
Bevor Denis Scheck die Bühne begibt, begrüßt uns Julia Furmanczyk mit den Worten: Guten Abend liebes Publikum, liebe Büchermenschen. Ich begrüße sie ganz herzlich, heute Abend im Haus der Wirtschaft.
Sie offenbart uns noch einige interessante Hintergrundinformationen, zum Börsenverein des deutschen Buchhandels. Sie sind der Verband für Buchhandlungen und Verlage, berichtet sie. Davon gibt es ganze 800 in Baden-Württemberg. Sie setzen sich ein, für Leseförderung und die Freiheit des Wortes. Denn darauf baut unsere Demokratie auf, die wir verteidigen müssen, spricht sie einen sehr wichtigen Aspekt an. Die Stuttgarter Buchwochen finden dieses Jahr zum 75. Mal statt. Noch vier Tage läuft die Ausstellung und tolle Veranstaltungen warten auf die Interessierten. Sie weist auf den Büchertisch von Osiander hin, auf dem die besprochenen Bücher warten, gekauft zu werden.

Mit großem Applaus betritt nun Denis Scheck die Bühne. Er verspricht uns, eine literaturkritische Tour durch die Neuerscheinungen des Jahres 2025 zu bieten. Im literaturkritschen Schweinsgalopp, wird er uns seine Lieblingsbücher vorstellen. Die literaturkritische Praxis, ist nicht davon gezeichnet das er, jedes Buch lobend erwähnen würde, das ist nur an diesem Abend der Fall. Es erscheinen rund 80.000 Bücher im Jahr. Viele von denen sind in seinen Augen, nicht einen Pfeifendeckel wert.
Er erinnert sich, als er seine kleine literaturkritische Familiensendung Druckfrisch in der ARD begann, da begann er auch die Top Ten der Spiegel Bestsellerliste zu besprechen. Das macht er seit 23 Jahren. Für ein Buch ließ er sich die Formulierung einfallen: Wäre dieses Buch ein Pferd, man müsste es erschießen. Unvergessen auf dieser Spiegel Bestsellerliste ist ihm auch ein Sachbuch, von dem früheren Nationaltorhüter Oliver Kahn, wir hätten uns ja dafür entschieden lieber ins Haus der Wirtschaft zu den Stuttgarter Buchwochen zu kommen, das Champions League Spiel von Bayern München daraufhin wohl eher sausen zu lassen. Jedenfalls, Oliver Kahn früher Torhüter bei Bayern München und in der Nationalmannschaft, schrieb ja auch eine Autobiografie, die den unsterblichen Satz enthält: Die Trennung von meiner Frau, hat nichts mit ihrer Person zu tun. Schallendes Lachen im Publikum.
Wegen solcher Aussagen, müsste er die Bücher die auf der Spiegel Bestsellerliste tatsächlich von A – Z lesen. So was findet man meist ganz hinten. Das ist ein Satz, ein Ausdruck eines großen psychischen Leidensdrucks des Verfassers, so Denis Scheck. Einem Ghostwriter wäre ein solcher Satz, niemals unterlaufen.
Aber gelegentlich bringe ihn die Besprechung dieser Spiegel Bestsellerliste in Verdrückung, wie er es ausdrückt. Er wohne ja in Köln, ist zwar in Stuttgart geboren und aufgewachsen, hat die Stadt mit 19 Jahren verlassen. Zu seiner Nachbarschaft in Köln, zählt auch eine Autorin. Er hat versucht, sich lange mit ihr zu vertragen, aber sie haben seit vielen Jahren Krach. Es sei so eine typische Maschendrahtzaun-Geschichte. Wir müssen lachen.




Sie sei auch noch fast seine direkte Nachbarin. Sein Hund hätte, ihren Hund ins Ohr gebissen. Da musste er ihr eine Flasche Champagner schicken.
Natürlich, ganz unvermeidlich, tauchen ihre Bücher eben auch auf der Spiegel Bestsellerliste auf, da könnte er sich auch nicht drücken. Neulich, als sie mit einem Titel ganz vorne stand, fiel ihm beim Joggen die Formulierung ein: Elke Heidenreich braucht niemandem mehr beweisen, wie klug sie ist. In ihrem neuen Buch, verzichtet sie auch deshalb ganz darauf. Erneut schallendes Gelächter.
So war er einigermaßen aus dem Schneider. Das sind nun die Bücher, die ich ihnen weniger empfehlen möchte. Aber es ist einfach so, wenn man als Literaturkritiker in Deutschland, vor dieser Vielzahl von Büchern steht. Muss man bekennen, lesen kann man die nicht. Im maximal Fall kann er 150 bis 180 Bücher tatsächlich lesen (finde ich enorm).
Zum Glück gäbe es da auch Bücher, die nicht unbedingt nach literaturkritscher Behandlung schreien. Aber was ihm auffällt in Gesprächen über Bücher. Die Stuttgarter Buchwochen, wären ja nichts anderes als ein solches Gesprächsangebot, das ihm der Inhaltismus viel zu sehr Triumph feiert. Er erklärt was Inhaltismus ist. Es ärgere ihn immer wenn er in der Zeitung, Radio und Fernseher literaturkritische Beiträge lese, höre, sehe die im Grunde nur aus der Nacherzählung der Handlung bestehen. Als Literaturkritiker, wäre ihm wichtig das Wie zu ergründen. Die Esthetik. So leitet er zu der Bücherliste des Abends über.
Nicolas Mahler: Thomas Mann vs Stephen King, Thomas Mann vs. J.R.R. Tolkien
Er liest uns Thomas Mann vs Stephen King komplett vor. Erklärt uns auch, warum dies eine literturkritische Sichtweise ist, die er sich wünscht.

Eine Art und Weise sich im literaturkritischen Durcheinander, im Tohuwabohu der Neuerscheinungen zu orientieren, in dem man auf die Preise achtet. Der wichtigste internationale Preis, ist sicher der Literatur-Nobelpreis.
László Krasznahorkai sei ein wunderbarer, ungarischer Autor. Michael Naumann, der erste Kulturstaatsminister den wir hatten, und früherer Rowohlt Verleger sagte einmal Wenn ein deutscher Verlag vor der Pleite steht und nicht mehr weiter weiß, entdeckt er irgendeinen ungarischen Autor und rettet sich so vor dem Bankrott. Erheitertes Lachen aus dem Publikum. Denis Scheck offenbart, das er das Buch Herscht 07769 liebe. Der Autor ist quasi ein Enkel von Thomas Berner. Das merke man schon am Motto des Romans.
Dieser besteht aus einem Satz: Die Hoffnung ist ein Fehler.
Wir wüssten vielleicht, Franz Kafka sagte zu Max Brod, als dieser fragte, ob es denn keine Hoffnung gäbe. Ach doch Hoffnung gibt es in unendlicher Menge, nur nicht für uns.
Gemeinsam mit ihm, seien Péter Esterházy und Péter Nádas die unumstrittene literarische Trias dieses Landes.
László Krasznahorkai: Herscht 07789

