderbarer Bücher.

Adresse:

Haus der Wirtschaft

Willi-Bleicher-Str. 19

70174 Stuttgart

Öffnungszeiten & Eintrittspreise

Öffnungszeiten:
Mo – So:  11.00 – 19.30 Uhr

Tageskarte:
regulär 3 €
ermäßigt 1,50 €

Dauerkarte:
regulär 8 €
ermäßigt 4 €


Kinder bis einschließlich 14 Jahren und Schulklassen haben generell freien Eintritt.

Ermäßigung beim Eintritt in die Ausstellung erhalten: Schüler*innen, Student*innen, Rentner*innen, Menschen mit Einschränkungen und Inhaber*innen der Bonuscard.