Als ein Fassadenreiniger, der nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, den Begriff der Antmaterie aufgeschnappt hat, deshalb Briefe an Angela Merkel schreibt. Die zur Spielzeit des Romans Kanzlerin ist, um sie vor der Ausdehnung der Antimaterie, insbesondere in Ostdeutschland zu warnen. Als Physikerin, wird sie damit was anfangen können. Das ist aber gleichzeitig ein wunderbarer Statusbericht, über den Zustands Ostdeutschlands. Davon hat der Autor, der lange in Berlin lebte und immer noch lebt, eine Ahnung.
Preisträger 2026: László Krasznahorkai: Baron Wenckheims Rückkehr

Den zweiten Eindruck von seinem Werk, würden wir in seinem Werk Baron Weckheims Rückkehr bekommen. Die Antwort auf Friedrich Dürenmatts Der Besuch der alten Dame. Da kommt ein Baron in sein ungarisches Heimatstädtchen zurück, der vielen Jahre und Jahrzehnte ausgewandert ist, nach Südamerika. Nach Argentinien, um genau zu sein. Dort angeblich stinkreich wurde. Alle warten auf dessen Rückkehr und ein Teil dessen abzubekommen. Wir als Leserinnen und Leser, wissen das er nichts besitzt. Was das satirische Leseerlebnis sehr steigert.
Herr Scheck geht konform mit der Entscheidung, Autor László Krasznahorkai den Literaturnobel-Preis zuzusprechen. Er hätte es absolut verdient.
Der kommerziell wichtigste Literaturpreis ist aber, der des Börsenverein des deutschen Buchhandels verliehene Deutsche Buchpreis. Der renommierteste deutschsprachige Literturpreis ist der Georg Büchner Preis, ging diesmal ging an Ursula Krechel. Sie schreibt Lyrik, stellen sie sich das mal vor, sagt Denis Scheck. Er betont aber auch, das sie Romane schreibe. Ansonsten bekommen es immer Leute, die die Kassen nicht so richtig klingeln lassen. Deshalb versuchte man einen Preis zu installieren, der nur an dicke fette Romanschweine geht, so seine Aussage. Außerdem das Weihnachtsgeschäft so richtig ankurbeln sollen. Es ist anscheinend so gelungen, resümiert er. Jetzt man allerdings eine sehr ehrgeizige Entscheidung getroffen, mit Dorothee Elminger eine schweizer Autorin.
Dorothee Elminger: Die Holländerinnen

Ihr Roman Die Holländerinnen. Das ist ein Roman, wenn wir mal von einem schmalen Büchlein, so richtig bis ins Mark erschüttert werden wollen und eine wahnsinnige Angst uns eingejagt werden soll, dann seienn wir mit den Holländerinnen, absolut richtig. Dorothee Elminger sei eine große Sprachmeisterin, in indirekter Rede verfasst. Sie erzählt von einer Autorin, die ein Erlebnis hatte. Ein internationaler Regiestar meldet sich bei ihr, über Handy und lädt sie ein zur Mitwirkung an seinem nächsten Projekt. Man könnte da an Werner Herzog oder Milo Rau denken. Einer von denen die wirklich in die vollen gehen. Der ein Ensemble hat von Mitverschworenen hat. In seinem nächsten Projekt, geht es um eben diese zwei Holländerinnen. Die in einem Urwald in Panama, verschwunden sind. Man hat Jahre später, ihre Skelette gefunden. Die Frage gilt es in dem Roman zu beantworten, was ist mit diesen Frauen geschehen. Die Autorin lässt sich darauf ein, die Leserinnen und leser erfahren aber von diesem Erlebnis in Form von Vorträgen vor Studenten. Sie hat aber ein Problem, mit dieser Erfahrung kommt sie nicht klar. Sie könne nur ihr Scheitern mit den Studenten teilen. Sie erzählt also, was sie dort erlebt hat.
Anja Kampmann: Die Wut ist ein heller Stern




Sehr begeistert ist er von Anja Kampmann, die man auch als Lyrikerin kennt. Sie hat einen Roman angesiedelt 1930 in Hamburg. Diese Stadt, eigentlich sehr kommunistisch mit einer riesigen Arbeitertradition, verwandelt sich über Nacht in eine Nazi-Kapitale. Sie hat eine Heldin in diesem Roman. Ihr Name ist Hedda, sie hat sich selbst aus der prekären Lage ihrer Kindheit gezogen. Wurde Artistin in einem Varieté, auf der Reeperbahn. Sie hängt an einem seidenen Band unter der Decke, unter ihr zwei gefährliche Kaimane. Außerdem hat sie noch zwei Brüder, einen behinderten auf den sie aufpasst und durchbringen muss. Ihr anderer Bruder, macht eine Ausbildung zum Schmied. Herr Scheck findet diesen Roman bemerkenswert, denn er wird aus einer feministischen Perspektive erzählt.
Katarina Poladjan: Goldstrand

Die russische Autorin lebt in Berlin. In Goldstrand erzählt sie einen Roman, der mit einer sensationellen Szene beginnt. Ein Dampfer ist unterwegs von Odessa nach Istanbul. Eine blendend aussehende Frau, anfang 20, springt mitten in der Nacht über Bord. Man findet sie nicht mehr. Ihr Vater und ihr Bruder entschließen sich, den ganzen langen Weg von Istanbul beginnend, zurück zu laufen. Um an den Küsten eine Nachricht von der Vermissten zu finden. In einer psychologischen Sitzung erzählt ein Regisseur von seinen artistischen Trieben. Seiner Produktivität. Er hat einen Film über die Tante gedreht. Befindet sich aber in einer Krise. Es ist eine Hommage an das europäische Kino. Ein wunderbarerer Roman, der hauptsächlich in Rom spielt. Goldstrand ist ein echtes Juwel. Wenn man sich für Literatur und Kino interessiert, wird einen dieses Buch begeistern.

Angela Steidele: Ins Dunkel

Dieser Roman ist auch großes Kino. Eigentlich ist die Spezialität von Angela Steidle Geschichte und Historie. Es geht um zwei der berühmtesten Frauen des 20. Jahrhunderts. Diese hat die Autorin als Protagonistinnen auserwählt. Marlene Dietrich und Greta Garbo. Die Leitfrage dieses Romans, in dem auch Erika Mann die Tochter von Thomas Mann eine Rolle spielt, hatten die was miteinander. Sie trägt so viele Indizien bei, hat aber eine sehr schlaue Art nicht als Voyeurin, lesbischen Begehrens dazustehen, in dem sie sich selber mit ins Spiel bringt. Sie erzählt die Geschichte so vergnüglich, so grandios das es gleichzeitig eine Hommage an das Hollywood Kino ist. Man hat unbändige Lust sich mit Marlene Dietrich und Greta Garbo zu befassen. Die großen Filme zu sehen, überhaupt wieder ins Kino zu gehen. Es ist großes Kopfkino, fasst er es zusammen.
Hanns-Josef Ortheil: Schwebebahnen

Hanns-Josef Ortheil hat seine Familiengeschichte, die ja wahrlich Stoff genug zum Erzählen bietet, in vielen Romanen schon ausgebreitet. Seine Familie kommt aus dem Westerwald, lebte in Köln war davon gekennzeichnet, das sie in und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg vier Brüder in jungen Jahren verlor. Er war das fünfte Kind. Darauf verfiel die Mutter ins Schweigen und er mit ihr. Sein Schreiben ist sein Kampf um Sprache. Sein Vater war Vermessungsingenieur bei der Eisenbahn. Ist dann umgezogen, von Köln nach Wuppertal. Davon erzählt er in Schwebebahnen. In Wuppertal lernt Hanns-Josef eine Freundin kennen Mücke mit Namen. Sie stammt ab von einem deutschen Vater und sizilianischen Mutter. Ein Feinkostgeschäft nennen sie ihr eigen. Es ist also die deutsche Wirtschaftswundergeschichte schlechthin.


Marianne Ludes: Trio mit Tiger


Absolut begeistert hätte Denis Scheck auch das Buch von Marianna Ludes. Es ist ihr erster Roman. Eine Geschichte über Max Beckmann, den wir hier in Stuttgart kennen. Weil er hier in Stuttgart viele große Bilder hängen hat. Er hatte Verwandtschaft in Holland, weshalb er 1937 mit seiner Frau Margarete von Kaulbach genannt Quappi immigriert. Ein interessierter Mann und Nazi namens Göpel, ist also im Sonderauftrag unterwegs um Werke zu erwerben vom Künstler selbst. Für ein Museum das man für den Führer bauen lassen wollte. Keine geraubten Gemälde. Göpel war studierter Kunsthistoriker und dem Max Beckmann sehr zugetan. Als er nach Holland kommt, möchte er dem Künstler nahe sein. Das Trio besteht deshalb aus Beckmann (Tiger), die Ehefrau und Göpel. Göpel geht enorme Risiken für Beckmann ein, sondern er schmuggelte Bilder nach Deutschland ein, so das Beckmann überleben konnte. Hat ihn auch vor der Einberufung geschützt. Außerdem zehn jüdische Freunde von Beckmann gerettet. Deshalb ist die Frage, kann es einen guten Nazi geben, das gibt es natürlich nicht. Er erzählt von der Rache der Kunst am Leben. Wie souverän man sowas erzählen kann, das macht Marianne Ludes so schnell keiner nach.
Martin Mosebach: Die Richtige

Wenn es heute einen lebenden Nachfahren in der Erzählkunst von Thomas Mann gibt, dann kann Denis Scheck nicht umhin mit Martin Mosebach zu antworten. Er wäre nach seiner Meinung, auf der höhe seiner Kunst. In dem Roman Die Richtige, erzählt er von einer unglaublichen Sauerei. Da gibt es einen Künstler der Weltruhm hat. Ein Frankfurter und er hat eine Entourage um sich geschart, in seinen Anfangsjahren in denen er noch nicht berühmt war. Mit diesen reist er nach Venedig. Erzählt ihnen in der Anfangsphase, was er von der venezianischen Kunst Tradition hält. Diese Anfangskapitel seien so unglaublich schlau und klug, berichtet Denis Scheck, das es ein halbes kunsthistorisches Studium ersetzen würde. Ganz wunderbar. Er erzählt von einem hessischen Mittelständler. Dieser hat ungefähr elftausend Beschäftigte. Werke in China. Autozulieferer. Ein Brüderpaar. Einer ist verheiratet und die Ehefrau möchte eine Ehefrau für den Bruder finden, der noch ledig ist. Deshalb ist sie auf der Suche, nach der Richtigen. Leider interessiert sich auch der Künstler für diese Frau und demaskiert sich bald, wie es Denis Scheck ausdrückt, als unglaubliches Charakterschwein.
Wolf Haas: Wackelkontakt

Ist berühmt geworden, mit seinen Brennerromanen. Sie gehen immer mit dem Satz los, jetzt ist schon wieder was passiert. Ganz köstliche Kriminalromane. In diesem Roman Wackelkontakt hat er eine Idee in Romanform umzusetzen. Er erzählt von einem österreichischen Grabredner, der ein Hobby hat. Nämlich Puzzle, mit abendländischer Kunstgeschichte. Berühmte Bilder. Er liest aber auch gerne. Im Moment von einem Aussteiger, aus der italienischen Mafia. Dieser widerrum liest auch gerne und zwar gerade über einen Begräbnisredner in Wien, der in seiner Freizeit gerne puzzelt. So lesen beide voneinander. Man kann als Leser / Leserin nicht mehr unterscheiden. Was ist Real, was Fiktion, was ist Roman im Roman, was ist erzählte Wirklichkeit. Ein großes Lesevergnügen, meint Denis Scheck abschließend.


Heinrich Steinfest: Das schwarze Manuskript

Heinrich Steinfest war lange in Stuttgart ein Gesicht der Protestbewegung gegen Stuttgart 21. Hier in dem Buch schreibt er über einen Kölner Unternehmer der in seinem Swimmingpool, lustigerweise in der gleichen Ecke in der Elke Heidenreich und ich wohnen, erzählt Denis Scheck lächelnd, in einer Villa wohnt und dort seine frühmorgendlichen Runden dreht. Plötzlich tauchen einige Mafiosi auf und vertrimmen den. Sie wollen ein Manuskript von vor 40 Jahren. Natürlich ist man dann gespannt, was in diesem Manuskript steht. Davon handelt der Rest dieses Buches.
Christian Kracht: Air

Am meisten beeindruckt ihn Christian Kracht, der sich Buch um Buch neu erfindet. Nun erzählt er von einem Innenarchitekt. Der einen merkwürdigen Designauftrag erhält. Für ein Rechenzentrum das dann durch einen Sonnensturm, in eine Fantasywelt transportiert wird. Dort mit der Hilfe eines kleinen Mädchens, gegen einen übel gesinnten Herzog kämpft. Fragen sie mich nur nicht, was das alles bedeuten soll, merkt Denis Scheck an. Da gibt es viele Interpretationen, die er uns anbieten könnte. Aber auf so hohem literarischem Niveau eine so enorme Sprachkraft zu entfalten, wie Christian Kracht das mache ihm so leicht keiner nach. Seiner Meinung nach, ist der schweizer Autor in Richtung Stockholm und Literaturnobelpreis unterwegs.
Elisa Hoven: Dunkle Momente

Elisa Hoven ist Juristin, die höchste sächsische Verfassungsrichterin und ihr war langweilig. Sie meinte was Ferdinand von Schirach kann, kann ich schon lange. Sie erzählt ein paar juristische Fallgeschichten. Es beginnt mit einem perfekten Mord, an einem schlechten Schriftsteller. Ist doch klar, sagt Denis Scheck, das ihm dieser Krimi gut gefallen hat. Die Protagonistin ist eine Anwältin, die hat mehrere solche Fälle. Es wäre zwar kein Kracht aber sie mache das doch sehr sehr gut und sehr vergnüglich.
Annett Gröschner: Schwebende Lasten

Annett Gröschner hätte ihn beeindruckt mit Literatur der Arbeitswelt. Ihre Protagonistin erlebt die Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nazi Zeit und die DDR. Sie beginnt als Blumenhändlerin. Mit mitte zwanzig 4 Kinder hat. Dann in der DDR zur Kranführerin umgeschult wird. Daher auch der Titel: Schwebende Lasten. Sie hat nur ein Ehrex, anständig bleiben. Wie das gelingt erzählt die Autorin sehr eindrucksvoll.
Christine Wunnike: Wachs

Zum dritten Mal nominiert und wieder ging sie leer aus, für den deutschen Buchpreis. Christine Wunnike ist eine wunderbare Erzählerin. Er hätte sie schon drei Mal in Druckfrisch vorgestellt im Interview, wenn sie nicht so unglaublich schlau wäre. Medienauftritte lehnt sie ab. Sie macht auch, so glaubt Denis Scheck, keine Lesungen. Deshalb ist es auch ein bißchen schwer, interessierte Leserinnen und Leser für ihre Romane zu finden. Dies ist ein historischer Roman. Sie erzählt von der talentiertesten Anatomin des 18. Jahrhunderts. Die in Frankreich lebt. Es beginnt damit das sie schon als junges Mädchen, in die Polizeiwache stürmt und eine Leiche haben möchte. Ein Ansinnen, was als 12 jähriges Mädchen auch heute in einer Stuttgarter Polizeidienststelle, wohl etwas hochgezogene Augenbrauen ausgelöst hätte. Sie seziert diese Leichen, aber tastächlich in ihrem Kinderzimmer. Später hat sie eine lesbische Beziehung mit der talentiertesten Pflanzenmalerin. Diese Anatomin rettet sich dadurch, das sie die Organe, in Wachs nachbildet. Sie stellt diese in einem Privatmuseum gegen Eintritt in Paris aus. Die Leute sind hin und weg. Weil sie auf diese Weise, mal eine Lunge, eine Niere, ein Herz, eine Leber sehen können. Am Ende kommt Marie-Antoinette die sich so begeistert zeigt, das sie diese komplett für Versailles kauft. Das tolle an diesem Roman ist, es ist auch alles wirklich wahr, flüstert Denis Scheck. Nein natürlich nicht, lenkt er ein. Wir müssen lachen.

Thomas Melle: Haus zur Sonne

Thomas Melle war ebenfalls nominiert, für den Deutschen Buchpreis. Das ist schon das dritte Buch, das er über die Volkskrankeit Depression schreibt. Diesmal allerdings als Science Fiction Roman. Er habe ihn mit großem Respekt gelesen. Darin geht es um die Idee das austherapierte, schwerstdepressive Patienten das Angebot erhalten, in das Haus zur Sonne zu gehen. In das Sanatorium ihrer Träume, wo ihnen wirklich geholfen wird. Jeder Wunsch wird erfüllt. Sei er auch noch so bizarr. Allerdings müssen sie sich am Ende, das Leben nehmen. Ein satirischer Roman.
Jonas Lüscher: Verzauberte Vorbestimmung

Der Autor erzählt in Verzauberte Vorbestimmung, eine unglaubliche Geschichte. Die einen weiten historischen Bogen schlägt. Von den Loditen zu einer ägyptischen Gesellschaft im späten 21. Jahrhundert. Angesichts von KI stellt der Roman die Frage, wie wir mit technischer Innovation umgehen. Die uns und unsere Arbeitsplätze bedroht.
Ursula Poznanski: Erebos 3

Beim Thema KI, sind wir nun bei Ursula Poznanski in Erebos 3. Dies ist der dritte Roman über ein Computerspiel. Es kamen anfänglich sogar noch gebrannte CDs oder Disketten darin vor. Natürlich ist Erebos nun natürlich technisch evolutioniert. Jetzt geht es um eine KI. Das Spiel sucht seine Spieler selbst. Denis Scheck erklärt, er habe keinerlei Angst vor künstlicher Intelligenz, aber eine Scheißangst vor natürlicher Dummheit. Dieser Roman behandelt also der Frage nach ob die natürliche Dummheit uns mehr bedroht als KI. Weil sie das auf sehr vergnügliche und spannende Art und Weise macht, ist das in seinen Augen der seltene Fall eines geglückten Jugendbuches.
Andreas Eschbach: Die Auferstehung

Der nächste Beweis dafür, ist der großartige Andreas Eschbach. In seinem Buch Die Auferstehung. Wir Alle, glaubt er kennen Die drei ???. Er wäre mit den Drei ??? aufgewachsen. Er kannte die Lektorin Ursula Brendler persönlich. Der Autor schreibt nun ein Drei ??? Hommage – Roman. Über die erwachsen gewordenen Drei ???. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die sich seit vielen Jahren aus den Augen verloren haben. Aber ein mysteriöser Fall, eine Frau die angeblich jahrzehntelang im brasilianischen Regenwald verschwunden ist, führt Die Drei ??? wieder zusammen. Als literarisches Pastiche, hat ihn das sehr beeindruckt. Sehr schöne Unterhaltungsliteratur, schließt er seine Beschreibung.

Silke Scheuermann: Das zweite Buch der Unruhe

Natürlich gibt es auch die, die keine Zeit haben. Mit Kind und Kegel beschäftigt sind. Hier empfiehlt Denis Scheck die Lyrik. Denn was geht schneller, als ein Gedicht zu lesen. Der tollste Gedichtband den er dieses Jahr gelesen hätte, stammt von der Autorin Silke Scheuermann. Sie unternimmt in diesem Buch, ungewöhnliche, abenteuerliche Denkbewegungen. Er hat auch ein Lieblingsgedicht, mit dem Titel Gott hat schon wieder eine Ausstellung. Es kommt zwar harmlos daher, aber im Vatikan hat es sicher für Unruhe gesorgt.
Ilija Trojanow: Ein Glas voll Zeit

Ilija Trojanow ist seit dem Weltensammler einer der führenden deutschsprachigen Autoren. Er ist auch Sommelier. Dieser hat eine Affenliebe zu einem Winzer an der Mosel. Ihm hat er im Ein Glas voller Zeit, eine Hommage geschrieben. Heymann-Löwenstein heißt der Winzer, der geniale Rieslinge produziert. Wenn wir einfach den Vorsatz haätten, uns im nächsten Jahr ein bißchen niveauvoller zu besaufen, dann sei dieses Buch eine wundervolle Anleitung dafür.
Ré Soupault: Überall Verwüstung. Abend Kino.

Ein kleiner Blick noch in historischen Rückspiegel. Ré Soupault ist eine der wichtigsten Figuren des französischen Surealismus, allerdings Deutsche. Diese bricht mit einem wunderbaren Fahrrad mit Hilfsmotor, einem Velo Solex, 1951 zu einer fast 2000 km langen Reise auf. Die sie von Basel über Stuttgart, Heidelberg, München und so weiter führt. Spricht dort mit führenden Intelektuellen, mit Radio- und Zeitungsredakteuren. Sie sucht Aufträge. In Stuttgart lernt am Theater Darboven kennen und andere Stars. Findet ein Land vor, das noch verwüstet ist vom 2. Weltkrieg. Aber die Verwüstung am Seelenschatz, sind natürlich noch viel größer als die materiellen Verwüstungen. Die Autorin hat darüber ein wunderbares Tagebuch geschrieben hat, deshalb können wir das entdecken.
Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod

Georgi Gospodinov ist ein bulgarischer Autor, von dem in letzter zeit sehr viel die Rede ist. Er hat den Men International Booker Prize gewonnen, für einen Roman der hieß Zeitzuflucht. Wo er eine Migrationskrise beschreibt. Stellen sie sich vor, man hätte die Möglichkeit in andere Zeiten auszuwandern. Wir könnten uns entscheiden, in welchem Jahr wir leben möchten.
In Der Gärtner und der Tod setzt er seinem Vater, ein literarisches Denkmal. Das ist ein Roman über den verstorbenen Vater, der so eine Schweik Existenz im kommunistischen Bulgarien errichtet hat. Wie dieser Vater durch die Zeitenwende kommt und seine Familie da beschützt, das ist eine wunderbare Erzählung.


Nora Gomringer: Am Meerschwein übt das Kind den Tod

Das logische Pendant dafür, das ein Roman der sich im Moment so gut verkauft, gerade nicht lieferbar ist stammt von der deutschen Lyrikerin Nora Gomringer. Sie kennen vielleich Eugen Gomringer, den schweizer Lyriker den Vater der konkreten Poesie. Er findet den Titel den schönsten, den er seit langem gelesen hat. Also wenn ein Roman, das Niveau eines solchen Titels hält, dann handelt es sich um Weltliteratur. Das Schöne ist das Nora Gomringer nicht ihrem Vater, der dieses Jahr mit über 100 Jahren gestorben ist, dieses Buch widmet sondern ihrer Mutter. Das war eine Gestalt, die nicht minder prägend war. Die Literaturwissenschaftlerin Nortrud Gomringer, die ihr Leben natürlich geprägt hat. Es ist ein Buch auch einer nachgetragenen Liebe, aber auch ein Buch über Tod und Trauer das trotzdem urkomisch ist. Niemanden unbewegt lässt.
Gaea Schoeters: Das Geschenk

Was ihn in diesem Jahr am meisten beeindruckt hat, ist diese grandiose flämische-belgische Autorin Gaea Schoeters. Das sie wahnsinnig schlau ist, merkt man daran das sie sich in Stuttgart eine Eigentumswohnung gekauft hat. Wir müssen doch sehr lachen. Wahnsinn, was ihm in seinem ganzen Leben nicht gelungen ist. Der internationale Erfolg, hat ihr diese Mittel verschafft. Sie hat einen herrlichen Roman geschrieben. Stellen wir uns mal vor, es gibt den Präsidenten von Mosambik, glaubt er, der war sehr unzufrieden mit der CITES Verordnung der Europäischen Union. Die Angekündigt hat, das die Einfuhr von Elfenbein in die EU verboten ist. Der Präsident sagte daraufhin, und das ist real – es ging wohl durch die internationale Presse – Wir haben 100.000 Elefanten in Mosambik, können aber nur 80.000 ernähren. Wenn ihr das Elfenbein der überschüssigen 20.000 Elefanten nicht nehmt, schicke ich sie euch lebendig. Wahrscheinlich hatte er etwas zu viel getrunken, als er dieses Interview gab, vermutet Denis Scheck. Wir müssen kichern. Das meinte er natürlich als Satire, so Denis Scheck. Aber Gaea Schoeters, hat diese Satire in ihrem Roman in die Tat umgesetzt. Der deutsche Bundeskanzler erwacht nach einer Nachtsitzung im Bundeskanzleramt, durch ein merkwürdiges Geräusch. Tritt zähneputzend auf die Terrasse, des Kanzleramts und sieht mitten in der Spree einen Elefanten der säuft. Tatsächlich sind in der Bundesrepublik Deutschland über Nacht, 20.000 Elefanten aufgetaucht. Jetzt hat aber die Autorin, diese Geschichte einen Dreh weitergedreht. Nämlich die Tiere sind gefeit, durch einen Spruch eines afrikanischen Medizinmanns, man kann die nicht einfach erschießen. Sondern jeder der versucht, einen Elefanten zu töten, erscheinen zwei neue Elefanten. Das ist also nicht die Lösung. Jetzt muss die Bevölkerung lernen, mit 20.000 Elefanten zusammen zu leben. Wie reagieren wir darauf, die Politik? Es wird ein Elefantenministerium gebildet. Der Vater der Autorin, war ein sehr hochrangiger Politiker in Belgien. Sie hat also am Frühstückstisch, Einblicke aus erster Hand in den internationalen Politikbetrieb erhalten. Wenn wir irgendwas über den Berliner Politik Betrieb erfahren möchten, wäre das unser Buch.



Chloe Dalton: Hase und ich

Er war wildbegeistert, von Chloe Daltons Hase und Ich. Es sei ein wunderbares Beispiel ist, für die großartige britische Tradition des nature writing. In der Geschichte, wird erzählt von einer Politikberaterin die in der Pandemie, ihren Job in der City erstmal an den Nagel hängen. Sich zurück zieht, in ihr Haus im Süden von England. Dort auf die sehr, sehr schlechte Idee verfällt ein verwaistes Hasenbaby zu adoptieren. Sie lebt als ungefähr zwei jahre, mit einem Feldhasen zusammen. Warum das eher eine schlechte Idee ist, das erzählt sie sehr ausführlich. Dieses Buch schafft es ohnejeden Anflug von Kitsch, ohne jede Sentimentalität. Einem wirklich die Augen neu zu öffnen, für die Natur die uns alle umgibt. Das mit einer Zärtlichkeit und Intelligenz die er selten in der Literatur im Sachbuchbereich vorgefunden hat. Man könne sich das Buch über Generationen hinwegreichen. Das dürfte, nach seiner Meinung unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.
Peter S. Beagle: Ich fürchte, ihr habt Drachen

Wir bleiben bei diesem bemerkenswerten Stuttgarter Verlag. Wie heißt er nochmal, fragt er nicht ganz ernst gemeint, in die Runde. Ach ja, Klett Cotta. Der Verlag liegt ihm sehr am Herz, weil er mit Fantasy-Literatur sozalisiert wurde. Es ist der Verlag von J.R.R. Tolkien. Tolkien hätte mal den Spruch geprägt: Die einzigen die etwas gegen Eskapismus haben, sind die Gefängniswärter. Von solchen Gefängniswärtern, wimmelt es natürlich in Deutschland immer noch. Nur heißen die inzwischen Deutschlehrer, Germanistikprofessoren oder sogar Literaturkritiker. Er liebe eskapistische Literatur. Wie sie Peter S. Beagle zum Beispiel schreibt. Der Autor von Das letzte Einhorn. Er findet die Verfilmung des Buches kitschig, was der Autor so gar nicht wäre. In dem Buch Ich fürchte, ihr habt Drachen immaginiert er ein Königreich mit Namen Bellemontagne. In diesem Königreich sind Drachen, auf die Größe von Hausschaben heruntermutiert. Es gibt dort einen Drachenjäger, der ist aber defacto ein kammerjäger. Es gibt aber auch eine wahnsinnig gut aussehende Prinzessin, die überdies auch noch schlau ist. Deshalb ist diese Ziel von allen dahergelaufenen Prinzen, der übrigen Königreiche. Sie ist von den Prinzen, aber wahnsinnig genervt. Bis irgendwann der richtige Prinz daher kommt. Er sieht blendend aus, schwer reich leider aber wie wir Leserinnen und Leser innerhalb weniger Kapitel feststellen müssen, wahnsinnig dumm. Trotzdem scheint er das Herz der Prinzessin zu erobern, ja bis plötzlich ein richtiger Drache auftaucht. Dieser dumme Prinz ist doch nur nach Bellemontagne gekommen, um erstmal die Hand der Prinzessin zu erobern, aber eben dort auch, das gehört einfach dazu seinen Drachen zu erschlagen. Das macht man natürlich gerne, da wo die Drachen groß wie Hausschaben sind. Jetzt ist er aber da gefordert, genau wie unser Drachen bzw. Kammerjäger, der auch ein Auge auf die Prinzessin geworfen hat. Wie das ausgeht, sollen wir selbst in diesem enorm vergnüglichen unterhaltenden Fantasyroman, für uns herausfinden.



Ian McEwan: Was wir wissen können

In der internationalen Literatur müsse er uns eigentlich nicht mehr erzählen, das Ian McEwan der Britezur allerersten Garde gehört. Er hat einen sehr schönen Roman geschrieben. In diesem Roman, erzählt er die Geschichte die im Jahr 2114 spielt. Da hat ein kleiner thermonuklearer Zwischenfall mit einem russischen Atomsprengkopf im Atlantik dafür gesorgt, dass das Vereinigte Königreich jetzt aus einem Inselarchipel besteht. Von vielen hunderten von Inseln und technologisch auf dem Stand des 18. Jahrhunderts zurück gefallen ist. Deutschland ist Teil des Großrussischen Reiches, von dem spricht eigentlich keiner mehr. Unser Erzähler ist ein Literaturwissenschaftler, der gebannt ist von einem Langgedicht das leider verschollen ist. Dieses Gedicht spielt in unserer Gegenwart. Der ganze Roman ist eine nostalgische Erinnerung, wie schön es einmal früher war. Ein Roman der uns tatsächlich Augen öffnen kann, für das was wir an unserer Gegenwart haben.
Percival Everett: Dr. No

Der amerikanische Autor Percival Everett wird immer beliebter, weil er viele satirische Romane geschrieben hat. In James beispielsweise, hat er eine Korrektur von Huckleberry Finn von Mark Twain vorgelegt. In Dr. No, eine hinreißende Satire auf Ian Flemmings James Bond Romane. Dr. No ist ein Mathematiker der eine Spezialität hat, nämlich sein Spezialgebiet ist das Nichts in der Mathematik. Ein amerikanischer dunkelhäutiger Milliardärmöchte Fort Knox überfallen, weil dort das Nichts die schrecklichste Waffe der Welt aufbewahrt wird. Dazu braucht er aber, diesen Mathematiker. Ansonsten könne uns Denis Scheck versprechen, werden alle James Bond Träume in diesem band wahr. Es spielt auf Unterseebooten, Privatjachten, Überschallflugzeugen mit vielen Actionszenen. Percival Everett ist ein mit allen Wassern der Postmoderne gewaschener Autor, da bleibt kein Auge trocken. Er macht sich sehr lustig, über dieses Genre des Agenten-Romans.
Maddalena Fingerle: Mit deinen Augen

Maddalena Fingerle ist eine italienische Autorin die in Deutschland lebt, aber italienisch schreibt. Mit deinen Augen war ein Roman, der ihn sehr bewegt hat. Da wird eine Frau von ihrer Freundin verlassen. Diese beschließt daraufhin, sich in diese Freundin zu verwandeln. Also ohne Kosten und Mühen zu scheuen. Sie schmeißt alle ihre Möbel raus, kauft nur noch Möbel wie die Freundin sie besessen hat. Verabschiedet sich von allen ihren Kleidern, baut sich auch körperlich in diese Freundin um. Versucht so in diese Haut zu schlüpfen. Eigentlich ist dieses schöne Unternehmen Literatur, nichts anderes als ein Versuch in die Haut eines Anderen Menschen zu schlüpfen. Das weiß natürlich Maddalena Fingerle und spielt mit dieser Idee. Auf ganz engem literarischem Raum. Es ist im Grunde, eine Familiengeschichte. Diese lebt in München, sind Italiener aus der absoluten Oberschicht, die sich da selbstständig gemacht haben. Spielt dieses Spiel: Wie kann man sich denn, in das Leben eines Anderen wirklich versetzen. Wo sind da die Grenzen. Wie definiert unsere Identität, uns in unserem Leben. Das sind die Fragen, dieses Romans. Die dieser auch in sehr schlauer Art und Weise auch beantwortet.
Abdulrazak Gurnah: Diebstahl

Er hätte begonnen mit dem Literatur-Nobelpreis, deshalb möchte er auf der Schlusskurve nochmals auf den zu sprechen kommen. Abdulrazak Gurnah, ein in Sansibar geborener britischer Autor hat jetzt nach dem Literatur-Nobelpreis einen neuen Roman vorgelegt, den er für absolut großartig hält. Diebstahl heißt er. Er erzählt von drei jungen Menschen, die in Ostafrika in Tansania versuchen ein leben für sich aufzubauen. Es ist eine Geschichte über Neokolonialismus. Eine Dreiecksgeschichte, die er mit einem bemerkenswerten modernen Twist erzählt.


Michael Sommer und Stefan von der Lahr: Die verdammt blutige Geschichte der Antike – ohne den ganzen langweiligen Kram

Noch ein kurzer Blick ins Sachbuch. Stefan von der Lahr war der legendäre Lektor von C.H.Beck, der dafür gesorgt hat, dass das historische Sachbuchprogramm von C.H.Beck seit 30 – 35 Jahren unglaubliches Niveau erhalten hat. Er ist jetzt in Rente gegangen, und hat sich einfach den Spaß erlaubt ein Buch zu schreiben, mit dem barocken Titel Die verdammt blutige Geschichte der Antike ohne den ganzen langweiligen Kram. Gemeinsam mit dem Alt-Historiker Michael Sommer. Dieses Buch provoziert sofort die Frage, darf man das. Darf man so unverschämt kurzweilig, so amüsant und so an die niedrigsten Instinkte eines blutrünstigen Publikums apellierend, die Geschichte der Antike erzählen. Er ist wirklich der Überzeugung, man darf nicht nur, man muss. Die Autoren seiner Kindheit, die ihn für Geschichte begeisterten waren Autoren, die heute keinen guten Ruf mehr haben. Er nennt als Beispiel Joachim Fernau – Rosen für Apoll, Disteln für Haagen.


Laura Spinney: Der Urknall unserer Sprache

Ein Sachbuch auf ganz anderer Flughöhe, ist von der britischen Linguistin Laura Spinney. Die erzählt im Grunde etwas, was in unserer Lebenszeit, die letzten 20 – 30 Jahren möglich wurde. Als er zu studieren begann, wusste niemand mit Sicherheit, wie hat sich eigentlich die Ausbreitung der Indo-Europäischen Sprache binnen weniger Jahrhunderte zugetragen. Zu einer Zeit, als um diese Dimensionen, um diese Entfernungen zu überwinden. Das musste ja nicht einer, vom Kaukasus nach Irland kommen, sondern es mussten ja Populationen sein. Um Sprachen zu transportieren. Mit Hilfe von KI und der Rekonstruktion von der Ursprache, mit Hilfe der Genetik ist man da entscheidend weiter gekommen. Die Laura Spinney erzählt diese Geschichte der Ausbreitung unserer Ursprache vor 7.000 Jahren, spannend wie ein Krimi. Eine so augenöffnende Lektüre, hätte er lange nicht mehr gesehen. Wenn sich jemand dafür interessiert, wäre es ein gutes Buch dafür.
Ulli Lust: Die Frau als Mensch

Der deutsche Sachbuchpreis ging in diesem Jahr, an eine Graphik-Novel. Die österreichische Autorin Ulli Lust erzählt in diesem wahnsinnig stupend gebildeten Sach-Comic die Geschichte der Vor- und Frühgeschichte aus neuer Perspektive. 50.000 – 5.000 vor unserer Zeitrechnung. Als Kind hätte er in Museen für Vor und Früh-Geschichte gesehen, da gab es Dioramen. Da sah man Frauen vor dem Suppenkessel oder wie sie Felle zusammen nähten mit beinernen Nadeln. Dann gab es noch gemälde, mit Männern auf der Mammutjagd. Entsprechend wurde auch Häuptlingsgräber gefunden. Mit vielen Waffen beerdigt. Das waren eben die Männer, die Häuptlinge. Jetzt stellte sich aber heraus, vorallem durch die Genetik, das viele dieser Häuptlinge Frauen waren. Vor 50.000 Jahren kochten die Suppe, die am besten Suppe kochen konnten. Es gingen auch die auf die Mammutjagd, die am besten jagen konnten. Ohne Ansehen des Geschlechts. Das sind Befunde, die wir heute plötzlich sehen. Die Ulli Lust hier eben nachzeichnet. Daneben schaut sie eben auch, auf die unglaublichen Attraktion der Farbe Rot, die sie auf unsere Vorfahren ausgeübt hat. Im Grunde ist die Besiedlung, der Ausbreitung der Menschheit von Afrika ausgehend, ein Triumphzug, der Farbe Rot. Das war ihm auch neu. Diese und noch mehr Erkenntnisse, könnten wir in diesem Graphic-Novel erfahren.


Max Strohe: All You Can Eat

Nun erzählt er von seiner Großmutter, die fast 100 Jahre alt geworden wäre, sie war die erste Köchin von Theodor Heuss. Deshalb habe er ja auch immer eine besondere Schwäche für Kochbücher gehabt. Nicht nur für die Produkte daraus. Da gäbe es einen Autor Max Strohe der in Berlin das Restaurant Tulus Lotrek besitzt. Dieser hätte schon grandiose Bücher, über seine Sozialisation als Koch geschrieben. Jetzt hätte er seine Kolumne auf Spiegel-online All you can eat gesammelt. Wenn wir also tatsächlich in das Abenteuer Küche mal einen Einblick nehmen wollen, werden wir nichts appetitanregenderes lesen.
Gritzmann / Scheck: Kafkas Kochbuch

Ganz zum Schluss, ein Wort in eigener Sache. Er schreibe ja auch Bücher. In diesem Fall ein Buch mit einer Stuttgarter Schulkameradin Eva Gritzman. Sie hätte was vernünftiges gelernt, anders als er selbst. Sie ist Ärztin geworden. Sie hätten gemeinsam Kafkas Kochbuch gefunden. Kafka war Vegetarier. Er hat sich ernährt, von einem 1893 geschriebenen Kochbuch. Weil ihm seine Eltern zum Bestehen des juristischen Staatsexamen, einen Aufenthalt im damals teuersten Sanatorium des deutschen Kaiserreiches spendierten. Das Lahmann Sanatorium, war wie das Schloss Elmau. Wahnsinnig teuer. Rainer Maria Rilke war natürlich auch da. Er hätte dort sogar geheiratet. Thomas Mann, ließ es sich auch nicht nehmen. Es wurde dort nur vegetarisch gekocht. Jeder Gast bekam zum Schluss, das Kochbuch von Dr. Lahmann. Mit 577 vegetarischen Rezepten. Kafkas Großvater war Metzger.
Wir können uns eine Lachen nicht verkneifen.
Er schreibt also an seine Freundin, Übersetzerin und Geliebte: er müsse so viel weniger Fleisch essen als sein Großvater geschlachtet habe. Kafka hat laut Denis Scheck eine Ying Yang Vorstellung, einer kosmischen Gerechtigkeit. Er war einer der Ersten, der Essen als Waffe entdeckt hat. In seiner Küche, so erzählt Denis Scheck, eine Postkarte die zeigt drei Fliegen beim Mitagessen. Papa Fliege, mama Fliege und Kind Fliege. Kind Fliege fragt die Eltern Ist diese Scheiße auch vegan?Mit anderen Worten, kann man durch bestimmte Ernährungsvorlieben und Abneigungen seine Eltern zu Weißglut bringen. Das hat Franz Kafka entdeckt, indem man den Metzgersohn, seinen Vater Hermann dadurch provozierte das er sich Vegetarisch ernährte. Ich hab in diesem Buch, was wir finden konnten, was irgendeinen Bezug aus Kafkas Werken, Briefen oder Tagebüchern hatten, gesammelt. Ihnen ist erst bei der Arbeit an diesem Buch aufgegangen das es sich liest wie eine Mischung aus Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi. Lieblingsgemüse von Kafka war Spinat. Für Spinatpudding mit Morchelsoße, da legt Denis Scheck die Hand dafür ins Feuer.




A.A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses

Denis Scheck, fragt ob wir noch Fragen hätten.
Da wurde er gleich auf das Buch von A.A. Milne angesprochen. Es sei leider nicht verfügbar, sagt er bedauernd. A.A. Milne sei berühmt geworden für Der Wind in den Weiden. Das wäre einfach großartig. Mit dem Maulwurf, Ratte und von seiner Lieblingsfigur, mit der er so viel gemeinsam hätte, mit dem Kröterich. Der Autor hätte einen Krimi geschrieben. Einen typischen Herrenhaus-Krimi. Ganz ehrlich, sagt Herr Scheck, wenn man nicht wüsste das dieser Autor, dann das Meisterwerk eines Kinderbuchs geschrieben hätte, hätte ihm dieser Krimi allein nicht die literarische Unsterblichkeit eingebracht. Wenn man es allerdings weiß, liest man den Krimi doch mit anderen Augen.
Die nächste Frage lautet: Wie er denn seine Auswahl trifft.
Er vergleicht es mit einer Hochzeit. Something Old, Something New, Something Borrowed, Something Blue. So ungefähr wäre es auch bei der Auswahl. Sein Lieblingsheld aus der Literatur wäre Lord Peter Wimsey. Der Detektiv von Dorothy L. Sayers. Dieser Charakter hat ein Lebensmotto: Wohin mich meine Launen und Grillen führen. Mit anderen Worten, er höre da auf sein Lustprinzip. Worauf habe ich jetzt gerade Lust. Ich lasse mich ungern vom Zeitgeist oder von den jeweiligen Säuen die man da durchs Dorf treibt leiten. Er möchte gern selber Entdeckungen machen. Er liest nicht die Titel, weil sie gerade angesagt sind. Ganz komme er aber nicht drum rum, aber meistens suche er sich da seinen eigenen Weg. Gleichzeitig ist Literaturkritik ein komisches Unternehmen, also er verfolge die internationalen Feuilletons. er liest nicht nur deutsche Zeitungen. Er reist sehr viel, ist über die Hälfte des Jahres on Tour. Wo immer er ist, geht er in Buchhandlungen, schaut sich die Auslagen an. Auch die Bestsellerlisten. Schaut sich auch an, wer bekommt, welche internationale Buchpreise. Den Literaturbetrieb sollen wir uns wie einen Bienenstock vorstellen. Sie würden ein und ausfliegen, jeder bringt Nachrichten mit. Es wird auch heute Abend so sein, sie werden bestimmt noch ein Glas trinken gehen, dann erzählen wir uns zum Beispiel: Ich war gerade in Frankreich. Ich war gerade in Südafrika. Da geht es um das, und das, und das. Auf diese Weise, bekommt man unheimlich viel mit. Das meine ich mit komischen Unternehmen. Es ist auch eine Art von Schwarmintelligenz. Das wächst nicht nur auf eigenem Mist, hinzu kommt eben auch, was mich vielleicht von einigen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet ich bin mit Comics aufgewachsen. Er sei deshalb nicht der Überzeugung, das Literatur nur aus dem besteht was im Suhrkamp Verlag erscheint, sondern er kann sich auch intelligentes Leben außerhalb von diesem Verlag vorstellen. Das ist nicht unbedingt das, was die deutsche Literaturkritik durchschnittlich prägt.
Die nächste Frage war: Gibt es eine deutsche Übersetzung zu Nature Writing.
Das wäre eine sehr komplexe und sehr schwierige Frage. Er benutze den Begriff Nature Writing wenn er keinen anderen Begriff im deutsche finden würde. Es gibt eine Autorin, die Judith Schalansky die sich darauf spezialisiert hat. Der Matthes und Seitz Verlag hat hierzu eine eigene Buchreihe mit Namen Naturkunden. Sie hat sich für den Begriff Naturkunden entschieden. Um das zu transportieren, aber Nature Writing, wir wären doch so anglifiziert inzwischen, das wir ungefähr verstehen was damit gemeint ist. Es sei ganz wichtig darauf hinzuweisen, das im Grunde das was wir Romantik nennen, nichts anderes ist als die frühe deutsche Form von Nature Writing.
Nächste Frage, die mich auch sehr interessiert hat: Wie schafft er es 180 Bücher im Jahr zu lesen.
Ja, es klinge viel, aber eigentlich müsste diese Frage seine Frau beantworten. Das ist wirklich so, er mache ansonsten keinen Handschlag. Wir lachen alle laut. Jede Art von Mitarbeit im Haushalt, im Garten oder sowas pariere er mit dem Hinweis: Ich würde so gern, aber muss doch noch dieses Buch lesen. Also es klingt schon viel, aber uns müsse klar sein, das er das hauptberuflich macht. Er lese in der Woche zwei, drei Bücher. Das ist eigentlich, nicht so wahnsinnig viel. In seiner schlimmen Science Fiction Phase, hatte er Freunde die bedeutend mehr lasen. Das sei aber auch eine Frage der Fokussierung, und wohlgemerkt er mache das nicht nebenbei. Allerdings muss er sich oft vor die AUgen und die Ohren führen, er wird nicht für das Lesen bezahlt, sondern für das Schreiben. Lesen sei nur die eine Hälfte seines Jobs. Aber von der Zahl sollen wir uns nicht ins Bockshorn jagen lassen. wenn er eines gelernt hat, man kann sich auch dummlesen. Er kenne viele Kolleginnen und Kollegen, er wolle keine Namen nennen, die viel gelesen haben und das hat auch nicht sehr viel gebracht. Schallendes Gelächter unsererseits.
Die nächste Frage: Ob er Parallel lese oder hintereinander weg.
Er versuche eigentlich eins nach dem Anderen zu lesen. Mitunter sei er aus Produktionszusammenhängen, gezwungen zwei manchmal sogar drei Bücher parallel zu lesen. Meistens seien es dann, komplexe Sachbücher. Währenddessen er doch die Lust verspüren würde, mal etwas anderes lesen zu wollen. Er versucht nicht zu duschen, sondern zu baden, damit er in der Badewanne lesen kann. Er liebe es sehr, den Tag mit einem Bad zu beginnen und so zehn bis fünfzehn Minuten zu lesen. Dazu genieße er einen Assam Tee mit Milch. Er liebe es auch sehr, den Tag mit einer freien Lektüre zu beenden. Die letzte Viertelstunde vorm Schlafen gehen. Was er dazu trinke, würde er uns nicht verraten. Diese beiden Viertelstunden, möchte er gerne selbst bestimmt lesen. Das klappe aber auch nicht immer. Er versuche es aber.
Die letzte Frage bezieht sich, auf das Lesen der Bücher in Originalsprache.
Das wäre jetzt unglaublich Großkotzig, so seine Aussage. Wieviel Sprachen er beherrsche, manche behaupten nicht mal seine Muttersprache. Er hätte früher ja übersetzt. 15 Jahre vom literarischen übersetzen. Davon hätte er gelebt, da wären natürlich auch seine Wurzeln. Das sei auch heute noch, ein großes Kapital. Er könne kein polnisch, portugiesisch lesen. Er hätte eine rudimentäre Lesefähigkeit in französisch. Aus dem englischen hätte er übersetzt. Er sei sehr auf die unbesungenen Helden des Übersetzens angewiesen.
Denis Scheck weist noch auf den Büchertisch hin von der Buchhandlung Osiander, falls in uns nun der unwiderstehlichen Wunsch erwacht sei, eins der besprochenen Bücher zu erwerben, sei die gute Nachricht im Kapitalismus, es ist möglich. Am Büchertisch, sind alle diese Bücher zum Verkauf vorrätig. Er bedankt sich noch für unsere Aufmerksamkeit.
Büchertisch von der Buchhandlung Osiander

Der Abend war besonders. Bücher von denen ich noch nie gehört habe. Bücher dessen Autorinnen und Autoren ich noch nicht wahr genommen hatte, sind in meinen Fokus gerückt worden. Wer weiß, vielleicht lese ich das ein oder Andere. Das wird die Zeit zeigen.